Zum Inhalt springen

Seoul ist immer hungrig. Unter Neonschildern und Straßenlichtern tummeln sich die Menschen auch nachts in Restaurants, Bars und vor Essensständen.

Seoul ist immer hungrig. Unter Neonschildern und Straßenlichtern tummeln sich die Menschen auch nachts in Restaurants, Bars und vor Essensständen.
© Shutterstock

Seoul Food: Metropole zwischen Garküchen und Sterneküche

Südkorea
Food Explorer
Streetfood

In keiner Stadt verschmelzen Tradition und Moderne kulinarisch radikaler als in Seoul. Zwischen historischen Palästen und Neonlichtern treffen Michelin-Sterne auf dampfende Garküchen und jahrhundertealte Fermentationstechniken auf Third-Wave-Coffee.

Wer Seoul kulinarisch verstehen will, muss bereit sein, überall Platz zu nehmen – vom Plastikhocker bis zum Chef’s Table. Die koreanische Zehn-Millionen-Metropole gehört zu den spannendsten Food-Destinationen weltweit. Schlecht zu essen ist hier tatsächlich schwer. Rund 200.000 Restaurants finden sich im Stadtgebiet – die unzähligen Bars, Cafés und vor allem Straßenküchen nicht eingerechnet. Essen ist allgegenwärtig, egal, wo man sich gerade aufhält. Als Zentrum Seouls gilt der Gwanghwamun-Platz, der Vorplatz des Gyeongbokgung-Palasts, des größten und meistbesuchten der fünf Hauptpaläste aus der Joseon-Dynastie. Sie regierte Korea von 1392 bis 1910. Auf der anderen Seite des Platzes liegt die moderne Prunkstraße Sejong-daero. Zwischen Häuserschluchten, traditionellen Palästen und Bergen am Horizont zeigt sich die Stadt hier in all ihrer gegensätzlichen Pracht.

Mitten ins Herz

Der Gwanghwamun-Platz liegt im zentralen Stadtteil Jongno-gu. Hier ist das kulinarische Herz des alten Seouls – zwischen den Palästen geht es erwartungsgemäß traditionell zu. Der Stadtteil bietet gleich mehrere waschechte Genuss-Cluster. Der prominenteste davon ist der Gwangjang-Markt – der größte und bekannteste Markt ganz Südkoreas, berühmt für sein authentisches Streetfood und die lebendige Atmosphäre. Bereits das Schlendern über den Markt ist ein Fest für die Sinne. Wer mag, nimmt an einem der unzähligen Stände Platz und genießt Bindaetteok (Mungbohnenpfannkuchen), Tteokbokki (Rice-Cakes in süß-scharfer Sauce), Eomuk (Fishcake-Spieße) oder Soondae (Blutwurst). Hier ist auch das Epizentrum der Garküchen, die sich über das ganze Stadtgebiet verteilen – viele davon in Zelten direkt auf der Straße oder auf kleineren traditionellen Märkten. Für Seafood-Enthusiasten empfiehlt sich ein Besuch des Noryangjin-Fischmarktes. Hier kann man sich frisch gekaufte Ware in Lokalen direkt vor Ort zubereiten lassen.

Ein weiteres Genuss-Cluster in der Innenstadt ist das Ausgehviertel um die Jonggak-Station. An der sogenannten Street of Youth locken leuchtende Neonschilder und eine Vielzahl von Essensbildern. Touristenfallen sind in Seoul rar – trotzdem lohnt es sich, vorab die in Korea allgegenwärtige App Naver Maps zu studieren, die mit unzähligen Bewertungen aufwartet.

Croissant mit Wartezeit

Wer es ruhiger angehen will, ist in den Hanok-Siedlungen Insadong und Ikseon-dong genau richtig. Hanok sind die traditionellen, einstöckigen Häuser mit den geschwungenen Holzdächern – gewohnt wird hier heute längst nicht mehr, dafür aber gekocht, gegrillt und Kaffee gebrüht. In Ikseon-dong stehen die Menschen schon frühmorgens bei Jayeondo Sogeumppang Schlange für das begehrte Saltbread – ein butteriges, salziges Gebäck, ähnlich einem Croissant und jede Warteminute wert.

Hanok heißen die malerischen, einstöckigen Wohnhäuser in traditioneller koreanischer Bauweise.
© Twenty47Studio / Getty Images
Hanok heißen die malerischen, einstöckigen Wohnhäuser in traditioneller koreanischer Bauweise.

Wer tiefer in die Seele der koreanischen Alltagsküche eintauchen will, sollte einen Abstecher in ein sogenanntes Ajae-Restaurant wagen. Ajae bedeutet so viel wie »älterer Herr« – und tatsächlich sind diese unprätentiösen, oft jahrzehntealten Lokale geprägt von Stammgästen, günstigen Preisen und bodenständigen Gerichten, die nicht für Instagram angerichtet werden.

