Falstaff-Talk mit Peter Gago und Caroline Frey: «Gäbe es gar keine Reaktionen auf den Grange La Chapelle, hätten wir unseren Job nicht gut gemacht»
Der Grange La Chapelle vereint zwei ikonenhafte Syrahs der Welt in einer Flasche – einen von der nördlichen und einen von der südlichen Hemisphäre. Falstaff hat mit den Köpfen hinter dem Wein – La-Chapelle-Winzerin Caroline Frey und Penfolds-Winemaker Peter Gago – über das durchaus kontroverse Projekt gesprochen.
Falstaff: Wie entstand die Idee, gemeinsam einen Wein zu machen, der zur Hälfte aus Australien und zur Hälfte aus Frankreich stammt?
Caroline Frey: Peter hat mich kontaktiert, wir sind schon lange befreundet. Die Idee, unsere beiden Syrah-Ikonen Grange und Hermitage La Chapelle zu vereinen, hatten wir gemeinsam – das kam ganz natürlich.
Peter Gago: Wir hatten viele Optionen und haben viel diskutiert. Wir hätten auch andere Weine wählen können. Syrah, respektive Shiraz war aber von Anfang an gesetzt.
Und wie fand die Vermählung der beiden Weine konkret statt? Also wo und wann wurden sie vereint?
Peter Gago: Da die beiden Weine ja von der nördlichen und der südlichen Hemisphäre stammen, liegt ihr Erntezeitpunkt ein halbes Jahr auseinander. Caroline hat den Hermitage La Chapelle bei sich ausgebaut, wir den Grange bei uns – 12.000 Meilen voneinander entfernt… und dann mussten wir sie zusammenbringen. Aber rechtlich ist das in Frankreich gar nicht möglich.
Die Weine wurden also in Australien vermählt. Wie kam der Hermitage La Chapelle dorthin?
Peter Gago: In einem Edelstahltank – komplett überwacht und per Flugzeug. Mit dem Schiff würde es zu lange dauern und wäre zu risikoreich. Die Logistik ist herausfordernd, aber wir haben das jetzt schon ein paar mal gemacht. Der 21er ist jetzt ja gelauncht, der 22er ist auch bereits abgefüllt und der 23er kommt hoffentlich in wenigen Wochen in die Flasche. Das ist also keine einmalige Sache.
Heute gelten Weine aus Einzellagen als das Non-Plus-Ultra in der Weinwelt. Ist der Grange La Chapelle ein Gegenkonzept dazu?
Peter Gago: Nein, ein Gegenkonzept ist es überhaupt nicht.
Caroline Frey: Es geht uns darum, der Traubensorte Syrah eine Bühne zu geben. Es ist die Vereinigung des Terroirs von Hermitage mit dem Grange, der teilweise von wurzelechten Syrah-Reben stammt, wie es sie in Frankreich nicht mehr gibt. Hinzu kommt, dass diese beiden Weine sich immer wieder begegnet sind in Tastings oder Masterclasses. Es sind die grossen Ikonen des Syrah, respektive Shiraz.
Peter Gago: In Europa ist das vielleicht nicht so evident, aber in den USA beispielsweise hat die Traubensorte Syrah keinen Ruf, besonders edle Weine hervorzubringen. Das versuchen wir zu verändern – und die Aufmerksamkeit ist riesig. Direkt nach dem Launch ging die Meldung in Australien durch die Medien. Wir waren auf der Titelseite einer der wichtigsten Tageszeitungen.
Und was haben die Kollegen gesagt? Wie sind die Reaktionen anderer Weinmacher?
Peter Gago: Ich habe viele Nachrichten von Kollegen in Australien erhalten. Die meisten Reaktionen sind positiv. Ich fühle mich gerade wie ein Kind in einem Süssigkeitenladen.
Caroline Frey: Es geht nicht um Innovation, sondern um Vorstellungskraft. Ich habe noch nichts gehört von Kollegen in Hermitage – aber ich bin gespannt.
Peter Gago: Die werden von dem Projekt profitieren – wie alle Produzenten von Syrah auf der Welt. Es geht um die Sorte. Nicht, dass Hermitage Publicity braucht. Aber gäbe es gar keine Reaktionen auf das Projekt, hätten wir unseren Job nicht gut gemacht. Die Tatsache, dass es etwas provokativ und anders ist, fördert das Bewusstsein für das Thema: die Traubensorte Syrah.
Danke für das Gespräch Caroline Frey und Peter Gago.
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