Frankreich: Schinken in Kathedrale wird zur Staatsaffäre
Was als kreative Idee des Bischofs zur Finanzierung der Kathedrale begann, hat sich inzwischen zur Staatsaffäre entwickelt – jetzt streiten Denkmalschutzbehörden und die Kulturministerin über Tradition, Kulturerbe und Gastronomie.
In der pittoresken Stadt Saint-Flour, die hoch oben im französischen Zentralmassiv thront, schwelt ein ungewöhnlicher Konflikt: Der örtliche Bischof, angeregt von der Idee, eine zusätzliche Einnahmequelle zu erschließen, ließ vor über zwei Jahren Schinkenkeulen in einem der beiden Glockentürme der gleichnamigen Kathedrale aufhängen. Jährlich reiften so etwa 60 Schinken, die unter dem Namen »Florus Solatium« sowohl in lokalen Feinkostläden als auch in Gourmetrestaurants verkauft wurden – und großen Anklang fanden.
Doch die innovative Initiative stieß schnell auf Kritik. Die Denkmalschutzbehörden warnten, dass herabtropfendes Fett das alte Gemäuer der Kathedrale schädigen könnte. Außerdem würden die Schinken den Zugang zu wichtigen Bereichen im Glockenturm blockieren, was sicherheitstechnisch problematisch sei. Die Behörden verhängten deshalb ein Verbot für die hängenden Keulen.
Kreative Lösungen gesucht
Nun hat die Angelegenheit auch die Politik erreicht. Kulturministerin Rachida Dati hat sich eingeschaltet und betont, dass sie eine gründliche Untersuchung anstrebt, bei der sowohl Sicherheits- als auch Denkmalschutzaspekte berücksichtigt werden. Gleichzeitig will sie kreative Lösungen finden, die es ermöglichen, Frankreichs kulinarisches Erbe und seine historischen Bauwerke zu verbinden – ohne dabei Schäden in Kauf zu nehmen.
Die Ministerin hat angekündigt, mit Handwerkern, Gastronomen und lokalen Vertretern nach einem Kompromiss zu suchen. So soll die Schinkenproduktion, die mittlerweile fest zur Identität der Region gehört, weitergeführt werden können – ohne den historischen Charakter der Kathedrale zu gefährden. Wie genau das umgesetzt werden soll, bleibt jedoch noch offen.
Sakraler Charakter in Gefahr
Christliche Kritiker der Schinkenreifung argumentieren indes, dass die Praxis eine anachronistische und unangemessene Botschaft über die Verbindung von Religion und Gastronomie vermittle. Die Debatte wird zusätzlich angeheizt von der Besorgnis, dass der Geruch von Schinken und das Bild der hängenden Keulen den sakralen Charakter des Gotteshauses beeinträchtigen könnten und möglicherweise die Gläubigen beim Gebet ablenken würden.
Vielleicht hat sich gerade deshalb der luftgetrocknete Schinken als gefragtes Produkt etabliert, das inzwischen sogar als regional geschützte Spezialität gilt. »Florus Solatium« ist nicht nur in der regionalen Gastronomie, sondern auch in den besten Restaurants des Landes gefragt. Der Erlös aus dem Verkauf des Schinkens trägt also nicht nur erheblich zur Instandhaltung der Kathedrale bei, sondern fördert gleichzeitig die lokale Wirtschaft.
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