Heurigen & Buschenschank Guide 2025: Die Sonderauszeichnungen
Falstaff präsentiert die besten Heurigen und Buschenschanken 2025. Hier finden Sie die Sieger:innen der Special Awards.
Heurigenwirte des Jahres
Lissi & Fritz Wieninger, Wien
Wenn Genuss-Journalisten aus dem Ausland von Wien schwärmen, fallen irgendwann die Namen »Amador« und »Nussbergfest«. Foodies und Weinfreunde verdanken diese Erinnerungen einem Paar, das vor allem aber auch die Heurigen-Gastlichkeit pflegt. Die Kombination aus Wiener Winzer mit Mutterwitz und Mut zu weltläufigem Denken und einer Osttiroler Architektin ließ eine neue Form des »Aussteckens« entstehen. Kitschfreies Ambiente, Funktionalität und biodynamische Weine, die mühelos den ersten Höhenflug der Wieninger-Weine im Zuge des »Gemischter Satz«-Booms fortsetzen. Dass der Burgunderfreund auch seine ganze Palette am Start hat, lässt einen Heurigenbesuch auch immer zum kleinen »Nussbergfest« werden.
1190 Wien
Österreich
Beste Küche
Weinhof Locknbauer, Tieschen (Stmk.)
Die Buschenschank-Architektur mit dem markanten Tragwerk hat dem »Locknbauer« neben dem Staunen der Heurigengäste auch schon den Bauherrenpreis eingetragen. Wie Lukas Jahn aber für kulinarisches Innenleben in Mascha Ritters »Hardware« sorgt, hat es mindestens so in sich. Denn einen Rindfleischsalat erwartet man im Steirischen praktisch. Doch wie er mit Asia Pickles zu Tisch kommt, zeigt den frischen Wind, der hier in Pichla weht. Denn die traditionelle »Grean« vorm Haus gibt es weiterhin, nur dass man auf ihr mitunter auch ein Stückchen neapolitanische Pizza genießt. Wenn Jahn gerade Lust darauf hat. Denn in dieser Wundertüte von Küche wird es nie langweilig. Und das ist das Herrliche!
8355 Tieschen
Österreich
Schönste Aussicht
Wailand, Wien
Und am Ende gewinnt … Wailand! Es ist in der Tat schwer, einen schöneren Blick auf Wien zu finden. Zumindest einen, der quasi öffentlich zugänglich ist und nicht in einer privaten Villa liegt. Der Erwerb eines Glases Wein oder einer Jause reicht als »Eintrittsgeld«, um die unglaubliche Silhouette beiderseits der Donau in Cinemascope genießen zu können. Wenn man den Blick dann von der Stadt löst, ruht sich das Auge auf den Weinstöcken in der Ried Pratteln aus – auch das ein wohlgefälliger Anblick. Denn diese Art des Weingenusses, dort, wo er wächst, ist eine Seltenheit. Wenn man dann noch Kahlenberger Lokalpatriotismus bemühen darf, kann man sogar sagen: Das gibt es nur hier!
1190 Wien
Österreich
Bester Wein
Piriwe, Traiskirchen (NÖ)
Für Weinfreunde ist der Weg durch die kleine Pforte zu einem der stillen Stars der Thermenregion ein Glücksfall. Denn für jeden Gusto hat »der Pepi«, wie ihn seine Freunde nennen, etwas parat. Schon bisher leitete ein eigenes Farbsystem in der Achtelkarte von leicht und spritzig bis edelsüß die Gäste. Feinspitze fragten stets nach dem reifsten Pinot »PI«. Und Josef Piriwe wird des Experimentierens nicht müde. Eine gänzlich neue Naturwein-Linie, beginnend mit dem »Ansa«, erschließt den Sortenspiegel des Hauses für eine ganz neue Klientel. Glas für Glas. Oder doch gleich als Flasche für daheim?
2514 Traiskirchen
Österreich
Klassisch/Urig
Strommer, Purbach (Bgld.)
Typisch – historisch – pur: Diese drei Eigenschaften ziehen sich durch Tom Strommers Schilderung seines Heurigenbetriebs. Das Unverfälschte gab seiner Weinlinie »Pur« den Namen, das Typische bezieht sich auf die Küche. Denn hier wird nichts serviert, was irgendwie nach Chichi aussieht. Den Schlussstein zur Gemütlichkeit setzt aber im wahrsten Sinn des Wortes das Ambiente. Das rund 150 Jahre alte Gewölbe – heuer vor 30 Jahren von der Familie erworben – umschließt den Gast wie ein Kokon des Genusses. Für viele Besucher ist die Gastfreundschaft in der historischen (da wär das Wort wieder) Kellergasse von Purbach der Inbegriff einer guten Zeit im Burgenland.
7083 Purbach am Neusiedler See
Österreich
Schönstes Ambiente
Felberjörgl, Kitzeck (Stmk.)
