Das essen die Radprofis bei der Tour de France
Bis zu 8.000 Kalorien verbrennen Radprofis während harter Etappen. Doch was kommt bei den Fahrern der Tour de France tatsächlich auf den Teller? Ein Blick hinter die Kulissen des Red-Bull-Teams.
Wer bei der Tour de France an die Grenzen der Belastbarkeit geht, braucht nicht nur starke Beine, sondern auch die richtige Energie zur richtigen Zeit. Während einer harten Bergetappe verbrennen Radprofis mehrere tausend Kalorien, die anschließend wieder aufgefüllt werden müssen. Was bei den Fahrern auf den Teller kommt, ist deshalb kein Zufall, sondern Teil der Rennstrategie. Ein Blick hinter die Kulissen des Teams Red Bull zeigt jetzt, wie genau die Verpflegung der Fahrer abgestimmt wird.
Bis zu 8.000 Kalorien pro Tag
Je nach Etappe verbrauchen die Profis enorme Energiemengen. Auf besonders anspruchsvollen Bergetappen können es bis zu 8.000 Kalorien sein. Entsprechend genau wird die Ernährung geplant: Jede Mahlzeit wird auf den individuellen Bedarf der Fahrer abgestimmt und liefert die benötigten Mengen an Kohlenhydraten, Eiweiß und Fett.
Dabei zählt nicht nur die reine Kalorienmenge. Die Ernährung richtet sich auch nach dem Etappenprofil, der Belastung des Vortages und der notwendigen Regeneration. Ein Sprinter benötigt andere Mengen als ein Kletterer, auch Allergien und Unverträglichkeiten werden berücksichtigt.
Hinter den Kulissen der Teamküche
Teamköchin Justine Bailleul beginnt ihren Tag bereits früh am Morgen mit der Zubereitung des Frühstücks. Auf dem Speiseplan stehen unter anderem Reisbrei, Haferbrei, Omelett, Pancakes und Beeren.
Bailleul gehört zu den Performance-Köchen des Teams und ist bereits seit mehreren Jahren im Profiradsport tätig. Gemeinsam mit den Ernährungsberatern erstellt sie die Rezepte und passt die Mahlzeiten an die Anforderungen der Fahrer an. Die Gerichte werden in einer speziellen Software hinterlegt, damit jede Portion exakt berechnet werden kann. Entscheidend sind dabei vor allem die Mengen an Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten.
Die Küche eines Profiteams reist dabei mit. Bei einer Grand Tour wie der Tour de France ist ein eigener Küchentruck eine mobile Basis: ausgestattet mit professioneller Küche und Essbereich, damit die Fahrer auch unterwegs eine gewisse Routine behalten können. Während das Rennen täglich den Ort wechselt, bleibt die Verpflegung ein konstanter Bestandteil des Tagesablaufs.
Vom Frühstück bis zum Abendessen genau geplant
Das Frühstück ist für die Fahrer mehr als nur die erste Mahlzeit des Tages. Es ist eine feste Routine vor dem Start. Typische Bestandteile sind etwa Vanille-Milchreis, Zimt-Porridge, Brot als Kohlenhydratquelle, Omelett für Eiweiß sowie Beeren für Vitamine und Antioxidantien.
Nach dem Frühstück beginnt für die Küchencrew die nächste Etappe: Während die Fahrer zum Start fahren, wird der Küchentruck weitertransportiert, Lebensmittel werden eingekauft und die nächsten Mahlzeiten vorbereitet. Dabei wird jeden Tag aufs Neue geplant, welche Gerichte zur Belastung und zum Bedarf der Fahrer passen.
Kohlenhydrate stehen im Mittelpunkt
Vor einer Bergetappe setzt das Team auf leicht verdauliche, kohlenhydratreiche Mahlzeiten. Dazu gehören etwa Brotpudding mit Äpfeln und Rosinen, Gnocchi mit Tomatensoße und Hähnchenbrust sowie ein Salat mit roter Beete, Walnüssen und Orangen. Die Portionen werden für jeden Fahrer individuell berechnet und auf den jeweiligen Energiebedarf abgestimmt.
Auch das Abendessen folgt diesem Prinzip. Nach einer Etappe stehen etwa Pasta mit Pilzsoße, Fisch mit geröstetem Gemüse sowie als Snack Zitronenkuchen mit Zitronencreme auf dem Speiseplan.
Der Fokus liegt dabei klar auf Kohlenhydraten. Die Gerichte sind bewusst leicht verdaulich und fettarm gehalten, damit die Fahrer ihre Glykogenspeicher optimal auffüllen können. Vor besonders harten Etappen wird außerdem darauf geachtet, ballaststoffreiche Lebensmittel zu reduzieren, um den Magen nicht zusätzlich zu belasten.
Süße Ausnahmen
Auch Radprofis leben nicht ausschließlich von Reis, Pasta und exakt abgewogenen Portionen. Einen klassischen Cheat Day gibt es zwar nicht, kleine Belohnungen sind aber eingeplant. Schokoladendesserts stehen bei vielen Fahrern hoch im Kurs, und vor einem Ruhetag darf es auch einmal Pizza oder Burger sein. Denn die Teamküche muss nicht nur den Nährstoffbedarf decken, sondern auch dafür sorgen, dass die Fahrer das Essen gerne annehmen.