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Long Weekend Leipzig: Die Kulturmetropole im Osten

Long Weekend
Leipzig
Deutschland
Sachsen

Jahrhundertealte Kultur, liebenswerte Naturoasen und gelebte Geselligkeit: Willkommen in Leipzig, der einladendsten Stadt im Osten.

Freitag

Beim Besuch am Marktplatz wird klar, wie viel Historie in Leipzigs Zentrum steckt. Auf den Spuren großer Komponisten und Dichter, Traditionen vom Kaffee bis zur ostdeutschen Küche.

Wer Berlin mag, wird Leipzig lieben. Wer Berlin nicht mag, findet in Leipzig eine ehrliche ostdeutsche Alternative. Für viele gilt die sächsische Metropole mit ihren über 600.000 Einwohnern inzwischen als coolste Stadt des Ostens. Das liegt nicht nur an den vielfältigen kulturellen Angeboten und einer wachsenden Kulinarik- und Kneipenlandschaft. Das liegt besonders an den Leipzigern, die aufgeschlossen und hilfsbereit sind und selbst gerne neue Dinge in ihrer Stadt erkunden. Jüngere Menschen zieht es vermehrt zum Studieren her. Leipzig ist immer in Bewegung.

Die Innenstadt lässt sich fußläufig in kurzer Zeit vom Hauptbahnhof erreichen, falls man plant, mit dem Zug anzureisen. Auf dem eindrucksvollen Marktplatz beginnt unser Besuch im »Zum Coffe Baum«, Deutschlands ältestem Kaffeehaus, das gerade erst frisch saniert wurde. Seit 1711 gibt es hier allerlei Kaffeespezialitäten, in deren Genuss bereits Liza Minnelli oder Udo Jürgens kamen.

Anschließend lohnt ein Blick in die nahe gelegene Thomaskirche, eines der beiden zentralen Gotteshäuser in Leipzig. Hier schaut man staunend auf gleich mehrere bunte Fenster mit Symbolcharakter. Die beiden in Leipzig verstorbenen Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy und Johann Sebastian Bach zieren mit ihren Köpfen verschiedene Fensterfronten. Außerdem findet man in der Kirche eine Grabstätte Bachs sowie eine Ende der Neunzigerjahre erbaute Bach-Orgel.

Als wir die Kirche verlassen, ist es Mittag geworden. Nur ein paar Schritte weiter kehren wir im berühmten »Auerbachs Keller« ein, einem Gewölberestaurant mit mehr als 500-jähriger Tradition. Sicher kein Geheimtipp, dafür wird hier verlässliche bodenständige Küche nach ostdeutscher Art serviert, beispielsweise sächsischer Sauerbraten oder Leipziger Schwarzbierfleisch.

Gut gestärkt ziehen wir über die darüber gelegene Mädler-Passage weiter, in der sich kleine Boutiquen, charmante Cafés und Bars sowie erlesene Feinkostläden befinden. Die Mädler-Passage dürfte die bekannteste Passage ihrer Art in Leipzig sein. Dennoch gibt es mehrere solcher geschäftstüchtigen Innenhöfe zu entdecken, die an die Handels- und Messeaktivitäten Leipzigs der vergangenen Jahrhunderte erinnern.

Wir entscheiden uns am Nachmittag noch für einen Besuch des Alten Rathauses, in dem man mehr zur Stadtgeschichte Leipzigs erfährt. Von dort geht es am Abend zur »Salumeria Italiana«, einem italienischen Feinkostladen im Industrial-Chic, bei dem wir den Tag in toller Hinterhofatmosphäre mit Antipasti und Wein ausklingen lassen.

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Samstag

Es geht zum Flanieren durch Leipzigs Szenestraße und hippe Kulturstätten, zum Erholen in den Park und in ein kleines Gässchen, in dem der Abend kein Ende kennt.

Der Samstagmorgen startet mit einem Spaziergang über die Karl-Liebknecht-Straße, von den Leipzigern liebevoll »KarLi« genannt. Die Straße, die sich vom Stadtzentrum in den Süden erstreckt, gilt als pulsierende Szenemeile mit vielen Cafés, Bars und Restaurants sowie kulturellen Veranstaltungen. Sehen und gesehen werden – das geht an diesem Ort besonders gut im »Café -Maître«, das französisches Flair versprüht und eine reichhaltige Frühstückskarte von Croques und Quiches über Eggs Benedict bis hin zu Galettes bietet.

Wer will, kann den ganzen Tag auf der »KarLi« verleben, mit den freundlichen Leipzigern kommt man schnell ins Gespräch. Wir entscheiden uns allerdings dafür, den etwa 20 Gehminuten entfernten Clara-Zetkin-Park aufzusuchen. Leipzigs größte Grünanlage dient nicht nur der Erholung, sondern auch der Kultur. Auf der Parkbühne der Anlage treten über den Sommer zahlreiche Künstler und Bands auf – ein Blick in den Eventkalender lohnt sich hier.