Der Demmerkogel, hat man ihn einmal erklommen, bietet allein schon einige der großartigsten Einblicke ins Südsteirische. Wenn man sie auch noch vom Biedermeierhaus macht, dann lacht das Herz aber so richtig. Intakte Natur von Kräuterwiesen bis Obstgärten ist ein Rahmen, in dem es sich herrlich genießen lässt. Denn man sieht, wo gestern noch die Zutaten für die marinierten Zucchini oder das Kräuterpesto gewachsen sind. Immer Neues liefert der Gartenblick, während die Stube mit ihren ehrwürdigen Holzdetails nicht minder fasziniert. Nur einen wird man nicht finden: den Felberjörgl. Die Zauberhaftigkeit des Orts pflegen nämlich Christine und Hans Peter Temmel, auch wenn viele den Betrieb nur unter dem historischen Vulgonamen kennen. Und irgendwie passt das ja auch zum über Jahrzehnte gewachsenen Wohlfühlambiente.
8442 Kitzeck
Österreich
Kreatives Konzept
Langmann, St. Stefan ob Stainz (Stmk.)
Wie sehr kann man ein Schnittlauchbrot optimieren? Und passen Kimchi und essbare Blüten zur Buschenschank? Diese Fragen wälzte Verena Langmann nicht allein. Für den neuen Weg der über 80 Jahre alten Schanktradition steht ihr Florian Dreshaj zur Seite, der an Spitzenadressen (»Saziani Stub’n« oder »Rote Wand« in Zug) gekocht hat. Nun verpasst er dem Schilcher u. a. einen kongenialen Begleiter in Form eines Rote-Rüben-Tatars. »Es geht uns darum, das Beste aus regionalen Zutaten herauszuholen«, definiert es das Duo, »mit handwerklichem Können, aber ohne Schnickschnack.« Und spätestens beim Heurigen-Brunch am Sonntag fragt man sich als Gast nur eines: »Warum haben wir das nicht schon früher gemacht?«
8511 St. Stefan ob Stainz
Österreich
Pop-up
Böheim, Arbesthal (NÖ)
Die neue kulinarische Lässigkeit im Weinbaugebiet Carnuntum verfügt zum Glück bereits über einige Adressen. In diesem Falle ist es schon die architektonische Gestaltung, die mit ihrem Lounge-artigen Ambiente mit alten Heurigenklischees bricht. Dazu gesellt sich eine Weinauswahl, die neben den Klassikern des Hauses (»Stuhlwerker«) auch die Kreation »Rosy« als zeitgemäß-relaxte Cuvée in Rosa aufführt. Stefanie Böheims erster Berufswunsch als Gastronomin findet so seine späte Erfüllung. Und so ist es kein Zufall, dass sie auch beim Winzerinnen-Kleeblatt des »Vino Vista Garden Club« mit von der Partie ist. Denn dort zeigt sich wie im Pop-up-Heurigen, dass die Genusskultur rund um den Wein keineswegs altvatrisch ist. Sondern sich auch aus Girlpower speisen kann.
2464 Göttlesbrunn-Arbesthal
Österreich
Neueröffnung des Jahres
Zur Hölle, Illmitz (Bgld.)
Bahnt sich da ein echtes Imperium des pannonischen Geschmacks an? Schon bisher hat die Familie Lentsch die legendäre »Dankbarkeit« mit Nachtquartier und einem Heurigen (»Podersdorfer Weinstuben«) gleich nebenan erweitert. Und auch Buschenschank kann die hedonistische Familie. Doch mit der Neueröffnung wagt sich Markus Lentsch gleich »höllisch« hinaus – nach Illmitz nämlich, wo die Seewinkler Fleischspezialitäten zu Bier und Wein aufgetischt werden. Das freut nicht nur die Radler, sondern erweitert die Genusslandkarte um eine entspannte Adresse. Erfreulich und praktisch vom Start weg mit Genussgarantie versehen!
7142 Illmitz
Österreich
Aufsteiger des Jahres
Weingut Walter, Wien
Der Exotik-Faktor vom Tiroler in der Wiener Weinbauflur hat sich nach 18 Jahren längst abgenützt. Heute lebt der Winzer-Quereinsteiger Norbert Walter so manche Ausschanktradition intensiver als so mancher Hauer-Sohn – etwa das Verbrennen des »Buschen« am Saisonende. Bevor es aber so weit ist, wird am Bisamberg noch einige Monate aufgetischt. Und das speziell beim Käse (einem der Gründe, die Walter an die BOKU und somit nach Wien führten) mit höchstem Anspruch. Aber der Herr Landesjägermeister weiß auch, dass Wildbret das beste Fleisch ergibt. Und so findet es sich neben den luftgetrockneten Spezialitäten aus Osttirol auch auf der Karte. Jausnen mit Blick auf die Rieden wird so zur Genussreise mit einem großen Horizont.
1210 Wien
Österreich
Lebenswerk
Dkfm. Hans Schmid, Mayer am Pfarrplatz (Wien)
Die Story, wie der Investor Hans Schmid zu einem Weingut kam, ist mittlerweile legendär. Denn eigentlich hatte er nur für das »Rote Haus« mit seinem Weitblick geboten. Mit der Erweiterung dieser Minifläche um das Weingut des legendären Franz Mayer begann auch das beispiellose Engagement für den klassischen Konsumort des Wiener Gemischten Satzes. Allein die drei Jahre Umbauzeit des »Mayer am Pfarrplatz« sind ein Akt der Liebe jenseits ökonomischer Vernunft: Millionen flossen in die behutsame Gestaltung des beliebten Heurigen. Und damit könnte Hans Schmid selbst längst ein Bild im berühmten »Legenden-Zimmer« am Pfarrplatz für sich reklamieren.