Zentraler geht es kaum – das »Hotel Adlon« hat eine Ausnahmelage am Pariser Platz in Berlin-Mitte und ist nur wenige Schritte vom Brandenburger Tor entfernt.

Zentraler geht es kaum –  das »Hotel Adlon« hat eine Ausnahmelage am Pariser Platz in Berlin-Mitte und ist nur wenige Schritte vom Brandenburger Tor entfernt.
© Hotel Adlon Kempinski Berlin

Currywurst und Kaviar: So ist das berühmte Berliner »Adlon« wirklich

Berlin
Hotel

Das Berliner »Adlon« ist ein Luxushotel mit zwei Leben. Schon nach der ersten Eröffnung 1907 galt es als exklusivste Adresse Berlins – bis es am Ende des Zweiten Weltkriegs niederbrannte. Nach der Wiedervereinigung wurde das ikonische Haus an derselben Stelle wieder aufgebaut und schreibt seit 1997 seine Geschichte mit illustren Gästen und hochklassiger Kulinarik fort.

Als das Licht der untergehenden Sonne ins Restaurant fällt, bietet Maître Oliver Kraft zwar an, für etwas Schatten zu sorgen. Doch nein! Das Blenden der Lichtstrahlen im »Lorenz Adlon Esszimmer« nimmt man gern in Kauf. Durch die Fenster hat man schließlich einen freien Blick auf das berühmteste Wahrzeichen Berlins: auf das Brandenburger Tor, hinter dem sich ein dramatisches Wolkenspiel auftürmt, durch das romantische Sonnenstrahlen dringen, die der Quadriga einen glühenden Kranz verleihen. Was für ein besonderer Augenblick in einem besonderen Hotel!

Derart exklusiv im berühmten »Adlon« im Herzen Berlins zu dinieren, ja auch nur luxuriös zu nächtigen oder in der Lobby einen Cocktail zu trinken, war allerdings über Jahrzehnte nicht möglich. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges existierte die wahrscheinlich exklusivste Hoteladresse der Stadt zunächst nur noch in der nostal­gischen Erinnerung an glanzvolle Tage. Denn: Am 5. Mai 1945, nachdem das Hotel zwei Kriege nahezu unbeschadet überstanden hatte, fand es zunächst doch sein Ende. Soldaten plünderten den umfangreichen Weinkeller, dann stand das Luxushotel in Flammen. Diesen Brand überlebte lediglich ein Seitenflügel, der in der DDR als Hotel und Wohnheim genutzt und in den 1980ern ganz abgerissen wurde.

Ikone mit Langer Historie

Doch der Traum vom »Adlon« war nicht ausgeträumt. Die Hotellegende bekam nach der Wiedervereinigung ein zweites Leben. Die Kempinski-Gruppe erhielt damals den Zuschlag und betreibt es bis heute. Eine wichtige Bedingung der Eigentümerfamilie: Das Hotel musste unter demselben Namen an derselben Stelle aufgebaut werden, wo zu DDR-Zeiten Grenz-Niemandsland war – an der Adresse Unter den Linden 77 in Berlin-Mitte. Und genau dort wurde es im Jahr 1997 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog eröffnet und bietet seitdem wieder eine exzellente Ausgangslage für Erkundungen der Metropole in jede Richtung. Eine detailgenaue Kopie des ersten »Adlon« ist der Neubau dabei nicht geworden. Vielmehr wurde er in einem neuen Stil den Erfordernissen der neuen Ära angepasst und über die Jahre erweitert.

Zeitlose Schönheit

Das helle Gebäude, mit viel Sandstein und Marmor errichtet, strahlt klassische Eleganz aus. In den komfortablen Zimmern und Suiten, die sich alle in Details etwas voneinander unterscheiden, setzt sich dieser Stil fort. Die Aussichten rund um das »Adlon« bieten dabei ein Best-of Berlin: auf den Pariser Platz, auf Botschaften, die Kuppel des Reichstags, das Holocaust-Mahnmal und den Flanier-Boulevard Unter den Linden. Am begehrtesten ist der Blick auf das Brandenburger Tor. Der ist allerdings nur einigen der Suiten sowie der Präsidenten- und der Royal Suite vorbehalten, die unter anderem schusssichere Fenster und persönlichen Butlerservice bieten. In Letzterer erinnern Fotos an Queen Elizabeth II., die einst hier nächtigte.

Auch darüber hinaus lassen sich häufig Berühmtheiten im »Adlon« blicken. Filmstars und Staatsoberhäupter, Hochadlige und Künstler, die alle für Legenden, Anekdoten und manchmal auch Skandale sorgten. In der neuen »Adlon«-Zeitrechnung zählen Barack Obama, Catherine Deneuve, der Dalai Lama und Michael Jackson dazu. Doch auch in den ersten Hotel-Jahrzehnten checkten oft schillernde Persönlichkeiten wie Charlie Chaplin, Greta Garbo und Marlene Dietrich ein.

