La Liste präsentiert die Weltspitze der Patisserie 2026
Wie süß kann Globalisierung sein? Die neue La Liste 2026 zeigt eine Patisserie-Welt, in der Paris nicht mehr allein den Ton angibt – und auch ein Österreicher backt an der Spitze mit.
Die Patisserie ist längst kein rein französisches Hoheitsgebiet mehr. Was früher als fein säuberlich kuratierte Süßwarenkunst aus Paris galt, ist heute ein globales Spielfeld aus Präzision und radikaler Kreativität geworden.
Genau diesen Wandel zeichnet die aktuelle Ausgabe der La Liste nach – allerdings nicht als klassische Rangliste. Grundlage ist ein System, das über 1.100 internationale Quellen auswertet von Restaurantführern und Fachmedien – Falstaff eingeschlossen – bis hin zu Rankings und Online-Bewertungen. Ergänzt um Millionen Nutzerstimmen entsteht daraus ein algorithmisch gewichtetes Gesamtbild globaler Gastronomie, das in der App des Guides als kuratierte Auswahl zugänglich wird. Für die Patisserie-Awards 2026 wurden so rund 3.000 Betriebe analysiert, in zwölf Kategorien gebündelt und schließlich 36 Preisträger aus 18 Ländern ausgezeichnet.
Bekannte Gesichter an überraschenden Orten
Dass diese Karte der süßen Welt heute kaum noch einen klaren Mittelpunkt kennt, zeigt sich schon beim Blick auf die wichtigsten Auszeichnungen. Einer der deutlichsten Impulse kommt aus Seoul: Eunyoung Yun wird als World’s Most Creative Pastry Chef geehrt – als erste koreanische Preisträgerin in dieser Kategorie. Ihre Arbeiten bei Garuharu stehen exemplarisch für eine neue Generation von Patissiers, die französische Techniken nicht kopieren, sondern sie konsequent in eine eigene Geschmacks- und Formensprache übersetzen.
Auch der Preis für den World’s Best Pastry Shop überrascht. Zwar geht er an die Pariser Marke Pierre Hermé – allerdings nicht nach Paris, sondern für ihren Standort in Singapur. Dort treffen klassische französische Patisserie-Ikonen auf regionale Aromen wie Pandan, Kokos oder Kaya.
Ähnlich viel Bewegung zeigt sich beim Pastry Game Changer Award, der an den US-amerikanischen Koch Will Goldfarb vergeben wird. Sein »Room4Dessert« auf Bali hat sich längst von einem Restaurant zu einem hybriden System aus Küche, Forschung und Ausbildung entwickelt – und steht damit für eine Patisserie, die nicht mehr nur Produkt, sondern Prozess ist.
Mehr als nur Brot: »Joseph Brot« ausgezeichnet
Frankreich bleibt in dieser Neuordnung sichtbar, verliert aber seine exklusive Deutungshoheit. So teilen sich das »Four Seasons George V« in Paris unter Michael Bartocetti und das »Chancery Rosewood« in London den Preis für das beste Afternoon-Tea-Erlebnis. Der Impact Award geht an den Franzosen Frédéric Bau, dessen Arbeit seit Jahren maßgeblich dazu beiträgt, die moderne Patisserie konzeptionell weiterzudenken und handwerklich zu schärfen.
In der Kategorie Artisan & Authenticity stehen das »Caffè Sicilia« in Noto unter Corrado Assenza sowie »Maison Bonnat« in Paris für eine Patisserie, die Region, Produkt und Technik untrennbar zusammendenkt – ohne Nostalgie, aber mit klarer Verankerung im Ursprung.
Gleichzeitig zeigt sich die Szene insgesamt in Bewegung. Bäckereien und Patisserien wie »Hart Bageri« in Kopenhagen oder die »Claridge’s Bakery« in London verschieben klassische Grenzen zwischen Handwerk, Design und moderner Gastronomie. Parallel werden Häuser wie »Joseph Brot« in Wien oder »Mamiche« in Paris für ihre konsequent nachhaltigen und ethischen Positionen hervorgehoben – ein Hinweis darauf, dass sich Qualität heute zunehmend auch über Haltung definiert. Austro-Bäcker Josef Weghaupt durfte sich über den »Pastry Ethical & Sustainability Award« freuen.
Der Blick auf den Nachwuchs verstärkt diesen Eindruck. Die Kategorie Talent of the Year bündelt eine neue Generation von Patissiers aus Lissabon, Madrid oder Penang, während die Discovery Gems Adressen von New York über Mexiko-Stadt bis Shanghai und Marseille sichtbar machen und die Patisserie endgültig in eine Welt verschieben, in der Herkunft weniger Grenze als Ausgangspunkt ist.