Das ist die Eissorte des Jahres 2026
Ein Hauch Kindheit, ein Löffel Handwerk und eine Prise Nostalgie: »Pinocchio« wurde zur Eissorte des Jahres gewählt. Doch lediglich der Name hat etwas mit dem bekannten Kindheitsbecher gemeinsam.
In Berlin gehört die Kür der »Eissorte des Jahres« längst zum traditionsreichen Start in den Frühling, der weniger meteorologisch als emotional funktioniert. 2026 hat es eine Rezeptur geschafft, die sofort Bilder hervorruft: Pinocchio ist die Eissorte des Jahres.
Vorgestellt wurde die neue Kreation im »Caffè e Gelato« am Potsdamer Platz. Viel Show braucht es hier nicht. Stattdessen: Maschinen, die surren, Edelstahl, der glänzt, und Handgriffe, die sitzen. Innerhalb weniger Minuten entstand vor den Augen der Gäste das, was in diesem Jahr den Ton angeben soll. Mit dem Eisbecher aus der Kindheit, der mit Smarties, Sahne und einem schräg aufgesetzten Waffelröllchen als Nase verziert wurde, hat das Eis des Jahres jedoch wenig zu tun. Stattdessen handelt es sich schlichtweg um klassisches Milcheis, das auf Erdbeereis trifft und mit in Schokolade getunkten Grissini verziert wird.
Ungelogen lecker
Der italienische Branchenverband Uniteis e.V., Initiator der jährlichen Kür, verknüpft die Kombination mit dem 200. Geburtstag von Carlo Collodi, dem Schöpfer der berühmten Holzpuppe. Gut und Böse, süß und frisch, cremig und fruchtig – der Kontrast soll Programm sein. Auf der Zunge schmeckt »Pinocchio« weniger dramatisch, als es die Metapher verspricht, aber dafür umso köstlicher. Das Milcheis zeigt sich sanft, cremig und fast zurückhaltend, während das Erdbeereis mit klarer, natürlicher Frucht dagegenhält. Im Grunde ist diese Balance die Stärke der Sorte.
Dass man hier bewusst auf Reduktion setzt, ist kein Zufall. Nach Jahren, in denen Eisdielen mit trendgetriebenen Kreationen, exotischen Toppings und Instagram-tauglicher Opulenz konkurrierten, wirkt »Pinocchio« fast wie ein Gegenentwurf. Für das Eis des Jahres braucht es keine außergewöhnlichen Zutaten oder avantgardistischen Aromen, sondern Klassiker – und ja, vielleicht einen Hauch Sehnsucht nach der unbeschwerten Zeit der Sommerferien.