Zum Inhalt springen
© Lausanne Tourisme / Régis Colombo / diapo.ch

Alpine Perle: Long Weekend Lausanne

Schweiz
Long Weekend

Lausanne, die Hauptstadt des Kantons Waadt, verbindet mediterranes Lebensgefühl mit alpiner Kulisse. In der »kleinsten Großstadt der Schweiz« findet man erstklassige Hotels, Gastronomie sowie unmittelbar angrenzend eines der schönsten Weingebiete des Alpenraums.

Freitag

Wer Lausanne auf einer Karte ansieht, denkt sich, dass man in dem kleinen Ort locker alles zu Fuß bewältigen kann. Kann man, ist aber anstrengend – denn Lausanne ist am Ufer des Genfersees erbaut, des größten Sees der Alpen und mit rund 310 Metern Tiefe auch eines der tiefsten. Vom Stadtteil Ouchy bis zur Kathedrale hoch über der Altstadt sind es keine zwei Kilometer Luftlinie, der Höhenunterschied beträgt jedoch mehr als 120 Meter.

In Lausanne ist Seeblick vielerorts garantiert. Ouchy, das mediterrane Quartier direkt am Ufer des Sees, ist unsere Heimat für die nächsten Tage. Wir checken ein ins Hotel »Beau-Rivage Palace«, eines der besten und geschichtsträchtigsten Häuser der Stadt – und weit darüber hinaus. Das majestätische Haus wurde 1861 eröffnet und befindet sich eingebettet in eine rund vier Hektar große Parkanlage direkt am Wasser.

Hier findet auch unser erstes kulinarisches Highlight statt: Seit 2015 betreibt die französische Drei-Sterne-Köchin Anne-Sophie Pic aus Valence im Lausanner »Beau-Rivage Palace« eine Dépendance. Das »Pic au Beau-Rivage Palace« unter der Leitung des Küchenchefs Jordan Theurillat ist mit zwei Sternen ausgezeichnet. Das Menü setzt voll auf die Produkte der Region und nicht auf die aus dem nahen Frankreich – echt einzigartig! Erst seit Kurzem bietet das Restaurant auch ein Lunch-Menü an einem langen Tisch im Garten an, wo mitunter Zutaten für die Gerichte gedeihen. In weniger als zwei Stunden kommt man so in den Genuss eines echten Gourmet-Erlebnisses. Neben dem Essen am Mittag besonders erfreulich: Das Sommelier-Team ist nicht nur beim Wein, sondern auch bei den hausgemachten, alkoholfreien Alternativen absolute Weltklasse.

Apropos Weltklasse – Lausanne ist seit 1994 offiziell die olympische Hauptstadt. Das Internationale Olympische Komitee hat hier seit 1915 seinen Hauptsitz und betreibt mit dem Olympischen Museum auch das meistbesuchte Museum der Stadt. Ein interaktives audiovisuelles Erlebnis, das wir mit einem Verdauungsspaziergang in wenigen Minuten erreichen – es befindet sich nur wenige Häuser vom Hotel entfernt.

Am Abend haben wir im »DéCi Comptoir Gourmand« reserviert, welches sich im lebendigen, urbanen Kern der Stadt gleich unterhalb des Bahnhofs befindet. Nathalie Cruchon und Benjamin Deschamps betreiben hier ein modernes Bistro und setzen auf die Erzeugnisse der Region. Cruchon gehört zur Winzerfamilie Henri Cruchon, und entsprechend findet man auf der kleinen, perfekt kuratierten Weinkarte vor allem Highlights aus der Region. Perfekt, um in den lokalen Wein einzutauchen.

© Getty Images

Samstag

Nach einem ausgedehnten Frühstück im Hotel lassen wir die Stadt für einen halben Tag hinter uns. Im Quartier Ouchy befindet sich nämlich auch der Schiffshafen von Lausanne. Wir nehmen den regulären Kurs Richtung Saint-Gingolph und haben Glück: Wir besteigen einen der traditionellen Schaufelraddampfer aus der Belle Époque, die teilweise bis heute regulär auf dem See verkehren – schon das ist ein Highlight. Nach rund 40 Minuten legen wir in Cully im Herzen des Weingebiets Lavaux an und gehen von Bord.

Von der Schiffsanlegestelle, die sich am Rand einer großen Bucht befindet, genießt man einen der besten Ausblicke auf die Rebterrassen. Wenige Schritte von der Anlegestelle entfernt befindet sich mit der »Vinothèque de la Maison Rose« der offizielle Verkaufsraum der ikonischen Domaine Louis Bovard – auch deren Keller ist nur einen Steinwurf entfernt. Uns zieht es weiter ins rund 20 Gehminuten entfernte Riex, wo wir im »Café de Riex« einkehren, einer der besten Adressen für regionale, saisonale Terroirküche. Küchenchef Peter Hasler arbeitet mit regionalen, langjährigen Zulieferern zusammen und baut unweit des Restaurants sogar eigene Kräuter und Gemüse an. Logisch, dass hier auch der Keller einiges hergibt – unbedingt fragen sollte man nach gereiften Chasselas-Weinen, die regionale weiße Paradesorte läuft nach einigen Jahren zu ungeahnter Hochform auf.

