Long Weekend in Palermo: Tipps und Adressen für Foodies
Reiche Geschichte, verschiedenste kulturelle Einflüsse und das immer noch leicht verrufene Image machen Siziliens Hauptstadt Palermo zu einem faszinierenden Reiseziel – auch in kulinarischer Hinsicht. Die Straßenküche ist legendär.
Palermo ist nicht die Stadt gesetzter Nobeletablissements, sondern der Straßenküche. Wer die Hauptstadt Siziliens besucht, lässt sich über verwinkelte Märkte und durch schmale Gassen treiben, immer am Puls des Alltags. Hier isst man rustikal, authentisch und intensiv, viel Fisch, frittierte Leckereien und süße Verführungen.
Die berühmteste Kreuzung Palermos ist Quattro Canti mit seinen vier Barockpalästen. Jede Fassade symbolisiert eine Jahreszeit, einen spanischen König und eine Schutzpatronin eines historischen Viertels. Von hier aus lässt sich die Altstadt erkunden. Die Fontana Pretoria mit ihren nackten Marmorfiguren galt im 16. Jahrhundert als «Brunnen der Schande». Heute spiegelt sie als harmloses Fotomotiv den alten Glanz Palermos wider.
Gleich nebenan, hinter dem Rathaus an der Piazza Bellini, befindet sich die Konditorei des Klosters Santa Caterina. Die Nonnen des Dominikanerordens sind zwar 2014 ausgezogen, doch ihre süßen Rezepte erhalten das kulturelle Erbe. Klar ist, dass es in Palermo nicht ohne Cannoli geht, die frittierten Teigrollen mit Ricotta-Füllung. Wer herzhaft in den Tag starten möchte, greift zu Arancini, frittierten Reisbällchen, gefüllt mit Ragù (alla Carna) oder Schinken (alla Burro). Gut zu wissen: In Palermo heisst es Arancina, nicht Arancino wie im übrigen Sizilien! Eine einschlägige Adresse hierfür ist «Ke Palle». Probieren sollte man auch Panelle, frittierte Kichererbsen im Brot, und die deftigen Crocchè, die Kroketten.
Mittags geht es über den Mercato Ballarò, der in seiner lauten Wuseligkeit an einen arabischen Souk erinnert. Händler rufen durcheinander auf Sizilianisch in der eigentümlichen Mundart der Insel und preisen Köstlichkeiten an. Eine palermitanische Spezialität ist Pani câ Meusa, gekochte und in Schmalz angebratene Kalbsmilz im Brötchen. Der Streetfood-Klassiker geht auf jüdische Metzger zurück.
Angenehm kurz sind die Wege im Zentrum Palermos, dieser in ihrer Geschichte so oft eroberten Stadt. Eindrückliches Zeugnis der multikulturellen Historie ist der Normannenpalast mit seiner Kapelle, ein byzantinisches Mosaikwunder mit geschnitzter Holzdecke im arabischen Stil und christlicher Ikonografie.
Für das Abendessen empfiehlt sich das Michelin-Stern-prämierte Restaurant «Mec» in einem Palazzo aus dem 16. Jahrhundert schräg gegenüber der imposanten Kathedrale. Küchenchef Carmelo Trentacosti führt überzeugend vor, dass die sizilianische Küche keineswegs aufdringlich sein muss. Nicht nur seine Caponata ist ein Gedicht.
Was für ein ungewöhnlicher Start in den Tag: Die Kapuzinergruft mit einer der größten Mumiensammlungen der Welt ist nichts für schwache Nerven. In den Katakomben ruhen Adelige, Mönche, wohlhabende Bürger und auch Kinder wie das zweijährige Mädchen Rosalia Lombardo. Der morbide, theatralische Umgang mit dem Tod scheint tief in der Seele Palermos verankert zu sein.
Mittags darf es «la pasta» sein. Palermo ist bekannt für Anelletti al Forno, Ringelnudeln mit Ràgu. Oder man wählt Pasta con le sarde mit Sardinen, Weinbeeren und Safran, etwa im gemütlichen Lokal «La Galleria». Sarde a beccafico wiederum sind gefüllte Sardinen, die man zum Beispiel auf dem Mercato del Capo bekommt. Der Weg dorthin führt uns bei «Dolce Capo» vorbei, wo himmlisches Gelato ins Brioche kommt. Pistacheglace in Palermo, das ist Genusserfahrung in Vollendung. Wer es fruchtig liebt, erfrischt sich mit Granita, am besten ganz klassisch al limone.
Unbedingt sehenswert ist das Teatro Massimo, das größte Opernhaus Italiens. Draußen auf den Treppen wurde die Schlussszene von «Der Pate III» gedreht. Einer Verklärung der Mafia wirkt das nahe Museum im Justizpalast entgegen, das der Richter Paolo Borsellino und Giovanni Falcone gedenkt, die nach ihrer Ermordung zu Symbolfiguren im Kampf gegen das organisierte Verbrechen auf Sizilien wurden.
