Pietro Beritelli © Gabriele Griessenböck

Überraschende Einblicke gewährte Professor Pietro Beritelli.

© Gabriele Griessenböck

»Gäste gehen dorthin, wo alle hingehen«

Mit einem Teilnehmerrekord von 150 Tourismusfachleuten aus DACH und Italien ging das »Top Seminar« des Bundesverbands Österreichischer Tourismusmanager im Salzkammergut über die Bühne.

von redaktion
17. Oktober 2023

Tourismusfachleute aus Österreich, Deutschland, Italien und der Schweiz versammelten sich unlängst beim heurigen »Top Seminar« des Bundesverbands Österreichischer Tourismusmanager (BÖTM) in Gosau am Dachstein. Im Zentrum der Diskussionen stand die Frage, welche Bedeutung die Imagewerbung der Destination auf die Urlaubsentscheidung hat.

»Wir Touristiker müssen in Zukunft noch stärker zusammenarbeiten, weil sich die Herausforderungen im Tourismus immer schneller wandeln und wir gemeinsam mehr Chancen haben, schneller Lösungen dafür zu finden«, konstatierte BÖTM-Präsident Mathias Schattleitner. Er betonte die Wichtigkeit offener Kommunikation in der Tourismusbranche. Die Urlaubsdestinationen stehen nicht in Konkurrenz. Sie können gemeinsam nur besser werden im Sinne des Urlaubserlebnisses. Deshalb habe man in den letzten Monaten verschiedene Austauschplattformen, neue Workshops und Veranstaltungen geschaffen. Darunter auch »die LTO9« als neue Arbeitsgemeinschaft der neun Landestourismusorganisationen.

Imagewerbung bringt keine neuen Gäste

Neue Perspektiven auf touristische Besucherströme gewährte Professor Pietro Beritelli von der Universität St. Gallen. In seiner Untersuchung stelle er ein überraschendes Phänomen fest: »Gäste gehen dorthin, wo alle hingehen.« Tatsächlich haben Studien gezeigt, dass es bestimmte touristische Hotspots gibt, die konsequent überlaufen sind. Dabei beschränken sich diese Ströme nicht auf klassische Touristenstädte wie Paris. Vielmehr gibt es innerhalb solcher Metropolen gezielte Zonen, die eine hohe Konzentration an Besuchern aufweisen. Einheimische hingegen meiden diese Hotspots.

»Touristische Image-Kampagnen haben keinen Einfluss auf die Entscheidung von Reisenden«, so Beritelli. Vielmehr seien Besuche von Freunden, Verwandten und Events ausschlaggebend für einen Urlaub. »Mikro-Influencer, also Menschen aus dem direkten Umfeld, spielen eine größere Rolle als prominente Influencer auf Plattformen wie Instagram«, betont er. Die Studienergebnisse von 2020 bis 2023 zeigen, dass touristische Imagekampagnen hauptsächlich dazu dienen, bereits bestehende Gäste oder solche, die sich schon am Ort befinden, anzusprechen. Ein Schlüsselaspekt ist die Erkenntnis, dass der Erfolg nicht durch Nächtigungszahlen gemessen werden sollte. Vielmehr sei die Qualität des Angebots und das Engagement der örtlichen Akteure ausschlaggebend.

Stellenwert der Nächtigungszahlen überdenken

Aber wer ist verantwortlich für die Nächtigungszahlen? »Das ist ein Zusammenspiel vieler Faktoren und Akteure. Das lässt sich nur schwer eingrenzen. Es ist jedoch klar, dass sich touristischer Erfolg nur schwer über die Nächtigung abbilden lässt. Im Fokus müssen neben klassischen Wertschöpfungsfaktoren, auch die Tourismusakzeptanz der lokalen Bevölkerung oder Nachhaltigkeitsaspekte stehen. Denn eine Region kann nur dann langfristig vom Tourismus profitieren, wenn auch die lokale Bevölkerung vom Tourismus profitiert, in die Prozesse eingebunden ist und mit den Ressourcen vor Ort sorgsam umgegangen wird«, so Astrid Steharnig-Staudinger, Geschäftsführerin der Österreich Werbung.

