30 Jahre «vomFass»: Wie ein schwäbisches Unternehmen die Welt des Feinkosthandels veränderte
Vor 30 Jahren brachte «vomFass» ein einzigartiges Konzept auf den Markt: hochwertige Feinkostprodukte wie Essige, Öle und Spirituosen direkt vom Fass. Heute ist das Unternehmen in 24 Ländern vertreten und gilt als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit und Transparenz.
Dreissig Jahre ist es inzwischen her, als ein gewisser Johannes Kiderlen quasi per Zufall auf die Idee seines Lebens stiess. Kiderlen, damals erfolgreicher Inhaber von 25 Getränkemarkt-Filialen in der Region Oberschwaben, wollte eigentlich Tausende Flaschen Sherry aus Spanien beziehen. Geliefert wurde aber deutlich mehr – und das auch noch als Offenware. Not macht erfinderisch, heisst es so schön, und so füllte Kiderlen den Sherry in Fässer und zapfte ihn direkt von dort für seine Kundschaft ab. Das Ganze wurde zu einem durchschlagenden Erfolg, und Kiderlen fragte sich, warum nicht auch hochwertige Essige, Öle, Weine und Spirituosen direkt vom Fass, Tonkrug oder Glasballon anbieten: Die Marke vomFass war geboren.
Am 23. März 1994 eröffnete in Regensburg die erste «vomFass»-Filiale, auf die noch zahlreiche folgen sollten. Kiderlen entwickelte das «vomFass»-Konzept von Beginn an auf Franchise-Basis. Das Ganze sollte multiplizierbar und interessant für Existenzgründer und Unternehmer sein. Bereits zwei Jahre nach der Eröffnung der ersten Filiale wurde man in Österreich aktiv, danach folgte die Schweiz und im Jahr 2000 sogar Japan. Inzwischen existieren über 230 vomFass-Filialen in 24 Ländern rund um den Globus.
Von Waldburg in die Welt
Motor für diese Entwicklung war sicherlich auch Johannes Kiderlens Sohn Thomas, der das Familienunternehmen vor fast fünfzehn Jahren von seinem Vater übernommen hat und von Beginn an daran arbeitete, «vomFass» noch bekannter zu machen. Raus aus dem kleinen, beschaulichen schwäbischen Waldburg, wo sich heute die vomFass-Manufaktur befindet, hinaus in die Welt, wo er selbst zuhause ist. Thomas Kiderlen arbeitete mehrere Jahre in Hongkong und lebte in den USA, bevor es ihn zurück in die Heimat verschlug und er das Unternehmen sukzessive in die Zukunft transportierte. Er brachte «vomFass» ins Internet, entwickelte ein neues Shopkonzept und stellte das Thema Nachhaltigkeit noch stärker in den Fokus, als es sowieso schon der Fall war. Schliesslich kann vomFass getrost als Vorreiter der Unverpackt-Läden gesehen werden, die erst deutlich später Fahrt aufnahmen.
«Durch das Wiederbefüllungskonzept sparen wir jedes Jahr 300 Tonnen CO₂ ein und vermeiden zudem die Produktion neuer Glasflaschen, die ein äusserst ressourcenintensiver Prozess ist», berichtet Firmenchef Thomas Kiderlen. Ausserdem setzt sich das Unternehmen aktiv für den Erhalt der oberschwäbischen Streuobstwiesen ein, indem es den hiesigen Erzeugern deutlich höhere Preise für ihr Obst zahlt als marktüblich. Ein bedeutendes Engagement, denn Streuobstwiesen zählen zu den artenreichsten Kulturlandschaften Mitteleuropas und sind in Deutschland seit Jahrzehnten rückläufig. Aus dem nachhaltig produzierten Obst der Streuobstwiesen werden in der «vomFass»-Manufaktur in Waldburg unter anderem naturtrüber Apfelsaft, Cidre und Apfel-Balsam-Essig hergestellt – nur einer der vielen Balsam-Essig-Spezialitäten von «vomFass», die zu 100 Prozent aus der namensgebenden Frucht und ohne den Zusatz von Branntweinessig hergestellt werden.
Sichtbar faire Lieferketten
Nachhaltigkeit bedeutet bei «vomFass» auch absolute Transparenz. Deshalb lässt sich seit Neuestem für zahlreiche vomFass-Produkte auf der Plattform Seedtrace nachvollziehen, von wem exakt die Rohstoffe stammen – im Falle des Apfel-Balsam-Essigs etwa die Äpfel – und wie viel hierfür bezahlt wurde. «Wir bei vomFass sind überzeugt: Transparenz schafft Vertrauen. Deshalb öffnen wir die Türen entlang unserer gesamten Wertschöpfungskette. Kunden erfahren nicht nur, woher unsere Produkte stammen, sondern auch, wer sie mit Sorgfalt und Expertise herstellt. Unsere digitale Plattform macht diesen Einblick klar, schnell und zugänglich – für alle, die Wert auf Herkunft und Qualität legen», erläutert Kiderlen.
Apropos Qualität: Diese ist bei «vomFass», dem «Beliebtesten Falstaff Feinkosthändler 2024», von der ersten Stunde an Grundvoraussetzung. Schliesslich sieht das Geschäftskonzept vor, dass die Kunden die Produkte vor dem Erwerb probieren können. Neben Essigen, Ölen und ausgezeichneten Spirituosen wie etwa dem Cognac Cuvée «Paradis» Premier Cru de Cognac 40 YO, der von Falstaff mit satten 97 Punkten ausgezeichnet wurde, finden sich im vomFass-Sortiment heute zahlreiche Spezialitäten. Darunter auch Pasta, Trüffel, Gewürzmischungen, Senf, Honig, Antipasti, Schokolade, Pralinen, Fruchtaufstriche und vieles mehr.
Die Erfolgsgeschichte von «vomFass» zeigt, dass innovative Geschäftsideen aus Zufällen entstehen und, dass Nachhaltigkeit mehr ist als nur ein Schlagwort. Von einer zufälligen Sherry-Lieferung bis zum internationalen Feinkostunternehmen hat sich vomFass zu einem Vorreiter für verantwortungsvolles Wirtschaften entwickelt. Für Thomas Kiderlen und sein Team bleibt eines gewiss: Die Reise geht weiter. «Wir sind immer offen für neue Ideen», sagt er schmunzelnd – und lässt damit erahnen, dass die Geschichte von vomFass noch lange nicht zu Ende erzählt ist.
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