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© Toby Mitchell

Hinter den Kulissen: So funktionieren die Küchen auf Kreuzfahrtschiffen

Kreuzfahrt
Restaurant

Kisten mit Beeren und Früchten bis unter die Decke, dampfende Öfen in der Bordbäckerei, Köche in synchronem Rhythmus – ein Rundgang hinter die Kulissen zeigt, wie die komplexe Gastronomie auf einem Kreuzfahrtschiff funktioniert.

Wer an Bord eines Kreuzfahrtschiffs die glänzenden Restaurants und die ruhigen Decks betritt, sieht nur die halbe Wahrheit. Unterhalb der Gästedecks entfaltet sich eine eigene Welt: riesige Lagerräume, hektische Prep-Küchen, dampfende Öfen und Bäcker, die noch vor Sonnenaufgang den Teig kneten. Am Beispiel der Explora I zeigt sich, wie komplex die Gastronomie auf einem modernen Kreuzfahrtschiff organisiert ist, um die sechs verschiedenen Restaurants mit ihren unterschiedlichen Küchenkonzepten täglich zu versorgen.

Lagerhallen wie kleine Supermärkte

In den Bordlagern stapeln sich Kisten mit Obst und Gemüse bis unter die Decke: Tomaten, Gurken, Salate, Beeren und Früchte verschiedenster Art. Viele Produkte werden aus Europa bezogen, darunter frisches Gemüse, Obst und Kräuter, die in verschiedenen Reifestufen für eine gleichbleibend hohe Qualität vorbereitet werden. Gegen Ende einer Reise sind bei Obst und Gemüse etwa noch ein Drittel der Vorräte vorhanden, während in den Alkoholvorräten – von Spirituosen bis zu Wein – der Eindruck entsteht, man könne eine Zombie-Apokalypse locker überstehen.

Die Lager sind nach Produkttypen aufgeteilt: Fleisch, Fisch, Mehl, Saucen, Olivenöl, Getränke, Obst, Gemüse, Kräuter. Für jeden Bereich gibt es klare Regeln: Höhe der Lagerung, Temperatur, Hygiene. Jede Prep-Küche liegt direkt neben dem entsprechenden Lager, damit unnötige Wege und Zeitverlust vermieden werden.

Hard Prep, Fine Prep und Teamarbeit

Die Arbeit in den Küchen läuft rund um die Uhr. Hard Prep, also das Schneiden von Gemüse, Portionieren von Fleisch und die groben Vorbereitungen, geschieht zentral in den Prep-Räumen. Fine Prep, also die Fertigstellung der Gerichte kurz vor Service, findet direkt in den jeweiligen Restaurantküchen statt.

Die Teamgrößen variieren je nach Restaurant: Ein größeres Restaurant kann rund 30 Köche beschäftigen, kleinere Restaurants deutlich weniger. Die Crews rotieren zwischen den Restaurants, um Wissen und Erfahrung zu teilen, und sichern so den Betrieb auch bei Ausfällen ab. Jeder Handgriff sitzt, die Abläufe sind minutiös geplant – von der Portionierung über die Zubereitung bis zum Servieren.

Die Bäckerei: Moulins Viron und das Baguette

Die Bäckerei an Bord ist das Zentrum für alle Brote und Backwaren. Besonders stolz sind sie an Bord der Explora über das Baguette, das einem Originalrezept von »Moulins Viron« folgt – einem traditionsreichen französischen Haus, das seit Generationen für seine besonders feinen Weizenmischungen bekannt ist. Der Teig durchläuft hier einen 17-stündigen Prozess und wird mit einem jahrzehntealten Sauerteig gepflegt. Die Kombination aus Technik, Timing und traditionellem Handwerk sorgt dafür, dass das Brot die charakteristische, luftige Konsistenz und den aromatischen Geschmack erreicht.

Hygiene und Organisation

Hygiene ist oberstes Gebot. Edelstahlflächen glänzen, Böden sind makellos, Geräte werden nach jeder Schicht gründlich gereinigt. Regelmäßige Kontrollen durch externe Behörden sichern die Einhaltung höchster Standards. Auf den Schiffen ist diese Sauberkeit nicht nur Show, sondern Teil der Arbeitskultur – alles ist auf Präzision, Effizienz und Sicherheit ausgelegt.

Am Beispiel Explora I

Die Explora I zeigt, wie ein modernes Luxus-Kreuzfahrtschiff diese Prozesse umsetzt. Mit maximal 900 Gästen bleibt es ruhig und intim, gleichzeitig erfordert die hohe kulinarische Qualität eine komplexe Organisation. Jedes Restaurant hat seine eigene Küche, die Prep-Räume sind klar strukturiert, die Lager systematisch angeordnet, und die Bäckerei produziert täglich frisch – von Croissants über Pain au Chocolat bis hin zum klassischen Baguette.

Wer die Küchen betritt, erlebt ein System, das auf minutiöser Planung, internationalen Lieferketten und hochqualifizierten Teams basiert. Es ist ein Mikrokosmos, der dafür sorgt, dass Gäste auf See eine gleichbleibend hohe Qualität genießen – ohne zu ahnen, welche logistischen Meisterleistungen hinter jedem Teller stecken.


Hannah Speyer
Hannah Speyer
Chefin vom Dienst Digital
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