Anders ist es auf der gegenüberliegenden Flussseite, im Finanz- und Geschäftsviertel Gangnam. Zwischen riesigen Hochhäusern findet sich der Großteil der rund 30 Sterne-Restaurants der Stadt. Allen voran der derzeit einzige Dreisterner »Mingles«. Chefkoch Mingoo Kang serviert eine klare, elegante koreanische Küche ohne Schnörkel, dafür mit umso mehr Geschmack. Kreationen wie der Mingling Pot oder das Jang-Trio-Dessert treiben nicht nur Einheimischen Tränen in die Augen.

Koreas Energiebringer

Guter Kaffee ist in Seoul eine Obsession, es gibt ihn an praktisch jeder Ecke. Das Museums-Café des National Museum of Modern and Contemporary Art MMCA serviert ganz selbstverständlich Specialty-Coffee der raren Sorte Geisha. Die Stadt hat eine bemerkenswerte Third-Wave-Kaffeeszene, »Felt Coffee« mit zwei Innenstadt-Filialen und eigener Rösterei steht exemplarisch für den hohen Qualitätsanspruch.

Wer nach einem langen Tag noch Energie hat: Auch Seouls Barszene ist exzellent. Vor allem in Gangnam wie auch in den Hanok-Siedlungen des alten Seoul.

 

Streetfood - Das Beste auf die Hand


Die Klassiker des koreanischen Streetfoods wie Tteokbokki (Reiskuchen in scharfer Chilisauce), Gimbap (koreanisches Sushi), Hotteok (gefüllte Pfannkuchen) oder Eomuk (Fishcake-Spieße) sind auf den Straßen Seouls allgegenwärtig. Doch immer wieder poppen auch neue Trends auf: Die eigentlich traditionellen und leicht zähen Twisted Donuts erleben derzeit einen Hype, ebenso die Knoblauchbuns mit Cream Cheese von Garlic Boy oder die trendigen K-Toasts von Eggdrop – ganz zu schweigen von den Korean Corn Dogs, die es in unzähligen Varianten gibt.

 

Gimbap ist die koreanische Version von Sushi.
© Toraii Republic / Korea Tourism Organization
Gimbap ist die koreanische Version von Sushi.

Schlafen


  • The Four Seasons Hotel Seoul

Luxuriöses 5‑Sterne-Haus im Herzen Seouls. Großzügige Zimmer mit Stadtblick, mehrere Spitzenrestaurants, Spa- und Fitnessbereich sowie ein koreanisches Sauna‑Jjimjilbang nur für Hotelgäste.

97 Saemunan-ro, Jongno-gu, Seoul

T: +82 2 6388 5000, fourseasons.com/seoul

  • Josun Palace

Luxuriöses 5‑Sterne-Hotel an der Teheran-ro in Gangnam, das die historische Tradition des
ehemaligen Chosun Hotels mit sehr modernem, Art-Déco-inspiriertem Design verbindet. 254 Zimmer und Suiten mit spektakulärem Stadtblick.

Teheran-ro, 231 Gangnam District, Seoul

T: +82 2 727 7200, marriott.com

  • Nostalgia Hanok Hotel

Kleines, hochwertiges Hanok-Boutiquehotel mit Zimmern im traditionellen koreanischen Stil im Bukchon-Viertel von Jongno-gu, wenige Gehminuten von Bukchon Hanok Village entfernt.

1 Bukchon-ro 8-gil, Jongno-gu, Seoul

T: +82 2 3673 3666, nostalgiaseoul.com

Essen


  • Mingles

Küchenchef Mingoo Kang interpretiert traditionelle Aromen und Fermente wie Jang in vielschichtigen Tasting-Menüs neu. Seit 2025 drei Michelin-Sterne.

19, Dosan-daero 67-gil, Gangnam-gu, Seoul

T: +82 2 515 7306, restaurant-mingles.com

  • Vinho

Küchenchef Jeon Seong-bin serviert in lockerem Weinbar-Ambiente ausgeklügelte Gerichte aus hauptsächlich koreanischen Zutaten. Sommelier Kim Jin-ho liefert eine raffiniert kuratierte Wein-
auswahl zwischen Avantgarde und Klassik.

38 Hakdong-ro 43-gil, Gangnam-gu, Seoul

T: +82 10 9677 2302, restaurantvinho.kr

  • Soigné

Zweisternekoch Jun Lee serviert moderne, saisonale Tasting-Menüs unter dem Motto »Contemporary Cuisine of Seoul«, wann immer möglich mit koreanischen Ingredienzen.

