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© Laurence Mouton

Guy Savoy: Warum der Sternekoch jetzt als »unsterblich« gilt

Frankreich
Koch
Geschichte

Zum ersten Mal in der Geschichte zieht ein Koch in die legendäre französische Akademie der Schönen Künste ein. Mit diesem Einzug in den Kreis der »Unsterblichen« beweist Guy Savoy endgültig: Kochen ist Kunst.

Wenn der Trommelwirbel der Republikanischen Garde durch das Seine-Ufer hallt und sich unter der prunkvollen Kuppel der »Académie des Beaux-Arts« die intellektuelle Elite des Landes versammelt, dann geht es meistens um Literatur, Malerei oder Musik. Nicht jedoch um die Kunst des Kochens – bis jetzt! Mit dem 72-jährigen Guy Savoy wurde zum ersten Mal in der fast zweihundertjährigen Geschichte der Institution ein Koch in den Rang der »Unsterblichen« erhoben. Ein historischer Ritterschlag für eine Profession, die lange im Schatten der klassischen Künste zu stehen schien.

Dass die französische Küche ein Kulturgut ist, bezweifelt zwischen Calais und Nizza niemand; die UNESCO hat sie immerhin schon 2010 zum immateriellen Welterbe erklärt – maßgeblich vorangetrieben durch Savoy selbst. Und doch brauchte es erst diesen feierlichen Akt, um das Handwerk am Herd endgültig auf eine Stufe mit der Bildhauerei oder der Komposition zu stellen. »Vermutlich steckte ein gewisser Snobismus dahinter«, kommentierte laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die ehemalige Kulturministerin Roselyne Bachelot die lange Wartezeit mit Ironie.

Von erfundenen Ratten und echten Genies

Wie tief Savoys Einfluss auf die globale Pop- und Esskultur reicht, zeigte ein Blick auf die hochkarätige Gästeliste. Extra aus Los Angeles angereist war Brad Lewis, der Produzent des Pixar-Welterfolgs »Ratatouille«. Bevor die berühmteste Zeichentrick-Ratte der Filmgeschichte die Kinos eroberte, holte sich Lewis kulinarischen Nachhilfeunterricht in Savoys Küche. Der Sekretär der Akademie, Komponist Laurent Petitgirard, verriet in seiner augenzwinkernden Laudatio, dass Savoy anfangs skeptisch gewesen sei: Eine Ratte in der Küche? Erst als man dem Meister versicherte, dass sich der kleine Nagetier-Koch Remy vor der Arbeit penibel die Pfoten wäscht, stimmte Savoy begeistert zu und lieh einem Stammgast im Film sogar seine Stimme. Kunst, Film und Kulinarik können eben doch Hand in Hand gehen.

Für Savoy geht es bei der Aufnahme in die Akademie nicht um den Ruhestand, sondern um das Vermächtnis. Seine größte Leistung, so betont er selbst, sei die Ausbildung der nächsten Generation. Apropos nächste Generation: Savoys Enkel Eliot brachte es bei der Zeremonie mit einem Zitat von Schriftsteller Guy de Maupassant abrundend auf den Punkt: »Von allen Leidenschaften ist die Feinschmeckerei zweifellos die sinnlichste und diejenige, die den raffiniertesten Künstlern am würdigsten ist.«


Redaktion
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