Rares Rind für Österreich: Juri Iwata, Züchterlegende Muneharu Ozaki und Kenji Oya (»Wagyu Masters«).

Rares Rind für Österreich: Juri Iwata, Züchterlegende Muneharu Ozaki und Kenji Oya (»Wagyu Masters«).

© Roland Graf

»Zum Dry-Agen eignet sich’s nicht« – Beef-Guru Ozaki über die Wagyu-Küche

Das beste Rindfleisch aus Japan trägt die Klassifikation »A5«. Toppen lässt sich das nur, wenn es auch »Ozaki Beef« ist. Der legendäre Wagyu-Züchter erläuterte FALSTAFF Profi, was sein Fleisch zur global gesuchten Delikatesse macht.

von Roland Graf
30. August 2025

Den Mann erlebt man nicht alle Tage. Selbst aus Bratislava war Kazune Takeuchi, Chef des legendär guten »Edomae Sushi Matsuki«, nach Wien gereist, um Muneharu Ozaki zu treffen. Am Tisch der »Shiki Boutique« traf er u. a. auf Zwei-Sterne-Koch Thomas Seifried (»Mandarin Oriental“), »Beef&Glory“-Chefin Vlatka Bijelac oder Friedrich Gruzla, Sous-Chef im »aend“. Ein illustre Runde, vereint in der Suche nach rarem Rind, das Juri Iwata nun direkt von der Legende aus Kyushu bezieht. Und zu dessen Präsentation der Wagyu-Guru ausnahmsweise angereist ist.

Die Ausnahme-Stellung des 65-jährigen Ozaki versteht man nur, wenn man mit der Klassifizierung japanischen Rindfleischs vertraut ist. In der Regel wird dieses nach der Herkunftsregion alias Präfektur benannt. Hyogo ist etwa die Heimat des berühmten Kobe-Beef. Viele Küchen arbeiten aber auch mit Miyazaki Beef, das aus der gleichnamigen Präfektur stammt. Und dann gibt es noch Ozaki Beef – es ist als einziges nach seinem Züchter benannt. »20 Jahre habe ich an der perfekten Futtermischung getüftelt«, gibt er einen Einblick, welchen Aufwand er für das perfekt marmorierte Japan-Rind treibt.

1.600 Rinder für die Welt

Den höchsten Standard, als »A5« weltweit gesucht in Steakhäusern und bei anderen Wagyu-Fans, erreichen rund 90 Prozent aller Ozaki-Produkte. »A4« ist vor allem in Japan gefragt, von diesen 10 Prozent seiner Schlachtungen exportiert er aber kaum etwas. Dafür beliefert der Herr mittlerweile 54 Länder mit über 1.600 Rindern. Seit sich 2014 auch Europa für den Wagyu-Import geöffnet hat, ist »Wagyu Masters« in München sein Partner. Und nun eben Juri Iwata, die sich mit »Sake no Ba« schon lange der Vermittlung flüssiger Japan-Spezialitäten widmet. Neben Wagyu stammt auch die Shiso-Blüte aus ihrer Sortimentserweiterung.

Doch Ozaki-san hat das 4,5 Kilogramm schwere Fleischstück zur Hand genommen, um weiter von seiner Zucht zu berichten. Auf den drei Höfen, für die er jährlich die 70 besten Kälber bei der Jungtierauktion erwirbt, werden die Tiere 30 Monate alt – acht Monate mehr, als in Japan Standard ist. »30 Prozent sind weibliche Tiere«, erläutert der Züchter, dass er sich auch um die Bestände kümmert. Zwar sei die Nachfrage nach diesen Tieren höher, »aber dann habe ich bald keine Muttertiere mehr«. Zehn Jahre lang sorgen sie für den reinrassigen Nachwuchs, acht Kälber ergibt das, die als »Ozaki Beef« dann die Gourmetküche versorgen.

Wagyu mit Ozaki beim Erklären
Osaki-san erzählt von seiner Rinderzucht. 90 Prozent seiner Produkte erreichen den höchsten Standard »A5«. | © Roland Graf

Die ideale Wagyu-Verarbeitung

Doch diese soll das einmalige Fleisch nicht auf den letzten Metern beeinträchtigen. Extrem kurze Garzeit und dünne Scheiben sind Standard – etwa beim »Sukiyaki vom Ribeye«, das verkostet wird. Doch die wichtigste Lehre bringt Muneharu Ozaki seinen Zuhörern gleich zu Beginn nahe: »Wegen des hohen Fettgehalts eignet sich unser Beef nicht zum Dry-Agen. Es wird vakuumiert gelagert«. Daraus ergibt sich aber auch die weitere Behandlung. Wie bei Butter hält nämlich die Kühlung das Fett stabil. »Möglichst lange in der Verpackung und gekühlt aufbewahren“, gibt der Rindfleisch-Guru aus Japan den anwesenden Köchen mit. Dann oxidiert das Fett nicht und auch der Umami-Geschmack »entfaltet sich beim Wet Ageing besser«.