652 Gangnam-daero, Gangnam-gu, Seoul

T: +82 2 3477 9386, soignerestaurantgroup.com

  • Eatanic Garden

Urbaner Sky Garden auf der obersten Etage des »Josun Palace« in Gangnam. Chef Son Jong-won serviert ein saisonales Tasting-Menü. Moderne Interpretationen koreanischer Produkte treffen auf französisch geprägte Technik.

Teheran-ro, 231 Gangnam District, Seoul

T: +82 2 727 7610, jpg.josunhotel.com

  • The Hyeongje

Auf rohen Fisch erster Güte spezialisiert, dazu eine schöne Auswahl an Spitzenweinen. Das Menü folgt der koreanischen »hoe«-Kultur: Roher Fisch steht im Mittelpunkt, gefolgt von heißen Gerichten.

122-1 Nonhyeon-dong, Gangnam-gu, Seoul

T: +82 0507 1408 7003

  • Sanullim 1992

Stimmungsvolles Hanok-Pub in Hongdae. Hier werden der Kult-Reiswein Makgeolli und andere koreanische Spirituosen serviert. Typische Gerichte wie verschiedene Anju (Snacks), Jeon (Pfannkuchen) und Eintöpfe passen perfekt zu den Drinks.

60 Seogang-ro 9-gil, Mapo-gu, Seoul

T: +82 2 334 0118, instagram.com/sanullim1992

  • Mongjungheon

Seoul gilt als Hochburg für hochstehende chinesische Küche. Die Restaurants der Gruppe »Mongjungheon« sind auf kantonesische Küche, Hong-Kong-Style Dim-Sum und Congee (Reisbrei) spezialisiert. Diese Filiale befindet sich im Untergeschoss des 8-stöckigen Ferrum-Towers.

19 Eulji-ro 5-gil, Jung-gu, Seoul

T: +82 2 6353 8585, mongjungheon.co.kr

  • Seoul Ansim

Die besten Cuts des legendären Hanwoo-Beefs auf dem Tischgrill – und dazu alles für ein authentisches Korean-BBQ-Erlebnis. Unbedingt reservieren, damit die gewünschten Cuts vorrätig sind!

63 Cheonggyecheon-ro, Jongno-gu, Seoul

T: +82 0507 1450 1890

instagram.com/seoul_ansim_jonggak

  • Jinmi Sikdang

Unscheinbares, stets gut gefülltes Lokal in Gongdeok, das sich ausschließlich auf roh servierte, in Sojasauce eingelegte Krabben (Ganjang-gejang) spezialisiert hat.

186-6 Mapo-daero, Mapo-gu, Seoul

T: +82 2 3211 4468

Bars & Cafés


  • Gong Gan

Intime Cocktailbar in einem liebevoll renovierten Hanok samt kleinem Innenhof. Bekannt für Signature-Drinks, die koreanische Aromen mit westlichen Spirituosen verbinden.

66-4 Yulgok-ro 3-gil, Anguk-dong, Seoul

T: +82 2 723 3664

instagram.com/gong_gan_anguk

  • Felt Coffee

Puristische Specialty-Coffee-Bar, die den Fokus auf die Qualität der Bohnen und die handwerkliche Zubereitung legt. Single-Origins, die in der eigenen Rösterei verarbeitet werden, gibt es auch zum Kaufen.

77 Mugyo-dong, Jung-gu, Seoul

T: +82 2 3789 5946, feltcoffee.com

Sehenswürdigkeiten


  • MMCA

Das National Museum of Modern and Contemporary Art steht seit 2013 auf einem geschichtsträchtigen Areal, auf dem sich bereits zu Joseon-Zeiten und in der Nachkriegszeit wichtige politische Institutionen befanden.

30 Samcheong-ro, Jongno-gu, Seoul, Südkorea

T: +82 2 3701 9500, mmca.go.kr

  • Amorepacific Museum

Das Amorepacific Museum of Art (APMA) im Amorepacific-Headquarter in Yongsan geht auf die private Sammlung des Firmengründers Suh Sung-whan zurück und wurde 1979 als Pacific Museum gegründet.

100 Hangang-daero, Yongsan-gu, Seoul

T: +82 2 6040 2345, apma.amorepacific.com

  • Seoul Tower

Der Fernsehturm ist ein Wahrzeichen der Stadt. Bei guter Sicht ist die Aussichtsplattform ein lohnenswertes, eindrucksvolles Erlebnis.

105 Namsangongwon-gil, Yongsan-gu, Seoul

T: +82 2 3455 9277, nseoultower.co.kr

Erschienen in
Falstaff Magazin Schweiz Nr. 2/2026

Zum Magazin

Jetzt bestellen


Benjamin Herzog
Benjamin Herzog
Chefredaktion Schweiz
Park Sehoi
Park Sehoi
Autor
Mehr zum Thema
1 / 12