Blick von der bekannten Rieslinglage Ried Grillenparz in Stein an der Donau in das Donautal und auf Mautern.

Blick von der bekannten Rieslinglage Ried Grillenparz in Stein an der Donau in das Donautal und auf Mautern.
© ÖWM / WSNA

Frucht und Würze: Der Kremstal DAC Cup 2024

Der Jahrgang 2023 brachte für die beiden Rebsorten der Herkunft Kremstal DAC ausgezeichnete Ergebnisse. Sowohl die Rieslinge als auch die Grünen Veltliner präsentieren sich harmonisch und bereits sehr gut entwickelt.

Für das aktuelle Falstaff-Cup-Tasting im Kremstal waren alle als DAC klassifizierten Weine des Jahrgangs 2023 zugelassen. Es gingen zudem Vertreter der Kategorien Gebietswein, Ortswein und bereits auch erste Riedenweine aus den Sorten Grüner Veltliner und Riesling ins Rennen um den Titel des Cup-Siegers. Rund 100 Grüne Veltliner und 40 Rieslinge waren am Start, 50 Weine kamen aus der Gruppe mit Lagenbezeichnung. 

Im Kremstal wird in klassische DAC-Weine und solche mit der Zusatz­bezeichnung Reserve unterschieden, letztere wurden mit dem Jahrgang 2007 eingeführt und weisen einen Alkoholwert ab 13 Prozent am Etikett auf. Diesen Weinen, die erst am 1. Juli im auf die Ernte folgenden Jahr präsentiert werden, ist der Reserve-Cup im Herbst gewidmet. Aber Achtung: Das bedeutet nicht, dass die klassischen DAC-Weine zwangsläufig unter 13 Prozent Alkohol liegen, sondern nur, dass sie ein halbes Jahr früher auf den Markt kommen dürfen. Hier beginnt die Bandbreite bei elf Prozent als Minimum beim Gebietswein, im Durchschnitt liegen die klassischen DACs des Jahrgangs 2023 bei 12,5 Prozent. Es lohnt sich ob der Bandbreite aber ein Blick auf das Etikett, für die qualitative Beurteilung der Falstaff-Jury spielte der Faktor Alkohol keine besondere Rolle, ihr ging es um Harmonie und Sortenausdruck, um Frische und Facettenreichtum. Und aufgrund der sehr unterschiedlichen Böden war diese Probe einmal mehr sehr spannend. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und unterstreicht die hohe Qualität des Jahrgangs in Sachen Weißwein.

Für beide DAC-Sorten, Riesling wie Grünen Veltliner, gilt: Sowohl Frucht als auch Säure sind in ausreichender Menge vorhanden, die Weine sind insgesamt bereits in der Frühphase sehr gut in der Balance. Sie wirken harmonisch und animierend, die Frucht ist ausgeprägt, aber nicht opulent, die Säure anregend, aber nicht zu rassig. Der Jahrgang 2023 bringt also sehr gut antrinkbare, früh zugängliche Speisenbegleiter, die mit einem ihrer jeweiligen Kategorie entsprechenden Reifepotenzial ausgestattet sind. Sehr erfreulich ist auch das Preis-Leistungs-­Verhältnis beim Großteil der Produzenten. Der Sieger der Grünen Veltliner liegt ab Hof bei 9,50 Euro und der beste Riesling kostet zwölf Euro. 

Womit wir beim Ergebnis der dies­jährigen Kremstal-DAC-Probe des Klassik­bereichs angekommen wären: Beide Sortensieger kommen heuer aus Trans­danubien, also aus Betrieben, die ihren Sitz am rechten Donauufer haben. Den Cup-Sieg in Sachen Grüner Veltliner holt sich Meinhard Forstreiter aus Hollenburg mit seinem Lagenwein von der Ried Kogl mit 93 Punkten im Stechen mit dem gleich bewerteten Grünen Veltliner Ried ­Hausberg der Familie Proidl aus Senftenberg. Auf dem dritten Rang platziert sich – aus der großen Zahl an mit stattlichen 92 Punkten ausgezeichneten Weinen – das Weingut & Heuriger Ludwig Buchecker aus Gedersdorf mit seinem Grünen Veltliner Kremstal DAC Ried Steingraben. Die Liste der Veltliner mit 92 Punkten umfasst ein ganzes Dutzend weiterer empfehlenswerter Speisenbegleiter.