Ohnehin war das »Adlon« von Anfang an als Bühne für Adel und Oberschicht gedacht. Denn es gab zu Beginn des 19. Jahrhunderts zwar auch in Berlin schon feine Hotels, aber nichts so Exquisites und Weltgewandtes, wie es Lorenz Adlon damals vorschwebte. Für seine Hotelvision bekam der Mainzer Geschäftsmann und Kaffeehausbetreiber sogar die Unterstützung des glühend begeisterten Kaiser Wilhelm II., der es sich 1907 nicht nehmen ließ, das Haus persönlich zu eröffnen. Das war damals überaus modern und seiner Zeit voraus – nicht nur beim Warmwasser, das direkt aus der Leitung kam.

»Adlon oblige«, sagt Küchendirektor Stephan Eberhard. Der Name ­verpflichtet bis heute – auch kulinarisch natürlich. Aushängeschild ist das intime »Lorenz Adlon Esszimmer«, für das ein gefeierter Koch-Jungstar aus der Schweiz nach Berlin geholt wurde: Reto Brändli wechselte 2022 von St. Moritz ins urbane Berlin. Schon in der Schweiz war er mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet, und konnte nun auch im Adlon die zwei Sterne, die das »Lorenz Adlon Esszimmer« 2012 unter Hendrik Otto bekam, verteidigen. »Ich liebe die klassische Küche«, sagt der 33-Jährige. »Alles auf dem Teller soll harmonisch sein und eine gewisse Klarheit haben.«

Sein Hauptaugenmerk liegt dabei auf der französischen Küche, durchzogen von feinen asiatischen Einflüssen. Vier Mal im Jahr wechselt das Menü saisonal. Regionalität spielt für Brändli kaum eine Rolle – vom südfranzösischen Spargel bis zum Lamm aus Bayern steht für ihn die Qualität des Produkts im Vordergrund. Besonders aufregend: seine Vorliebe für starke, köstliche Saucen, manchmal sogar in zwei Varianten in seine kulinarischen Kunststückchen integriert.

Kulinarische Kontraste

Doch bei allem Luxus wird auf Berliner Lokalkolorit nicht verzichtet. Von der Spree­waldgurke sind es beim ­opulenten Frühstücksbüffet in der Beletage nur wenige Schritte bis zur Kaviar-Station und zum Champagner. Auch im zweiten Restaurant, der »Brasserie Quarré«, die eine Außenterrasse mit Brandenburger-Tor-Blick hat, stehen einige Berliner Klassiker auf der Karte. Schließlich setzt sich der reizvolle Kontrast aus Bodenständigkeit und noblem Ambiente auch in der »Lobby Lounge & Bar« fort: mit gehobenen Versionen der großen Imbiss-Klassiker aus der Hauptstadt. Die Currywurst – ohne Darm natürlich – wird im Porzellanschälchen mit eigener Saucenkreation und Blattgold serviert. Der Adlon-Döner im Viertelfladenbrot ist unter anderem gefüllt mit sous-vide gegartem Fleisch. Der unwiderstehliche Kick: die Trüffel, die daraufgehobelt werden.

Auch wenn das alte »Adlon« komplett zerstört war: Die Vergangenheit hat heute noch ihren Platz im Hotel. Das Design der blauen Mützen der Pagen, die die Gäste am Haupteingang am Pariser Platz in Empfang nehmen, stammt aus der alten Zeit. Aber auch der Elefantenbrunnen, der Blickfang in der großen Lobby, ist die detailgetreue Nachbildung eines Geschenks des Maharadschas von Patiala von 1930. Um den plätschernden Brunnen herum kann man auf den Sofas und in den Sesseln Platz nehmen, einen opulenten Afternoon Tea mit einem Glas ­Champagner genießen. Oder in der Bar einen Cocktail bestellen, der vom »Adlon« der 1930er inspiriert wurde. Dabei beobachtet man das geschäftige Treiben. Ewiges Sehen und Gesehen werden. »Im Adlon wohnt man nicht, im Adlon will man sein«, das war die Vorstellung von Lorenz Adlon – und die passt heute genauso wie vor mehr als 100 Jahren.


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Hotel Adlon


Nachdem das »Hotel Adlon« in Berlin-Mitte 1945 ausgebrannt war, wurde es nach der Wende wieder aufgebaut und 1997 zum zweiten Mal eröffnet. Das Hotel verfügt über insgesamt 385 Zimmer und Suiten und neben der »Lobby Lounge & Bar«, wo unter anderem kleinere Gerichte, Cocktails und Afternoon Tea serviert werden, über zwei Restaurants: die »Brasserie Quarré« mit Außenterrasse sowie das mit zwei Michelin-Sternen prämierte »Lorenz Adlon Esszimmer«. Darüber hinaus gibt es einen Ballsaal für festliche Anlässe – inklusive Kronleuchter aus Murano-Glas. Das »Adlon Spa by Resense« komplettiert das Angebot, samt individuell abgestimmten Massagen und Schönheitsbehandlungen. Für eine Entspannungsauszeit kann man sich aber auch eine Spa Suite mit zwei Saunen, Whirlpool und Champagner mieten. 

Hotel Adlon Kempinski Berlin
Unter den Linden 77, 10117 Berlin
kempinski.com/de/hotel-adlon

Erschienen in
Falstaff Nr. 04/2024

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Sascha Rettig
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