Als Beispiel dafür dient in der »Shiki Boutique« das Nigiri mit geflämmtem Wagyu. »Da kommen zwei Arten von Umami zusammen«, weist Kenji Oya auf eine passende Würzung hin, die ebenso ungewöhnlich wie fulminant ist. Seeigel aus Japan krönt eines der Nigiri – und das zweite, mit Kaviar getoppte, Exemplar verblasst dagegen fast. Die leichte Salzigkeit und der herzhafte Charakter des Meerestiers harmonieren perfekt mit dem schmelzenden Wagyu-Fett. Die streng limitierte Delikatesse von den Felsenküsten Nord-Japans stellen eine Europapremiere dar: Nur dank spezieller Haltbarmachung kommt der frische Geschmack des Seeigels durch, verrät Juri Iwata.

Nigiri von der geflämmten Ribcap – auch so servierte der Münchener Kenji Oya den Koch-Kollegen Wagyu.
Nigiri von der geflämmten Ribcap – auch so servierte der Münchener Kenji Oya den Koch-Kollegen Wagyu. | © Roland Graf

Würze braucht Ozaki-Beef kaum

Kenji Oya, in München beheimatet und als Gründer der »Shoya«-Gruppe bekannt, steuert noch weitere Tipps zur Zubereitung des Luxusfleischs bei. Überwürzen des Wagyu nennt er als einen der Kardinalfehler, während er das Misozuke-Yaki aufträgt. Diese klassische Zubereitung, bei der das Rindfleisch in Miso mariniert wird, wird radikal verkürzt: »Normalerweise sollte das Fleisch vier oder fünf Stunden ziehen – bei Ozaki Wagyu reicht eine Stunde«. Ansonsten würde der „schon kräftige Eigengeschmack verloren gehen«. Und das will schließlich – vom Züchtern bis zum Gast – niemand!

Lesenswert

Rawlston Williams Karibik Rezept - Falstaff PROFI

Winzige Weißfische, mit Gewürzen knusprig gebraten: Damit können Sie Ihre Gäste im Sommer überraschen!

© NICO SCHINCO

Streetfood aus der Karibik: Rawlston Williams’ Tri Tri Fritters

Karibische Küche lebt von Gewürzen, Texturen und mutigen Aromen. Rawlston Williams bringt mit seinen Tri Tri Fritters ein Stück Saint Vincent auf den Teller. Ihre Gäste werden das Gericht lieben, vor allem im Sommer!

Rawlston Williams Karibik Rezept - Falstaff PROFI

So bunt wie die Karibik sind auch die Rezepte in Rawlston Williams »Caribbean Cookbook«.

© Phaidon Verlag, canva.com

Buch der Karibik: Rawlston Williams exotisches Koch-Kompendium

Am Image kann es nicht liegen! Und doch erfuhr die Karibik als eine der wenigen Weltgegenden kaum Beachtung als Kücheninspiration. Der New Yorker Chef Rawlston Williams ändert das. Bunte Rezepte, die ideal für den Sommer sind und die er in 28 Inselnationen sammelte.

ZU TISCH - Falstaff PROFI

Tausende Besucher strömten in den kleinen oberfränkischen Ort Wirsberg.

© Jesper Hilbig

Genuss und Wissen: »ZU TISCH!« zeigt, wie Foodfestivals heute funktionieren

Über 80 Manufakturen und Köche sowie mehr als 50 Workshops, Tastings und Talks: Das Festival »ZU TISCH!« erzeugt Aufmerksamkeit weit über die Grenzen Frankens hinaus – und hat sich längst vom Genuss-Event zur Plattform entwickelt.

Kulinarisches Paznaun - Falstaff PROFI

TVB Paznaun-Ischgl

© Von Juli bis Oktober 2026 verwandeln sich neun ausgewählte Hütten und Almen im Paznaun in besondere Genussstationen.

Gipfel der Genüsse: Gourmetköche warten im Paznaun auf 2.000 Metern

Regionale Produkte allein reichen oft nicht mehr aus, um Gäste zu begeistern. Im Paznaun setzt man deshalb auf eine enge Zusammenarbeit von Produzenten, Hüttenwirten und Spitzenköchen – und macht daraus ein touristisches Gesamtkonzept.

Rezept Massimo Bottura - Falstaff PROFI

Optisches Highlight: Diese Lasagne erfreut nicht nur den Gaumen, sondern auch das Auge.

© Lena Staal / STAAL & JOHS

Lasagne à la Bottura – italienische Glückseligkeit für Gaumen und Auge

Spitzenkoch Massimo Bottura verwandelt die klassische Lasagne in ein komplexes Gericht für Profis – vielschichtig, geschmacklich ausbalanciert und perfekt ausgeführt. Falstaff empfiehlt dazu einen rubinfarbenen Roten vom Weingut »Drei Donà« in der Emilia-Romagna.

