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© Anastasiia Holnyk

»Figlmüllers« Italien-Flirt: So schmeckt es im neuen Pop-up »Figoletta«

Wien
Kritik
Italienische Küche

Statt Schnitzel setzen die Figlmüllers mit ihrem neu eröffneten Pop-up-Lokal »Figoletta« in der Rotenturmstraße auf Italo-Charme. Funktioniert das?

Das Restaurant »Figlmüller« ist seit ewigen Zeiten eine Institution, bekannt für ein übergroßes Schnitzel, mit dem die Familie Figlmüller weltberühmt wurde. Inzwischen betreiben die Figlmüllers mehr als ein halbes Dutzend Lokale. Mit dem neuen »Figoletta« wagt die Gruppe nun den Sprung nach Italien: Pizza, Cotoletta alla Milanese und Eigenkreationen sollen zeigen, was der Schnitzel-Spezialist außerhalb seines Wiener Klassikers kann. Kurz gesagt: Kann »Figlmüller« auch Pizza? 

Der erste Eindruck

Donnerstagabend, kurz nach sieben Uhr. Vor dem Restaurant in der Rotenturmstraße 11 staut es sich, circa ein Dutzend Menschen wartet bereits auf einen Platz. Drinnen ist die Stimmung geschäftig, die Tische eng gestellt, der Geräuschpegel hoch. Wer genau hinsieht, erkennt die Spuren der Vorgänger: Über 20 Jahre lang war hier das italienische Restaurant »Dai Fratelli« ansässig, bis es im Vorjahr Pleite ging. Und auch jetzt noch trägt das Lokal deutliche Hinweise auf die vorherige Nutzung, denn trotz Neuübernahme wirkt das Lokal insgesamt etwas in die Jahre gekommen. Das »Figoletta« ist derzeit nur ein Pop-up, denn im Winter wird noch einmal umgebaut, bevor es im frisch-renovierten Restaurant Gäste empfängt.

Flott serviert, schummrig verpackt

Die Mitarbeiter:innen sind flink, freundlich und gut organisiert. Draußen sitzt man allerdings Schulter an Schulter, der Abstand zwischen den Tischen könnte kleiner kaum sein. Und die Tische sind noch dazu ziemlich klein: zwei Vorspeisen, zwei Gläser Wein, eine Flasche Wasser, viel mehr geht sich da nicht aus. Spätestens wenn die Pizza kommt, wird es richtig eng. Das Publikum: international, viele Tourist:innen, was an dieser Adresse nicht überrascht. Im Innenbereich dominiert dunkles Holz, das durch wenige, aber auffällige Farbakzente – etwa eine knallgelbe Bar, ein ebenso gelbes Geländer oder rote Kronleuchter und Fensterrahmen – durchbrochen wird.

Vorspiel: Calamari und Figolino

Die Calamari Fritti knuspern beim ersten Biss kräftig, innen bleiben sie zart – dazu eine wunderbar frische Aioli (die Zitronenzeste als Topping bringt genau die richtige Frische mit). Ein Auftakt, der Lust auf mehr macht. Dann das Signature-Gericht »Figolino«: frittiertes Pizzabrot, dass es in drei Varianten gibt, eine Art Hybrid aus Schnitzel und Pizza. Zur Wahl stehen Vitello Tonnato, Marinara und Prosciutto-Stracciatella. Die Version Vitello Tonnato bleibt eher zurückhaltend – wenig Kalbsaroma, dafür viel Zitrone. Insgesamt die schlichteste Version. Mehr Spannung bringt die Marinara mit Sardellen aus Kantabrien, Kapern, getrockneter Tomate und Tomatensauce – kräftiger, salziger, dichter im Geschmack. Am meisten glänzt jedoch die Kombination aus Prosciutto und Stracciatella: luftiger Schinken, milde Cremigkeit, eine fast schon üppige Saftigkeit.

Zwischen Panade und Teig

Die Cotoletta alla Milanese kommt am Knochen serviert, goldgelb ausgebacken, garniert mit Zitrone und Rosmarin. Für 39,90 Euro – oder gleich 49,90 Euro mit Trüffelbutter und frischem schwarzem Trüffel – auch preislich ein echtes Statement. Geschmacklich tadellos, das Fleisch zart, die Panade knusprig – die Portion allerdings so groß, dass man am Ende fast kapituliert.
Kommen wir nun zur Pizza. Der Teig ist hauchdünn, am Rand luftig aufgegangen, beim Schneiden leicht knusprig – von der Machart her irgendwo zwischen Neapel und Rom angesiedelt. Wir entschieden uns für die Capricciosa Riviera mit Beinschinken von »Thum«, Artischocken, Champignons und Oliven. Die Pizza ist üppig belegt. Die Artischocken sind saftig, die Oliven aromatisch, der Beinschinken leicht und luftig. Preislich beginnt die günstigste Variante bei 13,50 Euro (Margherita), die teuerste kommt auf 29,50 Euro (mit Yellowfin Tuna Sashimi).

Fazit: Cotoletta und »Figolino« überzeugen geschmacklich, doch nicht alles erreicht volle Perfektion – aber insgesamt scheint das Konzept zu funktionieren. Wir dürfen gespannt sein, wie sich das Lokal nach dem Winterumbau weiter entwickelt.


 

Hannah Speyer
Hannah Speyer
Chefin vom Dienst Digital
Herbert Hacker
Herbert Hacker
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