Nachruf auf »Tantris«-Gründer Fritz Eichbauer: Der Wegbereiter des guten Geschmacks
Fritz Eichbauer ist im Alter von 97 Jahren gestorben. Wenn er keinen Hunger gehabt hätte, wäre die deutsche Geschichte der Haute Cuisine eine andere.
Ein Branchenfremder wagt – weil er Hunger hatte – ein irres Investment und schreibt damit die ersten Sätze in der Geschichte deutscher, vor allem aber Münchner Haute Cuisine: »Von dem Geld, das ich ins »Tantris« gesteckt habe, hätte ich ein Schloss kaufen können. Aber wo hätte ich dann gegessen?« Er aß gerne in seinem Restaurant. Sein Lieblingsessen waren Spanferkel und Rochen.
Fritz Eichbauer, Bauunternehmer, »Tantris«-Gründer und somit auch Gastronomielegende ist am Donnerstag, den 19. Juni, im Alter von 97 Jahren gestorben. Auf der Instagram-Seite des Restaurants, das auch heute noch, 53 Jahre nach Gründung, nicht weniger als ein Genusstempel ist, schreiben die Betreiber: »Gestern ist nicht nur ein Ehemann, Vater und Großvater von dieser Welt gegangenen, sondern auch ein großer Visionär.« Ohne ihn wäre die Deutsche Kulinarik nicht da, wo sie heute ist. Der Ort, den Fritz Eichbauer mit seiner Frau Sigrid-Ursula erdacht, gebaut und mit großem Pioniergeist Anfang der 70er Jahre als Meilenstein der kulinarischen Geschichte in Deutschland erschaffen habe, sei einzigartig. »Ein Ort, der Erinnerungen trägt, der unvergessliche Momente möglich macht, der unzählige Menschen auf ihrem Weg in der Gastronomie geprägt hat.«
Eichbauer und seine Frau Sigrid-Ursula lernten die Gastronomie auf zahlreichen Ausflügen ins Elsass und ins Burgund kennen. »Studienreisen« nannten sie das. Andere läsen Krimis, sie beide lieber die Weinkarte, sagte er mal. Nachdem beim Verkauf eines Wohnkomplexes im Münchner Norden ein Gebäude übrig bleibt, liegt der Entschluss also nah: Da muss ein Restaurant hin! Und dafür braucht es einen Koch. Er hört sich um und schnell taucht ein Name auf: Eckart Witzigmann. Bloß schwingt der zu dem Zeitpunkt noch den Kochlöffel in Washington D.C. Und von dort will er eigentlich auch nicht weg. Denn die Kennedys wollen, dass er auf ihrem Familiensitz kocht. Aber Eichbauer hatte seine Entscheidung schon getroffen, Witzigmann soll’s sein. Schnell sollte es auch gehen, denn eigentlich war er auf dem Weg in den Mexiko-Urlaub. Nach zwei Tagen hatte er den Mann soweit, der 20 Jahre später als Jahrhundertkoch gelten würde. Unter seiner Führung wurde das »Tantris« als erstes deutsches Restaurant mit drei Michelin Sternen ausgezeichnet.
Visionär mit Geschmack
Aber nicht nur in der Gastronomie war Eichbauer ein prägender Name. Auch in seinem Handwerk, dem Baugewerbe war er, das kann man ohne Übertreibung so sagen: herausragend. Von 1978 bis 2000 war er Präsident des Spitzenverbandes der deutschen Bauwirtschaft, er erhielt für sein Engagement im Baugewerbe 1984 den Bayerischen Verdienstorden, 1987 das Bundesverdienstkreuz, 1988 den Ehrenring des Deutschen Baugewerbes. 1993 erhielt er das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
Als Fritz Eichbauer 1971 das »Tantris« gründete, da wird die Idee nicht allen Münchnern geschmeckt haben. Ein Gourmetrestaurant, das den Bayern beibringen soll, was gutes Essen ist. Dazu noch mit einem Österreicher am Herd! Aber, die Zeit hat es gezeigt: Fritz Eichbauer hatte recht. Die deutsche Gastronomie verliert mit ihm einen der größten Visionäre und Wegbereiter des guten Geschmacks.