Zurück in Lausanne erkunden wir das trendige Quartier du Flon, das wir von Ouchy mit der Métro in wenigen Minuten erreichen. Einst eine vernachlässigte Industriebrache, hat sich das Viertel zu einem lebendigen Zentrum für moderne Kunst, trendige Boutiquen, angesagte Restaurants, Bars und Clubs entwickelt. Außerdem erreicht man von hier auch andere Stadtteile spielend leicht. Wir gehen Richtung Kathedrale, von der man einen der besten Ausblicke über die Stadt genießt. Auf dem Weg statten wir dem Eisladen »La Bise Artisan Glacier« einen Besuch ab. Hier gibt es unserer Ansicht nach das beste Eis der Stadt – und wir haben Glück, am Nachmittag ist die Schlange vor dem Lokal nicht ganz so lang.

Ein Gourmet in Lausanne kommt um das »Restaurant de l’Hôtel de Ville de Crissier« nicht herum. Seit den 1970er-Jahren gehört es zur absoluten Spitze der Gourmetküche im Land und hält seit 1975 praktisch ununterbrochen drei Michelin-Sterne. Der heutige Küchenchef Franck Giovannini kocht in großen Fußstapfen: Mit Frédy Girardet, Philippe Rochat und Benoît Violier hatte er legendäre Vorgänger. Die Küche von Giovannini ist im Kern zwar traditionell französisch, aber genauso kreativ, getrieben von der Saison, dem Terroir und den besten Produkten. Kultstatus haben auch die oft nur kurze Zeit im Jahr angebotenen Spezialmenüs des Küchenchefs, etwa zu Themen wie Wild oder Meeresfrüchte.

© Shutterstock

Sonntag

Lausanne gilt zwar als die »kleinste Großstadt der Schweiz«, am Sonntag aber geht es auch hier ruhiger zu – viele Geschäfte und Restaurants bleiben geschlossen. Ein perfekter Tag also, um das große kulturelle Angebot in der Stadt in Anspruch zu nehmen. Seit 2022 verfügt Lausanne über ein ganz besonderes Highlight: Das Kunstquartier Plateforme 10 gleich neben dem Hauptbahnhof beherbergt drei Museen. Das Musée cantonal des Beaux-Arts (MCBA) ist eine Institution im Waadtland und deckt den ganzen Bereich von traditioneller und moderner Kunst bis hin zu zeitgenössischem Schaffen ab. Das »mudac« ist das Museum für zeitgenössisches Design und angewandte Kunst, und das Photo Elysée ist das lokale Museum für Fotografie. Das Areal besticht nicht nur mit Kunst und moderner Architektur, sondern auch mit einer offenen Esplanade, Events und zwei Restaurants.  Wir entscheiden uns für einen ausgedehnten Besuch und profitieren von einem Ticket für alle drei Museen. Gegen Mittag legen wir eine Pause ein im »Le Nabi« gleich auf dem Areal. Das kreative, junge Team zelebriert ethische und ästhetische regionale Slow-Food-Küche, am Sonntag in Form von Brunchgerichten, die aber auch gut als Mittagessen taugen. Von der Innenstadt hinunter zum See zu laufen, ist keine große Anstrengung, schließlich geht es fast immer leicht bergab. Das Quartier Ouchy ist für die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt ein wichtiges Naherholungsgebiet direkt am See. Bei schönem Wetter herrscht am Wochenende oft entsprechender Betrieb mit Pedaloboot-Vermietung und mehreren schmucken Apérolokalen direkt am See. Davon lassen auch wir uns gerne verleiten.

Zum Abendessen haben wir im »L’Accademia« reserviert, welches sich im »Hôtel Angleterre« direkt neben dem »Beau-Rivage Palace« befindet – denn außerhalb der Hotels am Sonntag ein Lokal zu finden, ist gar nicht so einfach und auch nicht unbedingt nötig. Wir setzen uns auf die Terrasse mit herrlichem Blick auf den See und die französischen und Schweizer Alpen, die am anderen Ufer direkt aus dem Wasser zu ragen scheinen. Der neapolitanische Küchenchef des »L’Accademia« versteht sein Handwerk und serviert eine authentische, überaus schmackhafte italienische Küche. Unwiderstehlich sind etwa der Polpo alla Luciana, die Pasta Mista mit Meeresfrüchten oder das direkt am Tisch zubereitete, herrlich luftige Tiramisu. Ein perfekter Abschluss eines langen Wochenendes in diesem alpin-mediterranen Kleinod.

Foto beigestellt
Anne-Sophie Pic bringt mit Küchenchef Jordan Theurillat ihre sensible, florale Küche nach Lausanne. Die Menüs wechseln regelmässig, mittags reduziert, abends ausformuliert....
Chemin de Beau-Rivage 21
1006 Lausanne
Schweiz
90
Inspiriert von der Vielfalt lokaler Märkte und mit einer Prise Weltoffenheit serviert das charmante Lokal tagsüber kreative Bánh Baos und saisonale Gerichte. Abends wird's...
Avenue d'Ouchy 8
1006 Lausanne
Schweiz
Hoch über Lausanne serviert Franck Pelux französisches Fine Dining mit Ecken und Kanten zwischen Bergen und See. Intensiv im Geschmack, klar in der Technik – etwa pochierte...
Rue du Grand Chêne 7–9
1003 Lausanne
Schweiz
L'Accademia am Genfersee serviert traditionelle italienische Küche mit durchdachtem Twist. Zum Lunch wechselt das Tagesgericht, abends finden sich hausgemachte Gnocchi und...
Place du Port 11
1006 Lausanne
Schweiz
Das Angebot dieses eleganten japanischen Restaurants basiert auf hochwertigen Fisch- und Seafood-Spezialitäten. Die Sushi-Master bereiten daraus köstliche Kreationen auf...
Allée Ernest-Ansermet 1
1003 Lausanne
Schweiz
Benjamin Herzog
Benjamin Herzog
Chefredaktion Schweiz
Mehr zum Thema
1 / 12