Die aktuellen Umbrüche in Hamburgs Spitzengastronomie
Viel Bewegung in der Hamburger Gastroszene: Das einstige Nobelrestaurant »Le Canard« schließt, ebenso das beliebte »Tschebull« im Levantehaus. Der Zwei-Sterne-Gourmettempel »Bianc« bekommt derweil einen neuen Chefkoch.
Schon wieder musste es schließen: Über dem »Le Canard« scheint kein glücklicher Stern zu leuchten. Erst im August 2024 hatte Jakob Luis Hilscher das einstige Nobelrestaurant an der berühmten Elbchaussee als neuer Betreiber übernommen. Ende 2025 dann das Aus. Ein Grund: Streitigkeiten mit den Eigentümern der Immobilie.
Das Restaurant ist in Hamburg sehr bekannt. Nicht nur wegen der Lage hoch über der Elbe mit Blick auf Kreuzfahrtschiffe und Containerriesen. Mit dem »Le Canard« hatte sich der ehemalige Spitzenkoch Josef Viehhauser 1978 selbstständig gemacht. Neun Monate nach der Eröffnung erhielt es schon einen Stern im Guide Michelin. Seit 1989 residierte es an der Nobeladresse Elbchaussee in einem Bau der renommierten Hamburger Architekten Gerkan, Marg und Partner.
2004 musste es das erste Mal schließen. Unter Ali Güngörmüs holte sich das Haus, das jetzt »Le Canard Nouveau« hieß, einen Michelin-Stern zurück. Nach elf Jahren übergab der sympathische Münchner die Vorreiterrolle in der Küche an seinen Nachfolger ab, blieb aber Mitinhaber. Nach einem Brand musste das Restaurant 2018 erneut seinen Betrieb einstellen. Norman Ezthold – auch er mit einem Michelin-Stern dekoriert – blieb nur ein Jahr bei der »Ente« und sagte im Juni 2020 Adieu.
Nach vier Jahren Leerstand nun ein neuer Versuch. Auch er scheiterte. Nach knapp anderthalb Jahren muss Jakob Luis Hielscher Ende Dezember 2025 ein Insolvenzantrag stellen. Was jetzt aus dem »Le Canard« wird, steht in den Sternen.
»Eine kreative Auszeit«
Die Hamburger Gastronomieszene ist auch an anderen Orten in Bewegung: Ziemlich überraschend kommt die Meldung, dass Matteo Ferrantino aus dem Gourmetrestaurant »Bianc« in der Hafencity ausscheidet. Der Koch, der auch in 2025 zwei Michelin-Sterne für das Restaurant holte, braucht »eine kreative Auszeit«. Auf Instagram und in seinen persönlichen Newsletter verriet er: »Ich werde eine Pause machen und mich dann auf neue kulinarische Horizonte freuen. Sicherlich werde ich mit einem neuen Projekt wieder auftauchen – wer mich kennt, weiß das!« Ab dem 21. Januar wird es eine Übergangsphase im »Bianc« geben. In der soll Marvin Böhm – davor Sous-Chef in der Wolfsburger Top-Adresse »Aqua« (drei Michelin-Sterne) und im »Goldie‘s« in Berlin – das Team bereichern. 2022 war er Koch des Jahres.
Indes hat auch das beliebte »Tschebull« im Levantehaus für immer seine Türen geschlossen. »Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht«, sagen Yvonne und Alexander Tschbull, die 17 Jahre die Hamburger Gastroszene mit ihrer österreichischen Küche im Restaurant an der Mönckebergstraße bereicherten. Glücklicherweise bleibt das Ehepaar aber den Hamburgern erhalten: In ihrer zweite Top-Adresse an der Elbe – im »Rive«– überraschen sie weiterhin ihre Gäste mit einer tollen Genussküche. Hier mit Blick auf die Elbe und einem deutlichen Fokus auf Fisch und Seafood.