Christian Clerici, Alexandra Gorsche, Oliver Csendes, Katharina Mayer-Ertl und Paul Blaguss in der Diskussion
© vibe moves you
VIDEO: Tourismus als game changer der Mobilitätswende
Um dieses Potenzial drehte sich die Diskussion im zweiten Panel »Gran Turismo Electric« auf dem von vibe und Audi veranstalteten Talk-Event »Challenge the Challenge«. Hier nachsehen!
von redaktion
05. Juli 2022
Die Themen Nachhaltigkeit, Umweltschutz, soziale und regionale Verantwortung werden bei der Wahl der Urlaubsdestination immer wichtiger – auch wenn aktuell noch zwei Drittel der Touristen, die nach Österreich reisen, mit dem Auto ankommen. Sanfte, aktive und emissionsfreie Mobilität gepaart mit Strom aus erneuerbaren Quellen spielt deshalb nicht nur, aber vor allem, in Tourismusregionen zwischen Skipiste, Wellness-Bereich und lokalen Partnerbetrieben seine Trumpfkarte als game changer in der Mobilitäts- und Energiewende aus. Gemeinsam mit dem Klima- und Energiefonds setzt vibe das Projekt »Gran Turismo Electric« um, bei dem Christian Clerici in jedem der neun Bundesländer, ausgewählte Vertreter der Mobilitäts- und Energiewende ins Gespräch bringt.
Bloß Akzente oder gesamtheitliches Konzept?
So auch im Gespräch in Wien mit Alexandra Gorsche (GF Falstaff Profi), Katharina Mayer-Ertl (Mobilitätsexpertin und stv. Leiterin der Tourismus-Servicestelle BMLRT), Oliver Csendes (CDIO Österreich Werbung) und Paul Blaguss (CEO Blaguss Reisen): Das Thema Nachhaltigkeit zog sich dabei wie ein roter Faden durch die einstündige Diskussion. Denn ob Gäste kommen, bleiben und nach der Abreise eventuell wiederkommen, das hängt immer stärker davon ab, ob das Land, die Region und die dort verwurzelten Tourismusbetriebe in diesem Konzept bloß Akzente setzen oder ihr Handeln und Angebot gänzlich nach den Regeln des Umwelt- und Klimaschutzes ausrichten.
Dabei betrachten die Gäste das Thema nachhaltiges Reisen laut Oliver Csendes immer stärker »als Zusammenspiel von ökologischen, ökonomischen und sozialen Komponenten«, denn die Erfahrung der Gäste ist immer eine Melange »der Begegnungen mit vielen Leistungsträgern«. Darüber hinaus sei »die saubere Energieproduktion, die Verzahnung mit der Region und der regionalen Landwirtschaft seit Jahrzehnten vorhanden«, jedoch habe sich »das Bewusstsein dafür und die Kommunikation darüber in letzter Zeit zunehmend verstärkt«.
Um diese Entwicklung weiter zu pushen und Sharing-Projekte, die auch für Mitarbeiter:innen nutzbar sind zu realisieren, müssen die »Angebote und Vorbildprojekte sichtbar gemacht« werden. Denn die Zeit des USP schwindet, wie Oliver Csendes analysiert: »Wir haben nur noch ganz wenig Zeit mit dem Thema Nachhaltigkeit zu punkten und uns zu positionieren – in zwei, drei Jahren wird das eine grundlegende Erwartung bzw. ein grundlegendes Entscheidungskriterium für die Auswahl der Destination sein.«
Neue Gäste ansprechen, neue Seiten aufzeigen
Auch Alexandra Gorsche vom Fachmedium Falstaff Profi sieht hier enormes Potenzial: »Die große Chance für uns als Tourismusdestination ist, dass wir bei der Gestaltung wieder eine Führungsrolle einnehmen können. Wir können sensibilisieren und dadurch neue Gäste ansprechen – und bestehenden Kunden, neue Seiten aufzeigen. Und die Branche ist definitiv bereit dazu.« Um die Vorreiterrolle und die nachhaltigen Angebote wie auch vorhandene Ladeinfrastruktur nach außen zu tragen, sollte daher »jeder Kommunikationsweg genutzt werden, der einem zur Verfügung steht«, so Gorsche, wobei »die Empfehlung« stets das »stärkste Mittel« sei.
»Viele Insellösungen funktionieren nicht. Und viele Betriebe wissen nicht, wie sie ein Projekt angehen sollen.«
Katharina Mayer-Ertl, Mobilitätsexpertin
Das Anschieben und Sichtbarmachen von nachhaltigen Tourismusprojekten ist quasi Katharina Mayer-Ertls Daily-Business, sie kann nur bestätigen: »Nachhaltigkeitszertifizierungen – und damit auch das Thema saubere Mobilität – werden immer stärker nachgefragt.« Es brauche »jedoch noch viel mehr Information an die Betriebe, die Gemeinden und an die Gäste – um die Möglichkeiten und Angebote für saubere bzw. sanfte Mobilität vor Ort bekannt zu machen.« Im gleichen Maße benötige es auch »mehr Platz für die aktive Mobilität«.
Als Branche und als Gesellschaft handeln
Die Vorteile von Förderungen und die gelebte Eigenverantwortung kann Paul Blaguss nur unterstreichen: »Mit Förderungen kann die Mobilitätswende beschleunigt werden.« Für ihn und das Unternehmen sei es jedoch ohnehin »selbstverständlich, dass wir saubere Mobilität und nachhaltige Tourismusangebote zusammenbringen«. Seit vielen Jahren setze das Unternehmen deshalb auf den Elektroantrieb: »Ausreden darf es jetzt keine mehr geben, die technischen Möglichkeiten sind vorhanden«, sagt Blaguss und bringt auf den Punkt: »Energieerzeugung, Nationalpark und Mobilitätswende schließen einander nicht aus. Ein klimaneutrales Land ist möglich.«
Keinesfalls muss es laut Alexandra Gorsche erst 2040 so weit sein, wie es im Regierungsprogramm festgeschrieben ist: »Das ist ein schöner Plan. Und ich glaube, dass es schneller gehen kann, als man glaubt.« Vor allem wenn sich jeder einzelne fragt: Was können wir alle zusammen tun, damit wir weiterkommen – als Branche und als Gesellschaft.
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