Zum Inhalt springen

Im Weingut Knipser wurde der Gelbe Orleans erstmals 1993 gepflanzt. Seither ist die Orleans-Fläche immer wieder um ein paar Ar gestiegen.

Im Weingut Knipser wurde der Gelbe Orleans erstmals 1993 gepflanzt. Seither ist die Orleans-Fläche immer wieder um ein paar Ar gestiegen.
Foto beigestellt

Die Zukunft hat begonnen: Die besten Weine aus historischen Sorten

Tasting
Deutschland

Vor 30 Jahren machten sich die ersten Pioniere auf, um nach alten, kurz vor dem Aussterben stehenden Rebsorten zu fahnden. Inzwischen ist eine richtige Bewegung entstanden – und die Winzer keltern Weine, die mit neuen Geschmackswelten verblüffen und begeistern.

In den 90er-Jahren stürzten sich die Winzer fast überall auf dem Planeten Wein auf französische Rebsorten: Die italienischen Winzer waren auf einmal ganz vernarrt in Cabernet und Merlot, von Spanien bis Neuseeland holte man sich Chardonnay in die Weinberge, und in Deutschland warf man ein Auge auf den Sauvignon Blanc.

Manchen Winzern aber dämmerte schon damals, dass dies nicht der einzige Weg in die Zukunft sein könne. Der Pfälzer Werner Knipser machte sich trotz seiner grundsätzlichen Zuneigung zu den »internationalen« Sorten auf die Suche nach dem sagenumwobenen »gelben Orleans« – und wurde im Kloster Eberbach fündig.

Bernhard Breuer fand in einem verbuschten Gelände bei Rüdesheim ebenfalls alte Stöcke dieser Traube, die früher nur in den wärmsten Lagen wuchs und selbst dort kaum reif wurde. Im Taubertal nahm sich zeitgleich Jürgen Hofmann der Sorte Tauberschwarz an, die in einem abgelegenen Seitental überlebt hatte.

Weine aus diesen beiden Sorten belegen Platz eins und zwei unserer Trophy. In den letzten 15 Jahren ist das Spektrum aber viel größer geworden. Viele Funde gehen auf die Feldstudien des Rebenforschers Andreas Jung zurück. Das logistische Zentrum der Wiederbelebung ist die Rebschule Martin in Gundheim in Rheinhessen, die nicht nur Reiser für Weinbaubetriebe bereitstellt, sondern auch eigene Weine keltert – sehr erfolgreich, wie auch unsere Trophy zeigt.

Ein Problem bürokratischer Natur gibt es allerdings mit gewissen Namen, die diese Sorten tragen: Als zu Beginn der neunziger Jahre traditionelle Bezeichnungen wie »Weißburgunder« oder »Grüner Veltliner« als traditionelle Bezeichnungen EU-weit legitimiert wurden, schrieb man auf die entsprechende Positivliste weder den »fränkischen Burgunder«, noch »grünen Wormser« oder »Adelfränkisch«.

Nun beanstandet die Weinkontrolle solche Namen, da sie irreführenderweise für Herkunftsangaben gehalten werden könnten. So etikettiert nun das Weingut Sander den drittplatzierten Wein unserer Trophy, einen in Rheinhessen gewachsenen »fränkischen Burgunder«, mit der Bezeichnung »ohne Worte«.

ZUR GESAMTEN TROPHY

1. Platz

Dezentes Holz und »erdige« Noten geben dem Duft etwas »Wildes« und Würziges. Noten von Salbei und Minze sind ebenfalls vorhanden. Nach und nach schiebt sich dann eine reife...
Franken, Deutschland

2. Platz

Die Würze erinnert an einen Weißwein südlicher Herkunft: mit Noten von Salzlakritze, Seetang, auch rotem Apfel und Reneklode. Der Gaumen fließt seidig und saftig, zeigte eine...
Pfalz, Deutschland

3. Platz

Ein voller, würziger Duft: mit Aromen von Tabak und Holunder, Bitterschokolade, auch etwas Zimt (vom Holz). Der Gaumen zeigt sich extraktreich, mit sehr dichtem, aber auch...
Rheinhessen, Deutschland

Historische Sorten


Der frühere Nachteil ist heute ein Vorteil
Alle Rebsorten dieser Trophy wuchsen früher schon einmal in Deutschland. Doch da sie im Klima des 18., 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts nur selten richtig reif wurden, gaben die Winzer den Anbau auf – und die Trauben gerieten in Vergessenheit.

Mühsame Wiederaufbauarbeit
Erst die Erderwärmung hat alles verändert. Zwar überlebten von manchen Sorten nur zwei, drei Stöcke. Von deren Fund bis zum erneuten Anbau ist es ein langer Weg – doch er lohnt sich.

 

Erschienen in
Falstaff Magazin Österreich Nr. 5/2025

Zum Magazin

Jetzt bestellen

Ulrich Sautter
Ulrich Sautter
Wein-Chefredakteur Deutschland
Mehr zum Thema
1 / 12