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Fatimiden, Mamluken, Osmanen: In Kairo – der »Stadt der tausend Minarette« – hat sich die Geschichte verschiedener Dynastien eingeschrieben.

Fatimiden, Mamluken, Osmanen: In Kairo – der »Stadt der tausend Minarette« – hat sich die Geschichte verschiedener Dynastien eingeschrieben.
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Kulinarisches Kairo: Der Puls am Nil

Long Weekend
Ägypten
Reise

Kairo lebt von seinen Widersprüchen: Antike Monumente treffen auf urbane Dynamik, geschäftige Basare auf moderne Museen. Zwischen kulturellen Schätzen und lebendigen Straßen offenbart sich ein facettenreiches Bild – und eine Küche, die ebenso vielschichtig wie die Stadt selbst ist.

Freitag

Kairo verführt mit Kontrasten: Zwischen antiker Größe und urbanem Trubel führen Ramses II., Streetfood und Nilblicke tief hinein in das Herz der Metropole.

Kairo, die lebendige nordafrikanische Metropole mit über 25  Millionen Einwohnern, kann mit ihrer schieren Größe und ihrer Geräuschkulisse schnell überfordern. Wer sich vom Trubel mitreißen lässt und die richtigen Ruheoasen kennt, verliebt sich auf den zweiten Blick – in eine Stadt voller Geschichte, Gegensätze und Schönheit, die beidseits des Nils entdeckt werden will. Zu Fuß, per Taxi und U-Bahn.

Zum Auftakt unseres Besuchs begrüßt uns Ramses II., dessen elf Meter hohe Statue die Empfangshalle des Großen Ägyptischen Museums schmückt. Mit November 2025 sind alle Exponate des imposanten Neubaus zugänglich, inklusive der Tutanchamun-Sammlung. Früh am Freitagmorgen – dem Beginn des ägyptischen Wochenendes – lassen sich die Kulturschätze besonders entspannt erkunden.

Weil wir zwischen dem Schmuck der Pharaonen und römischen Statuen hungrig geworden sind, kehren wir im Erdgeschoss bei »Zööba« ein – der jungen, erfolgreichen Kette für ägyptisches Streetfood im modernen Stil. Wir probieren Taameya, knusprige Falafel aus Favabohnen statt Kichererbsen, und Koshari, das kohlenhydratreiche Nationalgericht aus Nudeln, Reis und Linsen mit Tomatensauce und Röstzwiebeln. Den Durst stillt ein Glas Karkadeh, süßer Hibiskus-Aufguss.

Gestärkt geht es mit dem Taxi weiter zu einem der berühmtesten Bauwerke der Welt: den Pyramiden von Gizeh, die wir schon von der Aussichtsplattform des Museums erspäht haben. Wer mag, reitet ein Stück auf einem Kamel an ihnen entlang. Allein die Große Pyramide von Cheops besteht aus über zwei Millionen Steinblöcken. Ein Bauwerk, das seit über 4500 Jahren über das Niltal wacht. Angekommen im »Khufu’s« – laut »La Liste« eines der 1000 besten Restaurants der Welt – ruht unser Blick beim Fine Dining noch eine Weile auf dieser Baukunst. Als Hauptgang unseres Degustationsmenüs wählen wir Molokhia, eine Suppe aus den spinatähnlichen Blättern der Malvenpflanze mit schleimiger Textur – wahlweise mit oder ohne Hasen-Roulade.

Anschließend fahren wir nach Zamalek, die grüne Nilinsel im Herzen Kairos. Sie lockt mit vielen kleinen Läden, Cafés und Restaurants. Über die Mohammed-Abdel-Wahab-Straße gelangen wir ins »Pier 88«, direkt auf dem Wasser, wo Wolfsbarsch in Salzkruste den Abschluss unseres kulinarischen Tages bildet.

Inzwischen ist es spät geworden, also ziehen wir weiter in den nahen »Cairo Jazz Club«. Dort wird mit einer Flasche Stella-Bier in der Hand zu Livebands und DJ-Sets getanzt – das junge Nachtleben Kairos eben.

Die Pyramiden von Gizeh sind das einzige der »Sieben Weltwunder der Antike«, das bis heute vollständig erhalten ist.
© Shutterstock
Die Pyramiden von Gizeh sind das einzige der »Sieben Weltwunder der Antike«, das bis heute vollständig erhalten ist.

Samstag

Tag zwei beginnt mit einem entspannten Brunch in Downtown, führt über Flohmärkte und Galerien bis zu Moscheen, Minaretten und Mezze.