Palermo ist Dolce Vita und Grandezza, aber auch in die Jahre gekommener Prunk, Leben von der Substanz – und natürlich die Mafia. In Palermo regierte lange die Cosa Nostra. Ob sie das immer noch tut, nur diskreter als damals? Nun, es kommt darauf an, wen man fragt. Die Tage der Mafiakriege, als alle paar Tage ein Toter in den Straßen lag, sind jedenfalls vorbei. Vieles läuft im Verborgenen. Vor einigen Jahren regte sich Widerstand gegen den Pizzo, das Schutzgeld. Gastronomen und andere Gewerbetreibende verweigerten die Zahlung, daraus wurde eine Bewegung: Addiopizzo. Wer das Logo im Schaufenster hat, zeigt damit: Ich sage Nein, ich zahle nicht. Besucher können sich daran orientieren, es gibt spezielle Stadtpläne.
Zurück über die Flaniermeile Via Maqueda ins Herz der Stadt. Und dann, wenn der Tag sich dem Ende neigt, noch zum Vucciria-Markt, der von seinem ruhmreichen Namen lebt. Tatsächlich tobt hier wildes Nachtleben auf der Straße. Gute Bars befinden sich dann jenseits des Corso Vittorio Emanuele im alternativen Viertel Kalsa. Studentisches Flair, kompetente Drinks. Oder man läuft von Vucciria in Richtung Wasser – für ein Dinner im «L’ottava nota», wo der Schwerpunkt auf Fisch liegt.
Morgens vielleicht an den Strand? Gar nicht so einfach. Palermo ist keine klassische Hafenstadt wie Genua oder Neapel, die sich zum Wasser hin öffnen. Über Jahrhunderte stand sie aus Angst vor Piratenangriffen mit dem Rücken zum Meer. Das merkt man der Stadt noch heute an. Selten weht eine Brise von der See durch die Gassen. Am Foro Italico, einer kleinen Grünanlage, können wir dann aber aufs Meer schauen, während uns ein Morgenspaziergang zum Botanischen Garten der Universität führt. Ein gediegener Ort, um zur Ruhe zu kommen und die Eindrücke zu sortieren.
Danach muss ein Snack auf die Hand reichen, zum Beispiel Sfincione. Das dicke, weiche Brot mit einer Sauce aus Tomaten und Zwiebeln ist weder Pizza noch Focaccia, sondern ein sizilianisches Unikat, das für weiteres Sightseeing stärkt. Die Auswahl an Kirchen und Palazzi ist riesig. Nicht weit entfernt vom Wasser liegt etwa der Palazzo Chiaramonte mit prächtigen Säulengängen, hölzernen Kassettendecken und wechselvoller Geschichte – hier sass einst die Spanische Inquisition auf Sizilien.
Doch auch das Umland von Palermo hat noch einiges zu bieten. Kulturbewusste Reisende fahren hinauf ins Städtchen Monreale für einen Pflichtbesuch der gewaltigen Kathedrale, die mit dem arabisch-normannischen Palermo und der Kathedrale von Cefalù zum UNESCO-Welterbe zählt. Das eindrucksvolle Gotteshaus belegt einmal mehr, dass Sizilien ein einzigartiger Schmelztiegel der Kulturen ist.
Wir entscheiden uns dafür, die Sehnsucht nach dem Meer zu stillen. Also in den Vor-Ort Mondello, ins mondäne Belle-Époque-Seebad der wohlhabenden Palermitaner, die hier Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Villen errichteten. Kaum verwunderlich angesichts des malerischen Sandstrands und des kristallklaren Wassers. Am Wochenende ist es voll, erst recht im Sommer. Da empfiehlt es sich, vorab in einem privaten Strandbad, einem Lido mit Liegen und Sonnenschirm, zu reservieren.
Den würdigen Abschluss bildet ein Abend im Gourmetrestaurant «Palazzo Branciforte», das im gleichnamigen Stadtpalast und Kulturzentrum aus dem 16. Jahrhundert untergebracht ist, umfassend restauriert von der bekannten Architektin Gae Aulenti. Auch ein Museum und eine Bibliothek befinden sich im Haus. Foodies interessieren sich für die kulinarische Kunst, die Küchenchef Gaetano Belleci auf die Teller bringt. Die Leidenschaft für hochwertige Zutaten beginnt beim Sauerteigbrot. Zu allem Überfluss verfügt das Restaurant über eine eigene Pâtisserie. Fantastico!
Tipps und Adressen
HOTELS
Grand Hotel et Des Palmes: Fünf-Sterne-Hotelinstitution in einem historischen Gebäude, das von einer englischen Familie als Privatresidenz errichtet wurde. Mehrfach umgestaltet, zu den berühmten Gästen zählte Richard Wagner.