Für Manuel Bitschnau von Montafon Tourismus steht fest: »Eine Marke ist kein Logo, sie ist ein Gefühl.« Ziel solle es sein möglichst positive Markenerlebnisse in einer Region zu schaffen und negativ besetzte zu streichen. Das Lebensraummanagement und das Einbeziehen der Einheimischen wird zur wichtigen Aufgabe von Destinationen. Neue Strategien der Tourismusdestinationen sind demnach zugleich alte Aufgaben. »Destinationen kommt die Servicierung ihrer Betriebe zu. Wir müssen massiv bei der Digitalisierung unterstützen«, so Mariella Klement-Kapeller, Geschäftsführerin Wiener Alpen.

Tourismus blickt in eine datengesteuerte Zukunft

Olaf Nitz von der Agentur Saint Elmo’s und Annette Klett-Steinbauer vom Consultingunternehmen Thaltegos kombinierten ihre Expertise der Tourismusstrategie und Datenanalyse. Während Business Intelligence (BI) das Sammeln und Analysieren von Daten betont, hat die Künstliche Intelligenz (AI) durch Entwicklungen wie ChatGPT einen Aufschwung erlebt. Durch die Kombination dieser Technologien erhält der Tourismussektor datenbasierte Einblicke in das Verhalten von Betrieben, Gästen und Einheimischen, um strategische Entscheidungen zu treffen. Mit der sich ständig entwickelnden Technologie werden künftig Daten vorausschauender und interaktiver. Die Branche wird in eine datengesteuerte Zukunft blicken.

Den Abschluss machte der Mentaltrainer Thomas Baschab, der in seiner Keynote aufzeigte, dass Erfolg im Kopf beginnt. Das nächste »BÖTM Top Seminar« findet von 2. bis 4. Oktober 2024 in Velden am Wörthersee statt.

Lesenswert

Die »Soulsisters« Jessica Leitner-Reitzer und Jennifer Franic-Reitzer © Soulsisters' Hotel

Die »Soulsisters« Jessica Leitner-Reitzer und Jennifer Franic-Reitzer © Soulsisters' Hotel

Interview

»Durch das Rebranding sind viele Stammgäste weggefallen«

Warum das Konzept des Kapruner »Soulsisters’ Hotel« dennoch ein Erfolg ist, wieso sie den elterlichen Betrieb komplett umgekrempelt haben und wie sie traditionellen alpinen Charme mit kosmopolitischer Eleganz vereinen, verraten die beiden Schwestern Jessica Leitner-Reitzer und Jennifer Franic-Reitzer im PROFI-Interview.

© Shutterstock

© Shutterstock

Tourismus

Norbert Kettner, Eva Mandl und Preisträger Bernd Schlacher. © Christian Husar

Norbert Kettner, Eva Mandl und Preisträger Bernd Schlacher. © Christian Husar

Event

Gastro-Legende Bernd Schlacher in die »Austrian Event Hall of Fame 2024« aufgenommen

Bei der 8. Auflage der glanzvollen Gala wurden Mittwochabend im Wiener »Palais Ferstel« neben dem Szene-Gastronom auch Ex-»Forum Alpbach«-Präsident Franz Fischler, Ex-Ski-Ass Werner Grissmann und Pianist Rudolf Buchbinder für ihre Verdienste für die heimische Veranstaltungswirtschaft ausgezeichnet.

