Eine steile Kombi. Spitzenkoch Peter Zinter kocht jetzt im Simmeringer Gasthaus »Stern«
Peter Zinter feiert ein Comeback im Gasthaus »Stern« in Wien-Simmering und nimmt sich dort den scheinbar einfachen Gerichten der Wiener Wirtshausküche an.
Zuletzt ist es ruhig geworden um ihn. Jetzt reitet er wieder. Peter Zinter ist ein hoch talentierter Koch. So manch einer wird sich noch an die Zeit erinnern, als der heute 45-jährige Spitzenkoch im ehemaligen Restaurant »Vincent« im zweiten Bezirk für Aufsehen sorgte. Doch das ist lange her. Danach folgten einige Auftritte, etwa im »Motto am Fluss« und im »Heunisch & Erben«. Auch im Fisch-Geschäft mit Lokal »Lieblingsfisch« am Karmelitermarkt trat er für einige Zeit in Erscheinung. Nun feiert er ein Comeback. Und zwar im Gasthaus »Stern« in Wien-Simmering.
Das »Stern« von Christian Werner galt schon lange als Ausnahme-Beisl in einem gastronomisch eher unterversorgten Bezirk. Inhaber Werner stand dort lange Zeit selbst in der Küche, was dem Wirtshaus ein gutes Feedback in den diversen Restaurant-Führern einbrachte. Nicht zuletzt war es auch die für ein Wirtshaus ungewöhnliche Weinkarte, die mitunter für Staunen sorgte. Eine Bandbreite von ausgefallenen Natur-Weinen bis hin zu Mouton Rothschild, dazu eine exzellente Champagner-Auswahl, das findet man nicht nur Simmering höchst selten. Jetzt will Inhaber Werner mit dem neuen Küchenchef Zinter das Ganze noch einmal toppen. Und wie es scheint, gelingt ihm das auch. Für ein auf den ersten Blick schlichtes Wiener Wirtshaus ist das, was da gerade abgeht mehr als unüblich. Am Nebentisch wird gerade eine Flasche Roederer Cristal geöffnet, ein paar Minuten später springt Inhaber Werner aus der Küche und bringt das erste Gericht eines mehrgängigen Zinter-Menüs an unseren Tisch. Eine lauwarme Kalbsfuss-Sulz mit einer hinreißenden Paradeiservinaigrette. Großartig, die Mischung aus dem gallertigen Kalbsfuss mit einer Vinaigrette, die an den großen Jörg Wörther erinnert, der selbst beim Abschmecken eines einfachen Salatdressings seine Genialität unter Beweis stellte.
Danach wird ein Teller mit einem gesalzenen Germknödel serviert, dazu drei verschiedene Gerichte: Champagner-Kutteln mit Calvados, ein Kalbsrahm-Beuschel mit Zitronen-Kapern und ein original Wiener Bruckfleisch. Der Germknödel passt wunderbar zu all diesen Gerichten, eine Weltklasse-Kombination aus dem Fundus der Wiener Küche. Wo bekommt man das sonst noch? Es sind Gerichte wie Cordon Bleu vom Tullnerfelder Schwein, gefüllt mit Thum Beinschinken und Tiroler Bergkäse (irre saftig und gar nicht trocken wie so oft), oder Rehbutterschnitzel vom Carnuntumreh, Szegediner vom Bio-Kalbsbries und Hirschragout mit Grammel-Semmelknödel, die hier in einer Güte zu Tisch kommen, die einem feuchten Auges zurücklässt.
Es ist ganz generell ein enormes Glück, wenn sich ein großer Koch den scheinbar einfachen Gerichten der Wiener Wirtshausküche annimmt. Dafür sind sich leider viele zu schade und widmen sich weit eher der kreativen Selbstverwirklichung. Mit Zinter könnte das »Stern« zu einem kulinarischen Hot-Spot werden, der einen Ausflug nach Simmering allemal rechtfertigt. Also auf nach Simmering, solange Zinter dort das Küchenzepter schwingt, was er hoffentlich länger tun wird.