Nach einer kurzen Nacht starten wir mit Omelett, Kaffee und Waffeln im »Eish + Malh« (»Brot und Salz«). Das charmante Café mit roten Stühlen und italienischem Flair ist perfekt zum Brunchen. Es ist bei Familien wie Hipstern gleichermaßen beliebt und liegt mitten in Downtown, unserem heutigen Ausgangspunkt. Wer länger sitzen bleibt, sollte die Pasta probieren.

Anschließend schlendern wir zum Cinema Diana, um das sich samstags ein quirliger Flohmarkt ausbreitet. Von Möbeln bis Krimskrams lässt sich so mancher Schatz finden. Weiter geht es zu Fuß zum Talaat-Harb-Platz, umgeben von Gebäuden des späten 19. Jahrhunderts, die nicht zufällig an Paris erinnern: Khedive Ismail ließ sie damals nach französischem Vorbild errichten. In einem dieser Häuser besuchen wir den Access Art Space mit seinen wechselnden Kunstausstellungen. Im Verkaufsbereich der Galerie fällt unser Blick auf farbenfrohe Gemälde zeitgenössischer Malerinnen und Maler wie Miriam Hathout, die für ihre Eselsdarstellungen bekannt ist.

Danach geht es zu Fuß am historischen »Café Riche« vorbei, wo einst Intellektuelle und Revolutionäre den Aufstand gegen die Briten planten, bis zum Tahrir-Platz – dem Symbol des Arabischen Frühlings. In der angrenzenden Mohamed-Mahmoud-Straße erinnern Graffiti an den Ruf für Freiheit und Gerechtigkeit – in einem Land, das heute wieder autoritär regiert wird. Weil wir eine kurze Verschnaufpause brauchen, trinken wir eine frische Zitronenlimonade im ruhigen Innenhof des »Oldish« und ­steigen danach in ein Taxi zum Bab Zuweila. 

Von dem prachtvollen Stadttor aus dem 11. Jahrhundert aus beginnen wir unsere Tour durch das mittelalterliche Kairo. Wir bewegen uns auf die lange al-Muizz-Straße zu, die den berühmten Basar Chan el-Chalili streift und bestaunen die umliegenden Monumente und prall gefüllten Ladenfronten. Am Ende der Straße besuchen wir die al-Hakim-Moschee, einen Ort der Stille im dichten Gewusel. Vom benachbarten Tor, dem Bab al-Futuh, bestellen wir ein Taxi zum al-Azhar-Park. Dort entspannen wir zwischen Palmen und grünen Wiesen und lauschen zum Sonnenuntergang dem dichten Klangteppich aus Gebetsrufen der umliegenden Minarette.

Zum Abendessen fahren wir ins prunkvoll eingerichtete Restaurant »Taboula« in Garden City, wo Klassiker der libanesischen und levantinischen Küche auf uns warten. Es empfiehlt sich, viele kleine Vorspeisen zu bestellen – etwa köstliche Aleppo-Oliven und feurige Batata Harra, gewürzte Kartoffelstücke. Fleischliebhaber kommen mit Köfte und Shawarma auf ihre Kosten. Ein Blick auf die Desserts (Kunafa!) und die Weinkarte lohnt sich außerdem.

Errichtet im 10. Jahrhundert, strahlen die Mauern der al-Hakim-Moschee Ruhe und Beständigkeit aus.
© Shutterstock
Errichtet im 10. Jahrhundert, strahlen die Mauern der al-Hakim-Moschee Ruhe und Beständigkeit aus.

Sonntag

Am letzten Tag zeigt sich Kairo von seiner stilleren Seite – zwischen alten Mauern, zeitgenössischer Kultur und einem sanften Abschied auf dem Nil.

Inzwischen an Kairos Trubel gewöhnt, nehmen wir die U-Bahn bis zur Station Mar Girgis (»Heiliger Georg«) und erkunden die christlichen Spuren der Stadt. Unser erster Halt: die Hängende Kirche, eine der ältesten koptisch-orthodoxen Kirchen Ägyptens, errichtet auf römischen Fundamenten. Rund zehn Prozent der Ägypter sind Christen – überwiegend Kopten, aber auch Katholiken und Protestanten. Wer tiefer eintauchen will, besucht das nahe Koptische Museum.

Daneben erinnert die Ben-Ezra-Synagoge zudem an die einst lebendige jüdische Gemeinde Kairos, die heute aufgrund der politischen Spannungen in der Region nur noch aus einer Handvoll Personen besteht.

