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Bier-Rebellion in München: »Giesinger Bräu« fordert Platz auf der Wiesn

Oktoberfest
Bier
München

Seit Jahrzehnten ist die Sache klar: Auf der Wiesn schenken sechs Münchner Traditionsbrauereien aus. Nun will eine siebte Teil des größten Volksfests der Welt werden. Nur ist das gar nicht so einfach.

München liebt seine Rituale. Das erste »O’zapft is!«, das kollektive Anstoßen in traditioneller Tracht und die eiserne Regel: Auf dem Oktoberfest gibt es ausschließlich Münchner Bier, ausgeschenkt von genau sechs Häusern: »Augustiner«, »Hacker-Pschorr«, »Hofbräuhaus«, »Löwenbräu«, »Paulaner« und »Spaten«.

Nun strebt mit »Giesinger Bräu« eine siebte Münchner Brauerei die Zulassung an. Die formalen Kriterien dafür erfüllt sie bereits. »Giesinger Bräu« darf sein Produkt nämlich seit einigen Jahren offiziell als »Münchner Bier« bezeichnen. Voraussetzung dafür ist unter anderem ein eigener Tiefbrunnen im Stadtgebiet.

Brauereigründer Steffen Marx argumentiert entsprechend offensiv. Wenn auf der Wiesn ausschließlich Münchner Bier ausgeschenkt werde, müsse die Frage erlaubt sein, warum eine Münchner Brauerei dort außen vor bleibe. Seine Idee: Die Bürger:innen sollen per Bürgerbegehren selbst entscheiden, ob 2027 auch der Ausschank von »Giesinger Bräu« auf dem Oktoberfest erlaubt ist. Zwischen 30.000 und 40.000 Unterschriften sind nötig.

Zwischen Tradition und Revolution

Ein Blick in die Betriebsvorschriften des Oktoberfests zeigt, warum der Weg über die direkte Demokratie gewählt wird. In Paragraf 51 ist festgeschrieben, dass das Oktoberfest ein »traditionelles Münchner Volksfest mit Münchner Gastlichkeit und Münchner Bier« ist – ausgeschenkt von den »leistungsfähigen und bewährten Münchner Traditionsbrauereien«. Das seien derzeit jene sechs, die seit Ewigkeiten die Zelte bestücken.

Für »Giesinger Bräu« ginge es nicht um Konfrontation, sondern um Fairness. Und um die Frage, wie sich Tradition weiterentwickeln darf. Besonders spannend wird das Ganze im Vorfeld der Kommunalwahl. Der frühere Wiesn-Chef und CSU-OB-Kandidat Clemens Baumgärtner galt lange als Gegner einer Erweiterung – aus Sorge, die Wiesn könne »ihr Gesicht verlieren«. Inzwischen schlägt er versöhnlichere Töne an und unterschreibt selbst das Bürgerbegehren. Ob es tatsächlich zu einem Bürgerentscheid kommt, hängt zunächst vom Erfolg des Begehrens ab. Es ist also noch ein langer Weg, sich das siebte Haus nennen zu dürfen.


Redaktion
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