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«Didi's Frieden» schliesst: Zürichs berühmtestes Beizli sagt nach 20 Jahren Adieu

Schließung
Restaurant
Zürich
Interview

Nach genau 20 Jahren ist Schluss. Das Zürcher Kultrestaurant «Didi's Frieden» schliesst am 30. September 2026. Inhaber Didi Bruna und Küchenchef Markus Furtner erklären, warum – und was danach kommt.

Es gibt Restaurants, die Gäste nie vergessen. «Didi's Frieden» gehört dazu. Wer je einen Abend in dem Zürcher Lokal verbracht hat, erinnert sich an die handgeschriebene Menükarte, das Wiener Schnitzel, den Kaiserschmarrn und jene Dessert-Teller, auf denen Didi Bruna mit Schokolade kleine persönliche Zeichnungen hinterliess.

Doch Ende September ist Schluss. Am 2. Oktober feiert «Didi's Frieden» sein 20-jähriges Jubiläum, mit einer «Ustrinkete». Für Didi Bruna kommt das Ende nicht überraschend. «Wir wussten das schon länger», sagt er gegenüber Falstaff. Die geplante Generalsanierung der Liegenschaft sei bereits vor vier Jahren Thema gewesen. Doch Bruna hat sich gewehrt. Zwei Jahre für die Sanierung zu schliessen, danach nochmals für zwei Jahre bis zu seiner Pension zurückzukehren, habe für ihn keinen Sinn ergeben. «Wann willst du aufhören?», hat ihn der Vermieter schlussendlich gefragt. Seine Antwort fiel klar aus: am 30. September 2026. Vier Tage später wird Bruna 65.

Hals über Kopf in den Erfolg

Dass aus «Didi’s Frieden» einmal eine Zürcher Institution werden würde, war am Anfang nicht geplant. Zumindest nicht in dieser Geschwindigkeit. Bruna erinnert sich an eine Eröffnung, die alles andere als ruhig verlief. Erst zwei Wochen vor der Übergabe hat er die definitive Zusage erhalten. Danach musste Personal gesucht, organisiert und eröffnet werden. «Es war alles sehr stressig.»

Doch der Start gelang. «Der Laden ist vom ersten Tag an gelaufen», erinnert sich Bruna. Bereits in den ersten Monaten sei das Lokal «vollkommen überlaufen» gewesen. Der Vorgänger habe gute Vorarbeit geleistet, viele Gäste kannten die Adresse. Bruna selbst brachte Publikum aus früheren Zürcher Betrieben mit. Als kurz nach der Eröffnung Medien über das Restaurant berichteten, stand das Telefon kaum mehr still.

Eine Küche, die verstanden werden will

Vier Monate nach der Eröffnung kam Markus Furtner als Küchenchef dazu. Bruna und Furtner hatten schon früher zusammengearbeitet. Aus dieser Zusammenarbeit entstand jene kulinarische Linie, die «Didi’s Frieden» über Jahre prägte: feinbürgerlich, österreichisch inspiriert, klassisch im besten Sinn, aber nie beliebig.

Der Erfolg von «Didi’s Frieden» beruhte nie auf lauter Effekthascherei. Bruna beschreibt seine Idee bis heute unprätentiös. «Ich bin nicht der, der die Welt neu erfinden möchte», sagt er. Die Küche sollte ambitioniert sein, aber nicht abgehoben. Frische Produkte, wo möglich Bio-Qualität, handwerklich sauber gekocht – und so zugänglich, dass verschiedene Gästegruppen auf der Karte etwas finden.

Furtner formuliert es ähnlich. Entscheidend sei immer gewesen, dass die beiden selbst hinter den Gerichten stehen konnten. «Wir kochen nichts, das wir nicht gern haben», sagt er. «Wir kochen es so, wie wir es lieben, und geben es so dem Gast weiter.»

Didi's Klassiker

Zu den Klassikern gehörten über die Jahre vor allem zwei Gerichte: das Wiener Schnitzel in den wärmeren Monaten und das Cordon bleu in der kälteren Jahreszeit. Auch Tatar war immer wieder Teil des Angebots. Die Karte wechselte regelmässig, doch gewisse Gerichte liessen sich kaum verdrängen. Bei den Desserts nennt Bruna die Schoggitorte und den Kaiserschmarrn. Beide begleiteten das Restaurant von Beginn an. «Den Kaiserschmarrn kannst du immer haben, auch wenn er nicht auf der Karte steht», sagt Bruna. Solche Evergreens sind Teil des Hauses.