Auf dem Rückweg zur Metro machen wir kurz Halt im nahen Darb 1718, einem Kulturzentrum inmitten einer typischen Altstadtnachbarschaft. Neben Ausstellungen und Konzerten gibt es hier eine kleine Töpferwerkstatt, in der man handgemachte Keramik erstehen kann. Danach fahren wir mit der Metro weiter in den Süden, bis zur Station al-Maadi. Das grüne, ruhige Viertel mit seinen vielen Bäumen und Villen lädt zum Schlendern ein. Entlang der belebten Road 9 reihen sich kleine Boutiquen, Buchläden und Cafés aneinander. Wir biegen jedoch ab und laufen bis zur »Ratios Bakery« mit ihrem schattigen Innenhof und der prall gefüllten Theke mit Cheesecakes und Sauerteig-Sandwiches.

Gegen 16 Uhr machen wir uns auf den Weg zurück nach Downtown, um das kulinarische Highlight des Tages zu erleben. Von der Metrostation Saad Zaghloul geht es zu Fuß ins Viertel Bab el-Louk, wo im Souterrain ein echtes Juwel schlummert: »Fasahet Somaya«. Die herzliche Köchin und Besitzerin Somaya al-Asyoty serviert dort täglich außer samstags zwischen 17 und 19 Uhr zwei frisch gekochte Gerichte der ägyptischen Hausmannskost. Das kleine Lokal erinnert mit seiner türkis-weißen Einrichtung an eine griechische Taverne. Bis vor einigen Jahren noch ein Geheimtipp, hat sich die Qualität des Essens mittlerweile herumgesprochen. Früh da sein lohnt sich!

Zum Ausklang fahren wir mit dem Taxi ans Ufer des Nils, nahe dem »Four Seasons Hotel« in Garden City. Dort steigen wir auf eine der traditionellen Falukas – kleine Segelboote, die uns während der einstündigen Fahrt auf dem Wasser sanft hin und her wiegen, während die Lichter der Stadt an uns vorüberziehen. Getränke und Snacks, die wir vorher am Kiosk besorgt haben, sind erlaubt. Damit könnten wir unseren Kairo-Besuch getrost und glücklich abschließen. Wer jedoch noch Energie hat, fährt zurück in den »Greek Club« nach Downtown und genießt auf der Dachterrasse ein letztes, kühles Getränk – mit etwas Glück unter freiem Sternenhimmel.

Ihre Architektur macht die Hängende Kirche zu einem einzigartigen Zeugnis des Christentums in Ägypten.
© Shutterstock
Ihre Architektur macht die Hängende Kirche zu einem einzigartigen Zeugnis des Christentums in Ägypten.

Adressen

Hotels

Four Seasons Hotel Cairo at Nile Plaza (1)

Direkt am Nil gelegen, verbindet das Haus urbanen Luxus mit spektakulärem Panoramablick. Elegante Zimmer, ein preisgekröntes Spa und erstklassige Küche bieten höchsten Komfort – nur wenige Minuten von Kairos historischen Wahrzeichen entfernt.
1089 Corniche El Nil, 11519 Garden City, Kairo, T: +20 2 27917000
fourseasons.com/caironp

Marriott Mena House (2)

In unmittelbarer Nähe der Pyramiden vereint das Hotel historische Lage und zeitgemäßen Luxus. Großzügige Zimmer samt Marmorbädern, gepflegte Gartenanlagen, Spa und Pool schaffen ein stilvolles Refugium – nicht nur für Staatsgäste und Promis.
6 Pyramids Road, 12556 Giza, Kairo, T: +20 2 33773222
marriott.com

The Nile Ritz-Carlton (3)

Zwischen Nil und Tahrir-Platz inszeniert das traditionsreiche Haus eine stilvolle Liaison aus Historie und Moderne. Italienische Küche mit Aussicht im »Vivo«, orientalische Abende im »Bab El-Sharq« oder Signature-Cocktails in der »Bar’Oro« prägen das Erlebnis – mitten im pulsierenden Kairo.
1113 Nile Corniche, 11221 Ismailia, El Nil, Kairo, T: +20 2 25778899
ritzcarlton.com

Waldorf Astoria Cairo Heliopolis (4)

Das »Waldorf Astoria Cairo Heliopolis« beeindruckt mit einer Lobby unter einem hohen Glasatrium, leuchtenden Farben und üppigem Grün. Die Zimmer bieten Hartholzböden und Panoramafenster. Vier Restaurants servieren mediterrane Küche, Craft-Cocktails und Afternoon Tea.
Orouba Street, 11736 Heliopolis, Kairo, T: +20 2 2696 000
www.hilton.com

The St. Regis Cairo (5)

Das »St. Regis Cairo« prägt mit 36 Stockwerken die Skyline am Nil. Entworfen von Michael Graves, bietet es 360 luxuriös ausgestattete, familienfreundliche Zimmer und Suiten, sieben Restaurants und Bars sowie exklusiven Butlerservice.
1189 Nile Corniche, Downtown Kairo, T: +20 2 25979000
marriott.com

