Die nächste Generation der Spitzenküche
In Mailand brodelte vier Tage lang die Zukunft der Gastronomie. 15 junge Köchinnen und Köche kämpften um den Titel »S. Pellegrino Young Chef Award 2025«. Unsere Eindrücke und die wichtigsten Take-aways.
Bereits zum sechsten Mal wurde in Mailand der weltweit wichtigste Nachwuchswettbewerb für junge Talente der Spitzengastronomie ausgetragen: der »S. Pellegrino Young Chef Academy Award«. Rund 1000 Bewerbungen aus aller Welt gingen ein, 15 Finalist:innen schafften es ins Grande Finale. Zuvor hatten sie in den 15 Regionalfinals auf allen Kontinenten verteilt gewonnen. Über vier Tage hinweg wurde gekocht, verkostet, diskutiert und gefeiert – ganz im Zeichen des Mottos »Bring Your Future to the Table«.
Der Gewinner: Ardy Ferguson
Der Titel »S. Pellegrino Young Chef 2025« ging dieses Jahr an Ardy Ferguson, Sous-Chef im Restaurant »Belon« in Hong Kong. Der Kanadier mit indonesischen Wurzeln überzeugte die internationale Jury mit seinem Signature Dish «Archipelago Celebration« – einer modernen Hommage an das indonesische Festgericht Nasi Tumpeng, inspiriert von chinesischen Kochtechniken. Begleitet wurde er auf seinem Weg von Mentorin Vicky Lau.
Die Jury
In der diesjährigen Jury nahmen – wie jedes Jahr – einige der renommiertesten Köchinnen und Köche der Welt Platz: Christophe Bacquié, Jeremy Chan, Antonia Klugmann, Niki Nakayama, Elena Reygadas, Julien Royer und Mitshuharu Tsumura. Julien Royer (»Odette«, Singapur) betonte schon am ersten Tag, wie schwierig es sei, solche Gerichte zu bewerten, »weil sie alle von Herzen kommen«. Bewertet wurde nach klaren Kriterien: technische Fähigkeiten, Kreativität, persönliche Handschrift und die Fähigkeit, die eigene Vision in einem Signature Dish auszudrücken. Am Ende, so Royer, habe nicht nur die Technik gezählt, sondern vor allem die »emotionale Geschichte« auf dem Teller.
Europa mit starker Präsenz
Unter den europäischen Finalist:innen sorgte besonders Emilia Montz aus Deutschland (Region Zentraleuropa) für Aufmerksamkeit. Mit ihrem Gericht »Russian Ballet / Swan Lake« verband sie die Eleganz des klassischen Balletts mit der Präzision und Disziplin der Küche. Begleitet wurde sie von Rosina Ostler, Küchenchefin des »Alois« in München, die Montz als Mentorin zur Seite stand. »Für mich ist das eine extrem wichtige Rolle«, sagt Ostler. Wir sind während des Wettbewerbs unglaublich zusammengewachsen – doch es ging immer darum, das Beste aus Emilia herauszuholen. Sie ist definitv über sich hinausgewachsen.«
Auch Noah Wynants aus den Niederlanden – Gewinner des »Connection in Gastronomy Award« und des »Fine Dining Lovers Food for Thought Award« bei den Regionalfinals – stand in Mailand erneut auf der Bühne. »Ich bin hier, um zu gewinnen – aber auch, um mich mit anderen zu messen und zu lernen«, sagte Wynants im Interview mit Falstaff. »Nach unseren Erfolgen letztes Jahr war der Druck enorm. Jetzt wollte ich einfach sehen, wie weit ich gehen kann.«
Sein Antrieb steht stellvertretend für den Geist des Wettbewerbs: Es geht nicht nur ums Gewinnen, sondern um Austausch, Inspiration und persönliches Wachstum.
Von den Jungen lernen
Am Ende des Wettbewerbs, kurz bevor der Gewinner verkündet wurde, ergriff Jury-Mitglied Mitsuharu Tsumura das Wort – und sorgte für einen der berührendsten Momente des Abends. Er erinnerte daran, dass auch die erfahrensten Spitzenköche von der nächsten Generation lernen können: »Ich habe von jedem Einzelnen etwas mitgenommen – danke, dass ihr uns inspiriert habt.«
Für Emilia Montz war der Wettbewerb weit mehr als ein Leistungsvergleich – er war ein Blick in die Zukunft der Spitzengastronomie. »Ich habe das Gefühl, dass gerade ein richtiger Wandel passiert«, erzählt sie im Gespräch mit Falstaff. »Fleisch steht weniger im Vordergrund, man arbeitet reduzierter, näher an der Natur. Nachhaltigkeit ist ein riesiges Thema – die Pflanze rückt wieder in den Mittelpunkt.«
Trotz aller Bodenhaftung verliert die junge Köchin ihre Ambitionen nicht aus den Augen: »Irgendwann möchte ich selbstständig sein und mindestens zwei Sterne erkochen. Drei wären ein Traum – aber ich bin noch jung und will erst einmal alles lernen, was es zu lernen gibt.« So repräsentiert Montz eine neue Generation, die die Spitzenküche mit Bewusstsein, Leidenschaft und Authentizität neu prägt.