Via Roma, 398, 90139 Palermo
T: +39 091 8048800
grandhotel-et-des-palmes.com
Grand Hotel Piazza Borsa: Zentral gelegenes Vier-Sterne-Haus mit Innenhof und Kreuzgang sowie Spa- und Wellness-Zentrum.
Via dei Cartari, 18, 90133 Palermo
T: +39 091 320075
piazzaborsa.it
Grand Hotel Wagner: Elegantes Hotel im Herzen Palermos, das wunderbar den luxuriösen Glanz vergangener Zeiten transportiert.
Via Riccardo Wagner, 2, 90139 Palermo
T: +39 091 336572
grandhotelwagner.it
Villa Igea: Das Fünf-Sterne-Hotel in einem neogotischen Palazzo liegt nördlich des Stadtkerns direkt am Golf von Palermo.
Via Belmonte, 43, 90142 Palermo
T: +39 091 6312111
roccofortehotels.com
RESTAURANTS
A’Cuncuma: Küchenchef Gianfilippo Gatto interpretiert die Klassiker der sizilianischen Küche auf zeitgemässe, überraschende Weise. Die Weinkarte setzt ausschliesslich auf Erzeugnisse der Insel.
Via Judica, 21, 90134 Palermo
T: +39 392 4893054
acuncumarestaurant.com/it
Charleston: Puristische Küche, die mit wenigen Zutaten auskommt. Im Parterre des Gourmetrestaurants befinden sich ein Café und ein Bistro. Toller Ausblick von der Sommerterrasse.
Piazzetta Salvatore Fausto Flaccovio, 26, 90141 Palermo
T: +39 091 6613413
casacharleston.net
Enosteria Sicula: Mischung aus Enoteca und Osteria – authentisches Ambiente, innovative Speisen, gute Weinauswahl
Via Torrearsa, 3, 90139 Palermo
T: +39 339 4531471
enosteriasicula.it
La Galleria: Etwas versteckt in einer Gasse hinter der Kathedrale von Palermo wird in der urchigen Trattoria -frische Pasta mit Einflüssen der arabischen Küche aufgetischt.
Salita Ramirez, 2, 90134 Palermo
T: +39 091 2515037
L’Ottava Nota: Schickes, reduziertes Restaurant, dessen Menu einen geradlinigen Einblick in die moderne sizilianische Küche bietet.
Via Butera, 55, 90133 Palermo
T: +39 091 9768817
ristoranteottavanota.it
MEC: In dem Ein-Stern-Restaurant speist man unter freskenverzierten Decken wie ein wohlhabender sizilianischer Kaufmann vergangener Tage. Eine der besten Adressen der Stadt.
Via Vittorio Emanuele, 452, 90134 Palermo
T: +39 347 7532005
mecpalermo.it
Moltivolti: Das Café-Restaurant hat sich durch die Anstellung Geflüchteter, die von Libyen über das Meer kamen, einen Namen gemacht. Die Küche ist ein Mix aus Afrikanisch, Arabisch und Sizilianisch.
Via Giuseppe Mario Puglia, 21, 90134 Palermo
T: +39 091 2710285
moltivolti.org
Ristorante Palazzo Branciforte: Gourmetrestaurant im altehrwürdigen Ambiente eines Palazzo aus dem 16. Jahrhundert. Hier diniert man, wo einst eine Adelsfamilie residierte.
Via Bara All’Olivella, 2/Piano Terra, 90133 Palermo
T: +39 366 8096244
ristorantepalazzobranciforte.it
SNACKS & DRINKS
Dolce Capo: Unscheinbare Gelateria, in der man die vielleicht besten Glacen der Stadt bekommt – am besten im ohnehin süßen Brioche.
Via dei Candelai, 95/97, 90134 Palermo
T: +39 091 9768817
Ke Palle: Das Geschäft ist bekannt für seine hervorragenden Arancini, die es in Dutzenden Varianten gibt. Streetfood-Feinkost.
Via Maqueda, 270, 90133 Palermo
T: +39 091 6112009
kepalle.it
La Dolceria di Santa Caterina: Die Tortenbäckerei des Klosters Santa Caterina ist eine ideale Anlaufstelle, um die süßen Köstlich-keiten Palermos zu probieren.
Piazza Bellini, 90133 Palermo
T: +39 327 5882302
monasterosantacaterina.com/dolceria
OJDÅ: Das Lokal im Ausgehviertel Kalsa ist Kantine, Bar und Boutique unter einem Dach – gute Anlaufstelle für ein unkompliziertes Mittagessen oder einen Apéro.
Piazza Aragona, 1, 90133 Palermo
T: +39 329 6766070
Terzo Tempo Cocktail Lab: Die entspannte Bar nicht weit entfernt vom Teatro Massimo empfiehlt sich für einen ordentlich abgestimmten Drink.
Via Orologio, 1, 90133 Palermo
T: +39 347 8329381