Colin Michel, Ana Maria Doss, Julia Maria Winkler und Daniel Schmöltzer © Eugen Karl Creates

Colin Michel, Ana Maria Doss, Julia Maria Winkler und Daniel Schmöltzer © Eugen Karl Creates

Karriere

Unlock Your Potential: »Key Summit« begeistert 200 Gäste in der »Wirtschaftskammer«

200 Fachleute kamen in der WKÖ zusammen, um ihre Karrieren und ihr persönliches Wachstum zu fördern.

© Shutterstock

© Shutterstock

Deutschland

Fußball-EM, Taylor Swift und Co. lassen die Hotelpreise kräftig steigen

Das Fußballgroßereignis und Konzerte internationaler Stars sorgen in Städten wie München und Dortmund zum Teil für eine Verdoppelung und Verdreifachung der Übernachtungspreise.

»AUTfluencerin« Lieselotte und Influencerin xLaeta © Kaiserschnitt Film GmbH

»AUTfluencerin« Lieselotte und Influencerin xLaeta © Kaiserschnitt Film GmbH

Social Media

#iamAUT-Initiative: »Österreich Werbung« schickt Influencer in Social-Media-freie Auszeit

Die deutsche Lifestyle-Influencerin xLaeta hat die Auszeit für einen Entspannungsurlaub in Salzburg genutzt, während ihr Account in der Zwischenzeit von einer »normalen« Österreicherin übernommen wurde. Die Aktion soll zum Handyverzicht im Urlaub anregen.

Meist gelesen

© Pexels/Polina Tankilevitch

© Pexels/Polina Tankilevitch

Reisen

So revolutioniert die Gen Z den Reisemarkt

Der Trendreport »Next Generation Hotels« der »Prodinger Tourismusberatung« analysiert die Erwartungen und Anforderungen der jungen Gäste an die Hotellerie.

Hallstatt leidet schon seit Jahren unter Overtourism. © Shutterstock

Hallstatt leidet schon seit Jahren unter Overtourism. © Shutterstock

Tourismus

Die zwei Gesichter des Tourismus: Das freut und frustriert Einheimische am meisten

Ein neues Analyseinstrument durchleuchtet die Stimmung in touristischen Orten und Regionen und zeigt die Auswirkungen auf die Lebensqualität der dort lebenden Bevölkerung.

»Post Vienna Blues«-Sujet in New York. © Vienna Tourist Board/Michael Nagle

»Post Vienna Blues«-Sujet in New York. © Vienna Tourist Board/Michael Nagle

Marketing

»WienTourismus« spricht »Reisewarnung« für Wien aus

»Post-Vienna-Blues«: In einer Kampagne in den USA und Kanada warnt die Marketingorganisation vor einem psychologischen Phänomen, das Reisende nach ihrem Aufenthalt in der Bundeshauptstadt heimsuchen kann.

ÖHV-Generalsekretär Markus Gratzer © Florian Lechner

ÖHV-Generalsekretär Markus Gratzer © Florian Lechner

Tourismus

Tourismusbarometer 2024: Hohe Kosten belasten österreichische Betriebe

Trotz durchwachsener Stimmung bewahren Österreichs Tourismusbetriebe ihren Optimismus für die bevorstehende Sommersaison.

Frank und Patrik Riklin © Flo Mitteregger

Frank und Patrik Riklin © Flo Mitteregger

Event

Erfolgreiche Premiere für die »FAFGA Future Night«

Einen Abend voller kreativer Kulinarik und visionärer Aktionskunst erlebten die hochrangigen Gäste aus der Tiroler Gastronomie und Hotellerie im »Congresspark Igls«. Die »FAFGA Future Night« zeigte auf, wie die »FAFGA« als Branchenfachmesse sich zu einer Zukunftsplattform für den Tourismus und insbesondere für Gastronomie und Hotellerie entwickeln soll.

© KitzSki/Werberger

© KitzSki/Werberger

Tirol

US-Beteiligungsunternehmen steigt bei Bergbahnen Kitzbühel ein

»LongRange Capital« hat über seine Tochtergesellschaft »Alpin Unlimited« knapp 32 Prozent an »KitzSki« erworben.

Der Newsletter für echte Profis

Be inside and take your chance! Regelmäßige Karriere-Updates aus Gastronomie und Hotellerie, kostenlos in Ihr Postfach!