Kein Alkohol, kein Schweinefleisch: Traditionshotel »Bellevue au Lac« unter neuer Führung
Am Thunersee übernimmt ein Investor aus Abu Dhabi das »Bellevue au Lac« – und krempelt das Schweizer Traditionshaus um. Alkohol und Schweinefleisch stehen nicht mehr auf der Karte, die Umstellung sorgt für Unmut bei Einheimischen und Gästen.
Am Schweizer Thunersee sorgt ein Hotelverkauf für Aufsehen: Das Traditionshaus »Bellevue au Lac« in Hilterfingen ist seit diesem Jahr im Besitz der Firma Seattle International Services aus Abu Dhabi. Seit der Übernahme werden im Hotel und Restaurant weder Alkohol noch Schweinefleisch angeboten – eine Änderung, die bei Einheimischen und Gästen für Diskussionen sorgt.
Ein Nachbar, dessen Sohn das Hotel vor dem Verkauf gepachtet hatte, äußerte gegenüber dem SRF: »Es ist eine Katastrophe, dass ein arabischer Investor dieses schöne Grundstück am Thunersee gekauft hat.« Auch Gäste zeigen sich irritiert: Eine Google-Bewertung warnte vor einem »Halal-Hotel nach dem Besitzerwechsel«, entgegen früherer Aussagen des Managements.
»Wenn jemand Alkohol will, sind wir nicht die richtige Wahl«
Ahmed Sharaky, Vertreter der neuen Eigentümer, erklärte gegenüber dem SRF, dass die Änderungen Teil eines Konzepts für gesunde Produkte seien. Religiöse Motive lägen nicht vor. »Wenn jemand Alkohol will, sind wir nicht die richtige Wahl«, so Sharaky. Das Haus bleibe für alle Gäste geöffnet.
Die Umstellung führte bereits zu personellen Turbulenzen: Der Hoteldirektor Frank Bergmann, der noch im Juli gegenüber dem SRF betonte, er wolle »Stück für Stück unsere Gäste austauschen«, trat zurück. Auch zuvor hatten mehrere Direktoren unter den neuen Eigentümern das Haus verlassen.
Der Fall »Bellevue au Lac« ist Teil eines größeren Trends: Seit 2018 haben ausländische Investoren mindestens 1,7 Milliarden Franken in Schweizer Hotels investiert – etwa die gleiche Summe wie Schweizer Eigentümer, berichtet der Immobiliendienstleister CBRE. Jürg Zumkehr, langjähriger Hotelvermittler, sagte gegenüber dem SRF, dass ausländische Käufer oft risikofreudiger seien und bei Hotelverkäufen häufig den besten Preis bieten würden.
Die neuen Eigentümer planen weitere Investitionen, darunter einen Pool im Garten, und sollen bereits ein weiteres Hotel in Interlaken übernommen haben. Für die Region bleibt die Entwicklung umstritten – Ruhe kehrt im »Bellevue au Lac« vorerst wohl nicht ein.