Ebenso prägend waren die Details, die «Didi’s Frieden» zu einem persönlichen Ort machten. Dessertteller wurden mit Schokolade verziert, oft individuell und auf den Anlass bezogen. Geburtstage, Jubiläen, persönliche Feiern – wer früh genug Bescheid gab, konnte damit rechnen, dass Bruna etwas Persönliches an den Tisch brachte.

Entstanden sei diese Geste ganz organisch. «Ich habe sehr viel Zeit im Gastraum verbracht», sagt Bruna. Wenn jemand Geburtstag gehabt habe, habe er den Teller verziert. Mit der Zeit seien die Zeichnungen immer aufwendiger geworden. In den letzten Jahren habe das ein Ausmass angenommen, das fast schon ein eigener Arbeitstag gewesen sei. «Ich war den ganzen Tag nur am Schokolade malen», sagt er. Trotzdem wollte er nicht darauf verzichten. Die Gäste hätten diese Gesten geschätzt, manche seien gerade deswegen gekommen. Für Bruna war es eine Form von Bindung, aber auch eine Frage des Anspruchs.

Warum es hier nicht weitergeht

Die Schliessung hat nicht nur mit Brunas Pensionierung zu tun, sondern auch mit den baulichen Plänen für die Liegenschaft. Nach der Generalsanierung soll dort ein neues Restaurant mit deutlich mehr Plätzen entstehen. Statt heute rund 55 Sitzplätzen sind künftig etwa 100 vorgesehen. Gleichzeitig bleibt die Küche gleich gross, während Lagerräume kleiner werden sollen.

Für Bruna und Furtner war das keine realistische Perspektive. Mehr Gäste, weniger Platz hinter den Kulissen und eine unveränderte Küche: Das hätte nicht zu jener Art von Gastronomie gepasst, für die «Didi’s Frieden» steht. Weiterzumachen sei unter diesen Bedingungen nicht machbar gewesen. Hinzu kommt die Belastung der vergangenen Jahre. «Didi’s Frieden» ist sechs Tage pro Woche geöffnet. Seit der Pandemie sei es zudem schwieriger geworden, Mitarbeitende zu finden. Die Überstunden hätten sich gehäuft. Für Bruna fühlt sich der Abschied deshalb auch wie ein notwendiger Schritt an. Eine wohlverdiente Pension, auch wenn diese wohl nicht ganz ohne Arbeit beginnen wird.

Markus Furtner geht nach Uster

Ganz verschwinden wird die kulinarische Handschrift von «Didi’s Frieden» nicht. Markus Furtner eröffnet in Uster ein neues Restaurant, rund 15 Minuten von Zürich entfernt. Der Start ist für November vorgesehen. Das neue Lokal wird kleiner als «Didi’s Frieden», 40 bis 50 Plätze.

Kulinarisch soll es in eine vertraute Richtung gehen, wenn auch etwas reduzierter. «Wir werden sehr ähnlich kochen wie im ‹Didi’s›, aber etwas einfacher», sagt Furtner. Die Crew werde kleiner sein, die Abläufe müssten kompakter funktionieren. Im Zentrum stehe weiterhin das Handwerk. «Perfekt gekocht, weniger Schiggi-Miggi», sagt Furtner. Er beschreibt das künftige Konzept als ehrliche gutbürgerliche Küche. Nicht als Kopie von «Didi’s Frieden», aber als Fortsetzung.

Auch personell nimmt Furtner ein Stück Geschichte mit. Der ehemalige Sous-chef und der aktuelle Sous-chef sollen ihn nach Uster begleiten. Bernadette, seit über 20 Jahren im Umfeld von «Didi’s Frieden» tätig und vielen Gästen als vertrautes Gesicht bekannt, bleibt ebenfalls Teil des Teams. Didi Bruna selbst wird sich um den Weinkeller kümmern. Furtner habe ihn darum gebeten. Ganz aus der Gastronomie verschwinden wird er also nicht. Er werde da sein und helfen, wenn es nötig sei. Gleichzeitig freut er sich auf etwas, das in den vergangenen Jahrzehnten selten möglich war: ausschlafen, ohne direkt wieder arbeiten zu müssen.

Seit die bevorstehende Schliessung bekannt wurde, ist «Didi’s Frieden» wieder besonders stark gebucht. Wer also noch einmal Wiener Schnitzel, Kaiserschmarrn und eine letzte Schoggi-Zeichnung erleben möchte, sollte sich rechtzeitig einen Tisch sichern.

didisfrieden.ch


Linda Carstensen
Linda Carstensen
Portalmanagerin Schweiz und Autorin
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