Zum Inhalt springen
© Shutterstock

Chinas Billig-Plattform Temu erweitert ihr Sortiment um Lebensmittel

Kritik
Lebensmittel
Online Shopping

Die chinesische Plattform Temu hat in Europa mit Billig-Mode, Elektronik und Haushaltswaren in Rekordzeit Milliardenumsätze erzielt. Nun soll das Sortiment um Lebensmittel erweitert werden – ein Vorhaben, das die Branche aufhorchen lässt.

Seit seinem Markteintritt 2023 hat sich Temu rasant auf dem europäischen Markt etabliert. Laut der Lebensmittelzeitung erzielte die Plattform allein in Deutschland im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro – vor allem mit Kleidung, Elektronik und Haushaltswaren. Nun will das Unternehmen mit Sitz in China offenbar eine neue Warengruppe erschließen: Lebensmittel.

Ein neu aufgebautes europäisches Temu-Team soll gezielt Hersteller in Europa ansprechen, um das Sortiment um Artikel wie Snacks, Süßwaren, Getränke, aber auch Kosmetik und Gartenprodukte zu erweitern. Das berichtet die Lebensmittelzeitung unter Berufung auf Temu selbst. Ziel sei es demnach, ein Angebot »aus Europa für Europa« zu schaffen – auch, um unabhängiger von Importware zu werden.

EU will Zollvorteile kappen

Ein möglicher Grund für die Expansion in den Lebensmittelhandel: Die EU plant, die bislang geltende Zollfreigrenze von 150 Euro abzuschaffen und neue Pauschalabgaben auf Lieferungen von Plattformen wie Temu und Shein einzuführen. Damit würde das bislang lukrative Geschäftsmodell – günstige Einzelpakete direkt aus China – an Attraktivität verlieren.

Doch der Schritt sorgt für Kritik. Bereits jetzt steht Temu unter Druck: Verbraucherschützer und Markenhersteller werfen der Plattform vor, häufig Produkte anzubieten, die nicht den europäischen Standards entsprechen oder gar Plagiate seien. So bemängelte etwa die Verbraucherzentrale NRW laut RP Online, dass bei Temu häufig Ansprechpartner und rechtlich relevante Informationen fehlen.

»Es ist brandgefährlich«

Auch von unternehmerischer Seite kommen warnende Stimmen: Marlena Hien, Gründerin des Nahrungsergänzungsmittel-Start-ups »Bears with Benefits«, machte auf LinkedIn öffentlich, dass sie eine Kooperationsanfrage von Temu abgelehnt habe: »Es ist brandgefährlich, wie asiatische Billig-Plattformen den europäischen Markt fluten – oft an Regulierungen vorbei, unter Missachtung von Produktsicherheit, Nachhaltigkeit oder Arbeitsstandards«.

Dass eine Listung bei Temu dennoch wirtschaftlich attraktiv sein kann, zeigt das Beispiel des bayerischen Unternehmens Wurstbaron. Dort verkauft man seit einigen Monaten Wurst und Partysnacks über die Plattform – mit laut eigenen Angaben »starken Verkaufszahlen«. Gegenüber der Lebensmittelzeitung äußerte sich das Unternehmen grundsätzlich positiv über die Zusammenarbeit, wenngleich die Produktpräsentation auf der Plattform noch ausbaufähig sei.

Preisdruck für Discounter denkbar

Sollte Temu sein Lebensmittelangebot massiv ausweiten, könnte das Auswirkungen auf den deutschen Einzelhandel haben. Besonders Discounter wie Aldi und Lidl könnten unter Druck geraten, wenn Temu auch in diesem Segment mit radikal günstigen Preisen operiert. Eine Gefahr, die Amazon bereits kennengelernt hat: Der Konzern hatte sein Angebot an Frischware über Amazon Fresh in Berlin, Hamburg und München im vergangenen Jahr wieder eingestellt – wegen zu hoher Konkurrenz und zu niedriger Margen. Ob Temus Strategie hingegen aufgeht, dürfte entscheidend davon abhängen, ob europäische Anbieter bereit sind, sich auf das Spiel mit dem Billig-Giganten einzulassen.


 

Redaktion
Mehr zum Thema
1 / 12