Die Aufbruchstimmung ist in dieser Stadt voller junger Familien und Studenten deutlich zu spüren. Viele von ihnen wohnen im Stadtteil Connewitz – mit dem »Werk 2« gibt es hier eine Kulturstätte, in der unter anderem Flohmärkte, Trödel und Kunst zu Hause sind.

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Am Abend zieht es uns dann wieder Richtung Innenstadt. Zum Dinner besuchen wir das »Planerts«. Das junge Team bringt Casual Fine Dining kreativ und naturnah auf die Karte. Das gelingt im Hauptgang beispielsweise wunderbar über die Komposition aus Adlerfisch, Risotto, Spargel und Bärlauchbutter. Aber was hier so traditionell klingt, täuscht: Im »Planerts« ist der Bruch mit erwartbarem Programm.

Wir bleiben in der Innenstadt und schlendern durch das Barfußgässchen, in dem sich eine Bar an die nächste reiht. In dem schmalen Gässchen herrscht ein reges Treiben. Es ist eng, laut, lebendig und kein bisschen abgehoben. Zum Abschluss des Tages entscheiden wir uns für einen Besuch in der »Vodkaria« in unmittelbarer Nähe. Hier stehen sage und schreibe über 700 Wodka­sorten aus aller Welt im Regal. Dem Hinweis des Wirts, »Home Drinking is killing Gastwirt«, ist unbedingt Folge zu leisten! Na dann: Nastrovje!


Sonntag

Entspannt übers Wasser treiben lassen, vorbei an zeitgeschichtlicher Architektur und am Abend ins hochdekorierte Restaurant einer TV-Köchin – ein Ausklang mit Stil.

Nach den ersten beiden Tagen mit zahlreichen neuen Eindrücken wollen wir es am Sonntag ein wenig ruhiger angehen lassen. Zum Frühstücken treibt es uns in die »Kleine Leckerei«. In der einladenden Location mit großen Schaufenstern lässt sich in aller Gemütlichkeit in den Tag starten. Das Team serviert ein liebevoll gestaltetes Buffet mit selbst gemachten Salaten, New York Rolls, Bananenbrot und nahezu allem, was das Frühstücksherz begehrt.

Zu Mittag wollen wir Leipzig dann nochmals auf eine etwas andere Art und Weise erkunden – nämlich vom Wasser aus. Dafür düsen wir zum Stadthafen, um von dort mit dem Boot die wunderschöne Flusslandschaft der Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten zu inspizieren – beispielsweise die beeindruckende Architektur der Buntgarnwerke, einer ehemaligen Garnfabrik aus dem späten 19. Jahrhundert. Die entspannte Flusstour durch den Karl-Heine-Kanal in Plagwitz führt uns in eines der jüngsten und aufstrebendsten Viertel der Stadt.

Viel zu entdecken gibt es auch im ­Leipziger Zoo, der besonderen Wert auf die Zucht vom Aussterben bedrohter Tiere legt und mit dem Gondwanaland eine ­riesige Tropenerlebniswelt geschaffen hat. ­Zwischen mehr als 17.000 Pflanzen und 3000 Tieren kann man sich schnell mal ­verlaufen. Ein Besuch lohnt sich.

Das letzte Dinner genießen wir im »­Frieda« und fahren dafür noch mal in ­Leipzigs Norden. 2024 wurde das Restaurant von TV-Köchin Lisa Angermann und Andreas Reinke mit einem Stern des »Guide Michelin« prämiert. Das wechselnde Menü gibt es auch als vegetarische Variante, die Weinkarte ist sorgfältig zusammengestellt und umfangreich – das gilt sogar für die offenen Weine. Wer ins »Frieda« kommt, sollte Zeit mitbringen – ein Ort für langsamen Genuss und der perfekte Ausklang eines lebhaften Wochenendes.

Zwischen Tradition und Moderne: Leipzig ist die spannendste Stadt Ostdeutschlands.
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Zwischen Tradition und Moderne: Leipzig ist die spannendste Stadt Ostdeutschlands.

Tipps & Adressen

Hotels

Victor’s Residenz (1)

In unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof gelegen, fällt das Hotel mit seiner historischen Jugendstilfassade äußerlich direkt ins Auge. Im Inneren fühlt man sich in den geschmackvoll eingerichteten Zimmern wohl. Beliebt ist das reichhaltige Frühstücks-Buffet, das vom spritzigen Aperitif bis zu cremigen Desserts nahezu keinen Wunsch offenlässt.
Georgiring 13, 04103 Leipzig
T: +49 341 6866-0
victors.de

Steigenberger Icon Grandhotel Handelshof (2)

Leipziger Ableger der beliebten Lifestyle-Kette: sehr zentral am Marktplatz gelegenes Fünf-Sterne-Hotel mit 161 eleganten Zimmern und 16 luxuriösen Suiten. Für alle, die ein wenig entspannen wollen, gibt es einen großzügigen Wellnessbereich mit Sauna, Massagen und Fitness. Kulinarisch verwöhnt wird man im hauseigenen Restaurant »Brasserie Le Grand«.
Salzgässchen 6, 04109 Leipzig
T: +49 341 350581-0
hrewards.com

City Leipzig (3)

