Größter Weinlieferant der USA »Gallo« schließt Napa-Standort und baut Stellen ab
Der größte Weinlieferant der USA schließt eine zentrale Produktionsstätte im Napa Valley und baut 93 Stellen ab. Hintergrund sind der sinkende Konsum und strukturelle Probleme der Branche.
Der US-amerikanische Weinkonzern »E. & J. Gallo Winery« schließt eine zentrale Produktionsstätte im Napa Valley und streicht insgesamt 93 Stellen. Betroffen sind mehrere Standorte in Napa und Sonoma County. Hintergrund sind anhaltende Absatzprobleme in der US-Weinbranche sowie veränderte Konsumgewohnheiten.
Kern der Maßnahmen ist die dauerhafte Schließung der Ranch Winery in St. Helena. Die Anlage an der Zinfandel Lane, die »Gallo« 2015 übernommen hatte, war als sogenannte »Custom-Crush«-Kellerei auf eine Verarbeitungskapazität von bis zu 30.000 Tonnen Trauben ausgelegt. Mit dem Kauf wollte das Unternehmen seine Präsenz im hochpreisigen Segment ausbauen. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen blieb der wirtschaftliche Erfolg hinter den Erwartungen zurück. Laut einer bei den kalifornischen Behörden eingereichten Mitteilung nach dem Worker Adjustment and Retraining Act verlieren an diesem Standort 56 Beschäftigte ihre Arbeit, darunter zahlreiche Weinbautechniker.
Weitere 37 Stellen entfallen an vier zusätzlichen Einrichtungen: bei »Louis M. Martini Winery« und im »Orin Swift Tasting Room« in St. Helena sowie bei »J Vineyards & Winery« und »Frei Ranch« in Healdsburg. Betroffen sind neben der Produktion auch Bereiche wie Gastronomie und Hospitality. Die Verkostungsräume des Unternehmens in Napa, Sonoma und Paso Robles sollen nach Unternehmensangaben nicht wesentlich beeinträchtigt werden. Bereits im vergangenen Jahr hatte »Gallo« seine Courtside Winery in San Miguel geschlossen und 47 Beschäftigte entlassen.
Krise im US-Weinmarkt
Die Einschnitte erfolgen vor dem Hintergrund eines anhaltenden Abschwungs in der US-Weinindustrie. Laut dem »State of the US Wine Industry Report« der Silicon Valley Bank sank das Produktionsvolumen 2025 auf 329 Millionen Kisten, nach 335,9 Millionen im Vorjahr. Der Branchenumsatz ging im gleichen Zeitraum von 75,5 auf 74,3 Milliarden US-Dollar zurück. Seit 2020 summieren sich die Umsatzverluste dem Bericht zufolge auf rund 19,7 Milliarden US-Dollar, was einem Rückgang von 21 Prozent entspricht. Als wesentliche Ursachen gelten demografische Veränderungen und veränderte Trinkgewohnheiten. Die Babyboomer-Generation, traditionell eine tragende Säule des Weinmarkts, konsumiert weniger Alkohol, während jüngere Altersgruppen – insbesondere unter 30-Jährige – im historischen Vergleich deutlich seltener zu Wein greifen. Gleichzeitig konkurrieren Weinhersteller verstärkt mit Anbietern von Premium-Bier, Spirituosen und trinkfertigen Mischgetränken.
»E. & J. Gallo Winery« wurde 1933 gegründet und ist heute der größte Weinlieferant der USA gemessen am Absatzvolumen. Nach Branchenangaben setzte das Unternehmen 2025 rund 90 Millionen Kisten Wein ab. Das Portfolio umfasst mehr als 100 Marken, darunter bekannte Labels wie Barefoot und Apothic. Neben Wein gehören inzwischen auch Spirituosen, Malzgetränke und trinkfertige Cocktails zum Sortiment.