Auf das Wirtshaus! (v.l.n.r.) Mitglied der »Zeche Hinterfotzing«, Braumeister Josef Niklas (Brauerei Ried), »Bierpapst« Conrad Seidl und Gastgeber Sebastian Voglmayr.
© Anna Läng
Gegen das Wirtshaussterben: »Bauböck« feiert mit Jubiläumsbier und Feminismus
Das Gasthaus als »Ort für alle«: Mit dem ersten »Bierfest« setzte der Innviertler Familienbetrieb der Familie Voglmayr ein starkes Zeichen – mit Genussstationen, spannenden regionalen Bier-Pairings und der ersten »Menschazech«.
von Brigitte Radl
30. März 2026
»Für uns war es eine Release Party«, sagt Biersommerlier und Gastgeber Sebastian Voglmayr. »Wir sind drei Generationen im Betrieb, diese Geschichte wollten wir erzählen – und das in einem feministischen Kontext.«
»Released« wurde beim Bierfest im »Gasthof Bauböck« die »Jubliäumsedition A26«: ein Bier kreiert zum Doppeljubiläum der Gemeinde Andorf (900 Jahre erste urkundliche Erwähnung, 75 Jahre Markterhebung). Dazu gab es Kulinarisches von der Gastgeber-Familie Voglmayr sowie Gstanzl und Tanz von der »Zeche Hinterfotzing«, der selbsternannten »1. Menschazech Österreichs« – ein bewusster Kontrapunkt im Geiste von Gleichberechtigung und Vielfalt, immerhin sind die Innviertler Zechen bekanntlich Kameradschaften lediger Burschen, die sich zum Trinken im Wirtshaus trafen.

Wirtshaus heute: locker und dynamisch
Für Sebastian Voglmayr ist das Wirtshaus ein »Ort für alle«, so auch der »Gasthof Bauböck«, seit 1860 in Familienhand. »Wir wollten eine lockere Veranstaltung machen«, erklärt er das Konzept des Bierfestes, das mit vier kuratierten »Genussstationen« Dynamik ins Lokal brachte und »die Gäste aus der Reserve lockte«.
»Abschauen« kann man sich einige der bodenständigen Pairings des bierkundigen Kochs – wurden doch an jeder Station Biere lokaler Braumeister geboten. In der Kaminstube wurde gejausnet: Zum live gehobelten Radi und dem Schnittlauchbrot mit regionaler Bäckerbutter wurde »Pils de Luxe« von Schnaitl gereicht. Wärmen konnten sich die Gäste an der »Suppenbudl« in der Gaststube im Omakase-Format bei herzhafter Fischsuppe mit dunkler Süße und viel Kümmel sowie einer Pilzessenz, dazu ein Weißbier von der »Brauerei Ried«.
Leichtes Jubiläumsbier, »Daydrinking« ab 10 Uhr
Salzig statt süß interpretierte Voglmayr die Bärlauch- und Blunzenpofesen an der »Budl bei da Kuchl«, serviert mit dem »A26 Jubiläumsbier«. »Es hat einen spannenden Stil«, so Voglmayr. »Wir sind von einem Festbier ausgegangen mit einer schönen Hopfung. Aber weil die Menschen zunehmend leichtere Biere trinken, ist es auch erfrischend. Es soll Lust auf ein zweites machen.«

Und das Dessert? »Die Gäste schwärmten vom ›Besoffena Bierfiara‹«, schmunzelt Voglmayr, einer »bieriegen« Variante des »Besoffenen Kapuziners«: Malzkuchen mit Dunkelbiereis, Birnenmarmelade und dunkler Biertunke. »Dazu passt das sehr regionale ›Baltic Porter‹«, ergänzt er.
Übrigens, das Bierfest startete zur Frühschoppen-Zeit um 10 Uhr. »Weil die durchzechten Nächte immer weniger werden«, so der Gastgeber. Auch da ist das das Wirtshaus des 21. Jahrhunderts am Puls der Zeit: Es folgt dem Trend des »Daydrinking«. 2027 soll es eine Fortsetzung geben.

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