Wer Wohnen und Kultur vereinen möchte, findet hier den perfekten Platz. Im Vier-Sterne-Hotel, das verkehrsgünstig zwischen beliebten Sehenswürdigkeiten gelegen ist, hat sich die Künstlerin Anna Tessenow kreativ ausgelebt. Rund 200 Arbeiten hat sie auf Leinwand gebracht und dafür Größen des Showbiz wie Keanu Reeves oder Sean Connery inmitten bunter Farben gemalt. Hier treffen sich Alt und Jung am ausgewogenen Frühstücksbuffet oder um über Kunst zu philosophieren.
Eutritzscher Straße 15, 04105 Leipzig
T: +49 341 303840
arthotelcityleipzig.com

Hotel Michaelis (4)

Das Hotel bietet nicht nur komfortable Übernachtungsmöglichkeiten und ein ausgezeichnetes Gourmetrestaurant mit hochwertiger saisonaler und regionaler Küche. Das Team engagiert sich auch an zahlreichen spannenden Orten in Leipzig und bietet für Tagungen, Hochzeiten oder Feste Zugang dazu – beispielsweise zu der Alten Essig-Manufactur, dem Herrenhaus Möckern oder der Fliedertreiberei.
Paul-Gruner-Straße 44, 04107 Leipzig
T: +49 341 2678-0
michaelis-leipzig.de

Essen & Trinken

Auerbachs Keller (1)

Hier speisten bereits Goethe und Luther: »Auerbachs Keller« ist die zweitälteste Gaststätte Leipzigs. Im altehrwürdigen Gewölberestaurant kümmert sich das Personal mit ostdeutscher Hausmannskost um das leibliche Wohl der Gäste.
Grimmaische Straße 2–4, 04109 Leipzig
T: +49 341 216100
auerbachs-keller-leipzig.de

Salumeria Italiana (2)

Tolle Hinterhofatmosphäre bietet die »Salumeria Italiana«, die ein Mix aus einer kleinen Markthalle und Gastronomie ist. Hier kann man authentische italienische Produkte kaufen oder direkt vor Ort leckere Pizza oder Antipasti genießen.
Prellerstraße 54 a, 04155 Leipzig
T: +49 341 5644833
salumi.de

Café MaÎtre (3)

Von Bœuf Stroganoff bis Croque, von Tartes bis Zwiebelsuppe: Das »Café Maître« ist für seine ausgezeichnete französische Küche bekannt. Bei warmem Wetter sitzt man herrlich vor dem Lokal und kann die Menschen in der belebten Karl-Liebknecht-Straße beobachten.
Karl-Liebknecht-Straße 62, 04275 Leipzig
T: +49 341 30328924
cafe-maitre.de

Planerts (4)

Der doppelte Marco hinterm Herd: Die Küchenchefs Marco Ehrt und Marko Schulz-Werner bringen mit ihrem naturnahen Ansatz puren Geschmack auf die Teller, Gastgeber Sebastian Wirth empfiehlt im Service die passende Getränkebegleitung.
Ritterstraße 23, 04109 Leipzig
T: +49 341 99999975
planerts.com

Frieda (5)

Zuweilen kann sich das Menü »Frieda En Vogue« auch mal tagesaktuell ändern, Verlass auf die Kompositionen aus Fleisch, Fisch und Gemüse ist im Restaurant von »The Taste«-Gewinnerin Lisa Angermann aber das gesamte Jahr. Mit »Frieda Naturell« kann man auch eine vegetarische Menüalternative wählen
Menckestraße 48–50, 04155 Leipzig
T: +49 341 56108648
frieda-restaurant.de

Bars & Cafés

Zum Coffe Baum (1)

Das »älteste Kaffeehaus Europas« in traditionellen Räumlichkeiten bietet alles, was das Herz eines Wieners höherschlagen lässt. Mit eigener Rösterei und angeschlossenem Kaffeemuseum. Im Erdgeschoss traf sich Komponist Robert Schumann mit seinen Freunden.
Markt 9, 04109 Leipzig
T: +49 341 70290700
coffebaum.de

Kleine Leckerei (2)

Die »Kleine Leckerei« ist ein idealer Ort, um in entspannter Atmosphäre zu brunchen. Allerlei selbst gemachte Salate, cremiges Rührei, Nussecken, Banana Bread oder New York Rolls: Auf der liebevoll angerichteten Buffet-Tafel dürfte jeder etwas nach seinem Geschmack finden.
Schnorrstraße 38, 04229 Leipzig
T: +49 341 24887540
kleineleckerei.de

Vodkaria (3)

Wer mal einen Wodka mit Pfirsich-Pfeffer oder Knoblauch kosten möchte, sollte in der »Vodkaria« einkehren. Dabei ist der Laden weit mehr als eine Bar mit erlesener Wodka-Auswahl: Hier bekommt man auch entsprechende osteuropäische Speisen von Bigos bis Pelmeni.
Gottschedstraße 15, 04109 Leipzig
T: +49 341 4428868
vodkaria.de

© Stefanie Hilgarth / carolineseidler.com

 

Erschienen in
Falstaff Magazin Schweiz Nr. 5/2025

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Robin Schmidt
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