Restaurants

Khufu’s Gizeh (1)

Im »Khufu’s« trifft zeitgenössische ägyptische Küche von Mostafa Seif auf spektakuläre Aussicht: Direkt bei den Pyramiden gelegen, wurde es 2025 mehrfach international ausgezeichnet (u. a. Platz 4 der »Middle East & North Africa’s 50 Best Restaurants 2025«).
X4HF+8P, Nazlet El-Semman, Al Haram, 12512 Giza Governorate, T: +20 108 0058888
khufus.com

Pier 88 Cairo (2)

Direkt am Nil gelegen, verbindet das »Pier 88« italienische Küche mit mondänem Flair: raffinierte Meeresfrüchte, elegante Cocktails und eine Aussicht, die ebenso eindrucksvoll ist wie das Publikum.
19 Saray El Gezira Street, 11511 Zamalek,
T: +20 10 80888876
pier88group.com/nile-river

Lucida (3)

Im »Lucida« trifft moderne levantinische Küche auf nachhaltiges Design: Mitten im Arkan Plaza bietet das architektonisch visionäre Restaurant ein stilvolles, sensorisches Erlebnis voller Raffinesse.
Arkan Plaza, First Al Sheikh Zayed, 3242304 Giza Governorate, T: +20 12 01130000
lucidaeg.com

Fasahet Somaya (4)

Deftige ägyptische Gerichte – von gefüllten Zucchini und Auberginen bis hin zu feiner Leber, serviert in familiärer Atmosphäre, fast wie in Mutters Küche.
59 Al-Falaki Street, Downtown, T: +20 10 01741767
Instagram @fasahetsomaya

Taboula (5)

Elegantes libanesisches Restaurant mit ägyptischem Twist. Für alle, die es frisch und grün auf dem Teller lieben.
1 Latin America Street, Garden City, T: +20 2 27925261
Instagram @taboulaegypt

Zööba (6)

Gegründet 2012 in Kairo inmitten der Revolution, tischt »Zööba« traditionelles Streetfood frisch auf. Die neueste Filiale ist im Großen Ägyptischen Museum.
Grand Egyptian Museum, Cairo-Alexandria Desert Road
zoobaeats.com

Cafés 

Ratios Bakery (1)

Gegründet von Samer Samir und Jacqueline Adams, hat sich die Bäckerei im Stadtteil Maadi auf die Herstellung von Sauerteigbrot spezialisiert. Natürliche Zutaten, traditionelle Techniken und Präzision prägen jedes Produkt. Beliebter Treffpunkt!
Ratios Underground: 13B street 232, 11728 Maadi Degla, T: +20 11 11162062
ratiosbakery.com

Oldish (2)

Ein Café und Restaurant mit einer charmanten Mischung aus nostalgischem Design und urbanem Flair, in dem ägyptische und internationale Küche vereint wird.
20 Mohammed Mahmoud Street, Downtown, T: +20 10 60119488
Instagram @oldisheg

Café Riche (3)

Hier lebt die Belle Époque bis heute weiter: Gegründet zu Beginn des 20. Jahrhunderts, erzählt das Café vom Glanz und den Aufbruch vergangener Zeiten. Das Essen ist hier Nebensache, Nostalgie-Liebhaber sollten aber unbedingt einen Kaffee trinken.
17 Talaat Harb Street, Downtown, T: +20 10 06042990
Instagram @caferiche

El-Fishawy Café (4)

Kult-Café aus dem Jahr 1797 auf dem großen Bazar von Kairo. Perfekt, um nach dem Shoppen und Staunen einen Tee zu schlürfen – wenn man sich von den vielen Straßenverkäufern nicht stören lässt.
Haret Khan Al-Khalili, El Gamaleya, T: +20 10 99555417

Bars & Clubs   

Greek Club (1)

Mediterrane Brise trifft auf ägyptische Wüstenhauptstadt: Die Dachterrasse ist genau der richtige Ort zum Abkühlen mitten in der Stadt. Mit Souvlaki, Moussaka und – manchmal, wenn vorrätig – auch Arak, der arabischen Variante von Ouzo.
21 Mahmoud Basiony St., Downtown, T: +20 10 22114341

Cairo Jazz Club (2)

Eine der wichtigsten Institutionen im Kairoer Nacht-leben mit Bier, Cocktails und Livemusik. Für alle, die gerne tanzen gehen. Vorher reservieren ist sinnvoll.
197 A, 26th July Corridor, Agouza, T: +20 106 8804764
cairojazzclub.com

© Stefanie Hilgarth/carolineseidler.com

Erschienen in
Falstaff Magazin Schweiz Nr. 9/2025

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Anna-Theresa Bachmann
Autorin
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