Welche Lebensmittel die Umwelt am meisten belasten
Eine neue Grafik der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung zeigt die Ökobilanz verschiedener Lebensmittel pro Portion. Besonders Fleisch, Eier, Fisch und Kaffee fallen ins Gewicht – während Hahnenwasser, Tofu und Teigwaren deutlich besser abschneiden.
Was wir essen, hat Folgen. Nicht nur für unsere Gesundheit und den Alltag, sondern auch für die Umwelt. Wie gross diese Auswirkungen sind, zeigt eine neue Übersicht der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE). Sie vergleicht die Umweltbelastung verschiedener Lebensmittel pro Portion – von Hahnenwasser über Gemüse und Teigwaren bis hin zu Fleisch, Fisch, Kaffee und Wein. Die Grundlage für diesen Vergleich sind sogenannte Umweltbelastungspunkte, kurz UBP. Sie fassen verschiedene Faktoren wie Ressourcenverbrauch, Emissionen, Abfälle, Energie, Wasserverbrauch und Landnutzung in einer einzigen Kennzahl zusammen.
Die Zahlen machen sichtbar, was im Alltag oft abstrakt bleibt: Zwischen einem Glas Hahnenwasser und einer Portion Fleisch liegen Welten. Während 2 Deziliter Hahnenwasser mit 0,08 UBP praktisch kaum ins Gewicht fallen, erreicht Mineralwasser derselben Menge bereits 135 UBP. Noch deutlicher wird der Unterschied bei Kaffee: Eine Portion von 2 Dezilitern schlägt mit 1585 UBP zu Buche – deutlich mehr als etwa Teigwaren, Brot, Kartoffeln oder eine Portion Gemüse.
Poulet besser als Rind
Besonders hoch ist die Umweltbelastung bei tierischen Produkten. Eine durchschnittliche Portion Fleisch von 110 Gramm kommt laut Grafik auf 4978 UBP. Dieser Wert setzt sich aus dem Durchschnitt von Rind-, Schweine- und Pouletfleisch zusammen. Rindfleisch liegt dabei mit 8333 UBP besonders hoch, während Poulet mit 2845 UBP deutlich tiefer ausfällt. Auch Eier erreichen mit 2253 UBP pro Portion einen vergleichsweise hohen Wert. Fisch liegt mit 2140 UBP ebenfalls klar über pflanzlichen Grundnahrungsmitteln.
Pflanzliche Lebensmittel schneiden in der Übersicht meist deutlich besser ab. Teigwaren und Tofu liegen mit je 346 UBP pro Portion im unteren Bereich, Sojadrink kommt auf 360 UBP, Gemüse im Durchschnitt auf 419 UBP. Auch Hülsenfrüchte, Brot, Reis und Kartoffeln bleiben im Vergleich zu Fleisch, Fisch oder Eiern tiefer. Dennoch zeigt die Grafik: Pflanzlich ist nicht automatisch gleichbedeutend mit kaum belastend. Nüsse etwa erreichen mit 1257 UBP pro Portion einen höheren Wert als viele andere pflanzliche Produkte. Auch Schokolade kommt mit 880 UBP auf eine relevante Umweltbelastung.
Per Flugzeug, Schiff oder Lastwagen?
Ein wichtiger Punkt der Auswertung ist der Blick auf Herkunft und Transport. Gerade bei Früchten und Gemüse kann die Bilanz stark schwanken. Im Durchschnitt liegen Früchte bei 616 UBP, Gemüse bei 419 UBP pro Portion. Doch diese Werte verändern sich je nach Sorte, Saison, Produktionsweise und Transportweg. Besonders gross ist der Unterschied beim Transport: Wird eine Portion Früchte oder Gemüse per Flugzeug eingeführt, entstehen allein dadurch 1514 UBP. Per Schiff sind es 29 UBP, per Lastwagen aus Europa 31 UBP und per Lastwagen aus der Schweiz lediglich 3 UBP. Damit zeigt sich: Regionalität kann relevant sein, entscheidend ist aber auch, wie ein Produkt transportiert wurde.
Auch die Anbaumethode spielt eine Rolle. Die SGE nennt dafür das Beispiel Erdbeeren: Erdbeeren aus einem beheizten Gewächshaus verursachen 573 UBP, jene aus Folientunnelanbau 341 UBP. Gerade bei saisonalen Produkten lohnt sich deshalb ein genauer Blick. Eine Erdbeere im Frühling oder Sommer aus naheliegender Produktion kann ökologisch anders zu bewerten sein als dieselbe Frucht ausserhalb der Saison aus energieintensivem Anbau.
Bewusster Genuss
Die Grafik versteht sich nicht als Verzichtsaufruf, sondern als Orientierungshilfe. Sie zeigt, wo im Ernährungsalltag besonders grosse Hebel liegen. Wer häufiger Hahnenwasser statt Mineralwasser trinkt, pflanzliche Proteinquellen wie Hülsenfrüchte oder Tofu einplant, Fleisch bewusster konsumiert und bei Früchten sowie Gemüse auf Saison und Transport achtet, kann die eigene Umweltbelastung deutlich senken – ohne Genuss aus dem Speiseplan zu streichen.