Wer seine Karte modernisieren, jüngere Zielgruppen ansprechen oder einfach einen starken Eyecatcher braucht, liegt mit dem Crunchy Kimchi Burger genau richtig.

© Foto beigestellt

Produkt der Woche: Crunchy Kimchi Burger

Advertorial

Der Crunchy Kimchi Burger bringt frischen Wind auf Ihre Karte – laut, bunt und maximal im Trend. Der Food-Hype aus Südkorea liefert genau das, was Gäste heute lieben: echte Gemüsestücke, internationale Trendgeschmäcker und richtig viel Crunch.

Meist gelesen

Köche kochen für die Krebshilfe

Prominente Unterstützung für die »Österreichische Krebshilfe«: Jenny Frankl und Bernhard Murg vom »Kabarett Simpl« mit Bio-Spitzenköchin Clara Aue und ihrer Charity-Kreation.

© Moving Stills

Im Marktrestaurant Gutes tun: »HEU & GABEL« kocht für die »Krebshilfe«

Bio-Spitzenköchin Clara Aue, Jenny Frankl und Bernhard Murg vom Kabarett Simpl zeigten bei Sonnenschein am Meidlinger Markt, wie viel Wärme entsteht, wenn Genuss und guter Zweck aufeinandertreffen.

Familie Blochberger Eis-Greissler - Falstaff PROFI

Milch übrig: Georg und Andrea Blochberger machten aus einer kreativen Idee eine erfolgreiches Unternehmen.

© Eis-Greissler

Eis

15-Jahr-Jubiläum: Wie der »Eis-Greissler« aus einer Notlösung ein Geschäftsmodell machte

Mit »Schnitzel«- und »Grammeleis«: Der »Eis-Greissler« feiert Jubiläum und zeigt, wie sich aus einem einfachen Produkt durch Storytelling, Erlebnisse und mutige Ideen eine starke Freizeitmarke entwickeln lässt.

Vina Graz - Falstaff PROFI

Hommage an die Mama: Thi Ba Nguyen (links) und ihre Suppe dürfen auch auf dem Top-Level nicht fehlen!

© Roland Graf

Fine Dining auf Vietnamesisch: Das »Vina« Graz schwimmt gegen den Strom

Es ist ein Statement gegen Spar-Wahn. Und eines, das dem Gästewunsch folgt: Zusätzlich zu den Streetfood-Klassikern bietet Robert Nguyen ein aufwändiges Sechs-Gang-Menü. Mit dabei natürlich auch: die Suppe von seiner 85-jährigen Mutter.

Branchentagung - Falstaff PROFI

Manfred Ronge präsentiert bei der 17. Branchentagung der Österreichischen Gemeinschaftsverpfleger Zukunftsthemen – darunter KI, Robotik und Digitalisierung.

© Schörg VISUALS

KI, Kosten und Robotik – das treibt Österreichs Gemeinschaftsverpfleger derzeit um

»Zukunft nicht abstrakt diskutieren, sondern gemeinsam greifbar machen« – unter diesem Motto trifft man sich bei der 17. Branchentagung der Gemeinschaftsverpflegung zum Austausch über Digitalisierung, Automatisierung und Sicherheit.

Obauer - Falstaff PROFI

Nach 47 Jahren in der österreichischen Spitzengastronomie treten die Brüder Karl und Rudi Obauer am Nationalfeiertag den Ruhestand an.

© Marco Riebler

»Restaurant-Hotel Obauer« schließt nach 47 Jahren seine Türen

Fast ein halbes Jahrhundert bieten Karl und Rudi Obauer in Werfen im Salzburger Land feinste Kulinarik – bis Oktober. Die Brüder treten den wohlverdienten Ruhestand an.

Cookies Cream - Falstaff PROFi

BU: Das »Cookies Cream« stellt seine Küchenführung neu auf: Viktor Gerhardinger, Gründer »Cookie« Heinz Gindullis und Küchenchef Patrick Ziegert (v. l.).

© Alexander Gnädinger

Führungswechsel im »Cookies Cream« – Patrick Ziegert und Viktor Gerhardinger stellen sich vor

Das Berliner vegetarische Fine-Dining-Restaurant »Cookies Cream« stellt sich neu auf: Patrick Ziegert wird Küchenchef und Viktor Gerhardinger ergänzt das Team als Head of Culinary Development. Gemeinsam sollen sie die kulinarische Linie des Lokals weiter schärfen.

Der Newsletter für echte Profis

Be inside and take your chance! Regelmäßige Karriere-Updates aus Gastronomie und Hotellerie, kostenlos in Ihr Postfach!