Wie das Hochwasser die Gastro traf
Schicksalsschläge, schwere Schäden und anstehende Aufräumarbeiten: Auch nach dem Dauerregen ist die Lage im Ostern Österreich weiterhin angespannt. Falstaff hat mit Branchenvertretern und Lokalbetreibern gesprochen.
Der Dauerregen ist vorbei, doch das Hochwasser hält Österreich weiterhin fest im Griff. Viele Gebiete stehen seit dem Wochenende unter Wasser, ganze Dörfer wurden evakuiert und tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Besonders betroffen ist das Bundesland Niederösterreich. Durch tagelange heftige Regenfälle wurde die Region zum Katastrophengebiet erklärt.
Weinlese unterbrochen
Neben Privathaushalten sind auch Gastronomiebetriebe und Weingüter stark von der Flut betroffen. Viele Restaurants haben geschlossen und die Weinlese, die Anfang September begonnen hatte, musste in Niederösterreich und dem Burgenland unterbrochen werden. Die Lage im Krems- und Kamptal ist aktuell noch sehr angespannt. Leopold Müller, Obmann des regionalen Weinkomitees Kremstal und Vizepräsident des niederösterreichischen Weinbauverbands, zeigte sich dennoch vorsichtig optimistisch: »Viele Winzer haben rechtzeitig reagiert. Zwischen 30 und 40 Prozent der Ernte ist bereits eingebracht.« Die Niederschläge in der Region haben laut Müller mittlerweile aufgehört, und sobald die Böden befahrbar sind, werde die Handlese fortgesetzt – voraussichtlich gegen Ende der Woche. Eine große Gefahr sieht er nur, wenn es wieder warm und feucht werden sollte. »Doch die Wetterprognosen deuten aber auf eine trockene Periode hin«, so Müller.
Gastronomie am Donau-Ufer steht unter Wasser
Auch die Bundeshauptstadt Wien blieb nicht verschont. Besonders der Wienfluss trat über die Ufer und setzte viele Gastronomiebetriebe entlang des Donaukanals unter Wasser. Die »Strandbar Herrmann« stand teilweise einen Meter tief im Wasser, während einige Betriebe auf der gegenüberliegenden Uferseite mehr Glück hatten. Clemens Hromatka, Betreiber des Lokals »Taste!Kitchen« will bald wieder öffnen: »Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen, da das Wasser nur knapp nicht in unser Lokal eindrang. Wir hoffen, bis Ende der Woche wieder öffnen zu können.« Auch Philipp Pracsers Team der »Blumenwiese« ist aktuell mit Aufräumarbeiten beschäftigt, am Mittwochabend will man wieder Gäste empfangen: »Genauso schnell wie das Wasser angestiegen ist, ist es dann Gott sei Dank aber auch wieder zurückgegangen«, so der Lokalsprecher.
Weniger glimpflich verlief die Situation an der Donau. Betroffen sind unter anderem das »Moby Dick« und »Negroni Please« am CopaBeach. Betreiber Sammy Walfisch schildert die dramatischen Umstände: »Die Wassermengen und vor allem der Sturm kamen so schnell, dass wir keine Zeit hatten, die Containervorrichtungen abzubauen, ohne Menschenleben zu gefährden.« Sturm und Wassermassen zwangen ihn, die im Boden verankerten, Container ihrem Schicksal zu überlassen. »Beide Lokale sind völlig durchflutet«, so Walfisch weiter. Der genaue Schaden lasse sich noch nicht beziffern, da man erst warten müsse, bis der Wasserstand sinkt und der angeschwemmte Unrat und der Schlamm entfernt sind. Neben den Wasserschäden kommen auf den Gastronom auch Einnahmeeinbußen zu, während die Personalkosten weiterlaufen. »Es könnte zwei Jahre dauern, bis wir uns davon erholt haben.« Aktuell sei man aber froh, dass niemand körperlich zu Schaden gekommen ist: »Wir haben jetzt wahrscheinlich eine Woche Aufräumarbeiten und einen finanziellen Schaden, aber nichts, das uns umbringt«, erklärt der Gastronom abschließend.
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