ZUM GANZEN TASTING

Genau zwölf Weine erreichten auch in der kleineren, aber sehr feinen Riesling-Gruppe 92 Punkte. Nur ein einziger Wein wurde mit 93 Punkten bedacht und darf sich nun Falstaff-Cup-Sieger nennen: Der Riesling Kremstal DAC Ried Sprinzenberg ist bei Christian Parzer in Oberfucha bei Furth am Fuße des Göttweiger Berges gewachsen. Platz zwei holte das Weingut Stadt Krems mit Steinterrassen, den dritten Rang Alois Zimmermann aus Theiß mit Ried Kapuzinerberg.

Riesling Kremstal DAC 2023

Helles Grüngelb, silberfarbene Reflexe. Zart nach Ananas und Blütenhonig, Nuancen von Steinobst, kandierte Orangenzesten, mineralischer Touch. Kraftvoll, saftig und elegant, zarte Süße, rassiger Säurebogen, mineralisch und gut anhaftend, verfügt über Entwicklungspotenzial.
Kremstal, Österreich
Helles Gelbgrün, silberfarbene Reflexe. Zart mit Limettenzesten unterlegte weiße Pfirsichfrucht, mineralisch, einladendes Bukett. Saftig, feine Fruchtsüße, zart nach Tropenfrüchte, angenehme, integrierte Säure, mineralisch, zarter Honig im Abgang, bereits gut entwickelt.
Kremstal, Österreich
Helles Grüngelb, silberfarbene Reflexe. Reife gelbe Pfirsichfrucht, etwas Ananas, Nuancen von Blüten und Blütenhonig. Saftig, elegant, präsente Fruchtsüße, feiner Säurebogen, bleibt gut haften, ein fruchtbetonter Speisenbegleiter mit Reifepotenzial.
Kremstal, Österreich
© ÖWM / WSNA

Sortenprofil


Grüner Veltliner Kremstal DAC
Der Grüne Veltliner nimmt fast 60 Prozent der Kremstaler Rieden ein und bringt auf allen drei Bodentypen sehr gute Ergebnisse. Am linken Donauufer sind es die mineralischen Weine vom Urgestein und die exotisch-fruchtigen Veltliner vom Löss, am rechten Ufer der Donau dominieren Konglomeratböden das Geschehen.

Riesling Kremstal DAC
Die Kremstaler Rieslinge wachsen mehrheitlich auf Urgesteinsverwitterungsböden und zeigen daher eine straffe Säurestruktur und eine salzige Mineralität.

Grüner Veltliner Kremstal DAC 2023

Helles Grüngelb, silberfarbene Reflexe. Zart tabakig-kräuterwürzig unterlegte, frische Apfelfrucht, zart nach Mango und Blütenhonig, feines Bukett. Komplex, stoffig, angenehme Fruchtsüße, etwas Birne, feines Säuregerüst, bleibt gut haften, ein facettenreicher Speisenbegleiter mit Potenzial.
Kremstal, Österreich
Helles Grüngelb, silberfarbene Reflexe. Frische gelbe Tropenfrucht, ein Hauch von Ringlotte und Mango, Nuancen von Blütenhonig. Saftig, elegant, zarte Fruchtsüße, dezente Säurestruktur, feine gelbe Kernobstnuancen im Abgang, ein facettenreicher Speisenwein.
Kremstal, Österreich
Helles Grüngelb, silberfarbene Reflexe. Weißer Apfel, feine Nuancen von Honigmelone, kandierte Orangenzesten. Saftig, elegante Textur, dezente Fruchtsüße, feines Säurespiel, mineralisch und anhaftend, ein stoffiger Speisenbegleiter.
Kremstal, Österreich

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Erschienen in
Falstaff Nr. 03/2024

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Peter Moser
Peter Moser
Chefredakteur Wein
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