Widerstand gegen das »Mosel-Monster«
Eine riesige Brücke könnte schon bald eines der schönsten Weinbaugebiete der Welt verschandeln. Winzer und Weinfreunde protestieren heftig.
Seit 40 Jahren wird nun schon um ein monströses Brücken-Projekt über das Moseltal gestritten. Eine vierspurige Straße soll die Eifel mit dem Hunsrück verbinden und die Anbindung an den darbenden Flughafen Hahn verbessern. Das 1700 Meter lange und bis 160 Meter hohe Bauwerk stellt aber den Mosel-Winzern zufolge nicht nur eine optische Beeinträchtigung dar, sondern gefährdet auch weltbekannte Lagen wie das »Graacher Himmelreich«, die »Wehlener Sonnenuhr«, das »Zeltinger Himmelreich« oder den »Ürziger Würzgarten«.
Rebversorgung in Gefahr
Der vierspurige Highway führt laut Plan auch über den Moselsporn, wofür Wald gerodet werden muss, der als Wasserreservoir für die Steilhänge dient. Das Mikroklima könnte sich massiv verändern und die Wasserversorgung der Rebanlagen ist in Gefahr.
Das Land als Profiteur
Der Hochmoselübergang soll insgesamt 330 Millionen Euro kosten, das Geld kommt laut »Welt online« hauptsächlich vom Bund, nur 20 Millionen müsse Rheinland-Pfalz bezahlen, weshalb die Landesregierung das Projekt massiv unterstützt. Auch Teile der Bevölkerung stehen hinter dem Projekt, von dem sie sich mehr Mobilität versprechen. Ministerpräsident Kurt Beck ist ob der nackten Zahlen zufrieden, sein Verkehrsminister, der zugleich über den Weinbau wacht, sieht keinen Grund zur Sorge. Doch die Politiker haben nicht mit der Popularität und dem Einfluss der Mosel-Winzer gerechnet.
Die Protestwelle ist angelaufen
Weltweit anerkannte Weinbauern, führende Weinjournalisten und hochdekorierte Sterneköche unterstützen den Protest der Brücken-Gegner, der immer mehr Rückenwind bekommt. Der begnadete Networker und Master Mind hinter TVino, Hendrik Thoma, ruft via Youtube-Video zum Protest auf. Weinfreunde und Gegner der Betonierer-Mentalität können hier eine Petition im Deutschen Bundestag unterschreiben. Ich war übrigens schon der 2.432. Unterzeichner - Offenbar können auch Österreicher offiziell mitmachen. Je mehr es werden, desto eher können die Verantwortlichen zum Umdenken bewogen werden.
von Bernhard Degen