Kunst trifft Kulinarik: Berliner »pars« lädt zur Artist-Dinner-Reihe
Kann ein Restaurant mehr sein als nur Kulisse? Bei den Artist-Dinnern im Berliner »pars« verschwimmen die Grenzen zwischen Kunst und Kulinarik – doch am Ende steht etwas ganz anderes im Mittelpunkt.
Was passiert, wenn die Grenzen zwischen Kunst und Kulinarik verschwimmen und eine völlig neue Dimension entsteht? Wenn der Raum nicht länger nur ein Ort des Genusses ist, sondern zu einem lebendigen Kunstwerk wird, das sich immer wieder neu definiert?
Es braucht einiges an Vorstellungskraft und Tatendrang, genau das in die Realität umzusetzen – im Berliner »pars« sollen diese Grenzen ab dem 6. März aber regelmäßig neu ausgelotet werden – und regelrecht verschmelzen. Dann lädt Inhaberin Kristiane Kegelmann gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Nadja von Buseck zum ersten »Artist-Dinner«, bei dem die Symbiose aus Kunst und Kulinarik nicht nur auf den Teller kommt, sondern auch über den Tischrand hinausgeht.
Zwischen Nähe und Distanz
Die Idee für die Dinner-Serie entstand aus einer gemeinsamen Vision der beiden Frauen. Kegelmann, Konditormeisterin, Künstlerin und Gründerin des Berliner Restaurants bewegt sich schon seit Jahren an der Schnittstelle zwischen Kunst und Kulinarik. Das »pars« begreift sie deshalb auch nicht als klassisches Restaurant, sondern als »ein Gefäß, das sich durch die Menschen, die hier wirken, ständig verändert«. Gemeinsam mit Nadja von Buseck, einer Österreicherin, die über die Hotellerie zur Kunst fand und internationale Artist Residencies kuratierte, möchte sie einen Raum schaffen, in dem Kunst und Kulinarik fließend ineinander übergehen. Von Buseck, die besonders die Wechselwirkungen zwischen Gastfreundschaft und künstlerischem Schaffen erforscht, sieht das »pars« ebenfalls nicht als statisches Restaurant, sondern als Gesamtkunstwerk, das kontinuierlich neu definiert wird. Das gemeinsame Projekt ist daher auch ein Experiment, das unsere Wahrnehmung von Kulinarik und Raum hinterfragt.
Im zweimonatlichen Rhythmus laden Kegelmann und von Buseck dafür eine Künstlerin oder einen Künstler ein, die Räumlichkeiten des »pars« neu zu definieren und mit ihrer Kunst zu erweitern. Den Auftakt macht Lena Marie Emrich. Die 1991 geborene Künstlerin setzt sich in ihrer Arbeit mit Randphänomenen und gesellschaftlichen Fragestellungen auseinander, um so etablierte Normen zu hinterfragen und den Betrachter zum Nachdenken anzuregen. Unter dem Motto »Mirrors of Togetherness« stellt sie im Pars dafür die übliche Sitzordnung auf den Kopf. Stühle und Tische weichen, um Emrichs interaktiver Sitzlandschaft, den »Gossip Chairs« Platz zu machen. Die gebogenen Aluminiumstrukturen mit ihren fließenden Formen, sollen zufällige Gespräche begünstigen und die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren, hinterfragen. Es geht um Nähe und Distanz, um Perspektivwechsel – ein Spiel, das sich in der Küche fortsetzt.
Raum für Begegnungen
Dort wird diese Idee mit einem 14-Gänge-Menü von Küchenchef Florian Sperlhofer kulinarisch interpretiert. »Kunst und Essen gehen einen Dialog ein, und genau dieser Dialog ist unser Ziel: Menschen zusammenzubringen und neue Perspektiven zu eröffnen«, erklärt Kegelmann.
Der Abend geht also weit über ein klassisches Fine-Dining-Erlebnis, wie man es sonst aus dem «pars» gewohnt ist, hinaus. Es ist ein Experimentierfeld, das Erwartungen herausfordert und mit Konventionen bricht. »Ich habe mich immer gefragt, wie man Kunst erlebbarer machen kann«, erklärt Nadja von Buseck. »Viele Menschen fühlen sich von Kunsträumen eingeschüchtert. Aber Essen – das ist etwas, das jeder versteht, mit dem sich jeder verbinden kann.« Das Herzstück des Abends ist jedoch weder das Essen noch die Kunst: Es ist das soziale Miteinander.« Gerade in einer Zeit, in der wir immer mehr in digitalen Räumen kommunizieren, möchten wir einen echten physischen Raum für Begegnungen schaffen«, betont Kegelmann. »Durch den skulpturalen Eingriff von Lena Marie Emrich werden die festen Abläufe verändert, die klassische Sitzordnung entfällt, und es entstehen überraschende Situationen, die die Gäste auf einer anderen Ebene anregen.«
Kunst, Kulinarik und Menschlichkeit
Dem pflichtet auch von Buseck bei. Die Idee von flexiblen Räumen, die durch Interaktion geprägt werden, ist für die ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts. »Ich bin davon überzeugt, dass Räume nicht statisch sind. Sie leben durch ihre Nutzung. Und genau das wollen wir mit den Artist-Dinner erlebbar machen«, erklärt sie.
Wem nun immer noch die Vorstellungskraft fehlt, muss sich selbst ein Bild machen und sich auf dieses unkonventionelle Erlebnis einlassen. Für Kegelmann jedenfalls ist die Dinner-Reihe weit mehr als ein Event – sie ist ein zentraler Bestandteil ihres Gesamtkunstwerks: »Mit dem ›pars‹ wollen wir mehr als nur außergewöhnliche Gerichte servieren, sondern einen Ort schaffen, an dem Kunst, Kulinarik und Menschlichkeit zusammenkommen. Es ist eine Einladung zum Austausch, zur Offenheit – und vielleicht auch zu unerwarteten Überraschungen.«
Info
06. März 2025, 19 Uhr
210 €, exklusive Getränke
RSVP auf www.pars.berlin