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Rügenwalder Mühle rechnet mit Millionen-Verlust – und der Politik scheint es Wurst

Vegan
Supermarkt
Wurst
Burger
Europäische Union

Kürzlich stimmte das EU-Parlament für das Verbot von Bezeichnungen wie »Veggie Schnitzel«. Daraufhin glaubten Konsumenten und Hersteller veganer Produkte, ihr Schwein pfeift. Falls man das so sagen darf?

Ein normaler Morgen: Der Wecker klingelt um halb acht, ein kurzer Gähner und dann raus aus den Federn. Der Weg führt leicht schleppend zur Kaffeemaschine, anschließend zum Kühlschrank. Der frisch gebrühte Wachmacher will mit einem Schuss Milch getoppt werden. Doch diese schaut beim Hineinkippen verdächtig dickflüssig aus. Mist! Schon wieder zur Sonnenmilch statt zur Kuhmilch gegriffen. Hoffentlich ist die Ironie an dieser Stelle so heftig aus dem Text getrieft, wie der Saft aus einer reifen Fleischtomate – die übrigens auch kein Fleisch enthält.

Genau solche parodistischen Szenen kursieren, seit das EU-Parlament am 8. Oktober 2025 für ein Verbot von Bezeichnungen wie »Wurst«, »Burger« oder »Schnitzel« auf pflanzlichen Produkten gestimmt hat, in den sozialen Medien. Die Gründe hinter der Entscheidung? Es ginge um Verbraucherschutz und eine reelle Verwechslungsgefahr. Schließlich möchte man verhindern, dass Verbraucher Produkte wie »Soja Steak« für Rindfleisch halten. Eine Gefahr, die jedoch viele alles andere als realistisch betrachten. Schließlich sind die Produkte laut Gesetz ausnahmslos mit den Hinweisen »vegan« oder »vegetarisch« gekennzeichnet. Kein Wunder, dass Kommentarspalten explodierten und eine Welle der Kritik à la »in Leberkäse ist ja auch kein Käse« folgte.

Politik mit Beigeschmack

Heftiges Kopfschütteln wurde allerdings nicht nur bei den Verbraucher:innen ausgelöst, sondern auch bei den Herstellern veganer Produkte. Einer davon ist das Unternehmen »Rügenwalder Mühle«, deutscher Marktführer aus Bad Zwischenahn in Niedersachsen. Der Lebensmittelproduzent findet das Ergebnis der Abstimmung – um im Fachjargon zu bleiben – wie viele anderen zwar Käse, aber »wenig überraschend«.

Wer weiß schon, wie ein »Pflanzlicher Proteinfladen nach paniertem Vorbild« zubereitet wird?

»Schnitzel oder Burger beschreiben eine Zubereitungsart und nicht das Ausgangsprodukt.«, so das Unternehmen. Klingt logisch! Hat man vor, einen »Veggie Burger« zuzubereiten, so greift man im Supermarkt zu einem »Veganen Burger Patty«. Doch dieser logisch scheinende Schritt könnte bald der Vergangenheit angehören – sofern sich der Beschluss durchsetzt. Denn bevor das Verbot gilt, muss es noch das sogenannte Trilog-Verfahren durchlaufen. Dabei verhandeln EU-Kommission, -Parlament und -Ministerrat über den endgültigen Beschluss. Noch besteht also Hoffnung! Doch falls das Verbot in Kraft treten würde, müssten Hersteller sich regelrecht Fantasienamen einfallen lassen. Und unter uns gesagt: Wer weiß schon, wie ein »Pflanzlicher Proteinfladen nach paniertem Vorbild« zubereitet wird?

Statt Verwirrung unter Konsument:innen zu minimieren, könnte das Verbot realistisch gesehen mehr davon stiften. Das bestätigt auch Rügenwalder Mühle: »Fantasienamen statt vertrauter Begriffe erschweren Kaufentscheidungen und schrecken gerade Einsteiger ab. Das würde nicht nur Unternehmen und Handel, sondern der gesamten Kategorie und damit der Resilienz unseres Ernährungssystems schaden.«

Bürokratie als Beilage

Und noch ein Problem sorgt für verzweifelndes Stirnrunzeln. Sollte es nämlich zu einem definitiven Verbot kommen, »würde uns das Benennungsverbot nach ersten Schätzungen einen mittleren einstelligen Millionenbetrag kosten. Das hängt etwa davon ab, ob wir die bisher genutzten Verpackungen vernichten müssten. Der Verlust von Neukunden könnte uns Umsatz im zweistelligen Millionenbereich kosten«, klagt »Rügenwalder Mühle«. Der Lebensmittelhersteller müsse nämlich bis zu 70 Prozent ihrer Produkte neu benennen und umstellen.

Nennen wir’s beim Namen

Die Entscheidung ist nicht nur realitätsfern, sondern komplett überflüssig. Unnötige Ausgaben, konfuse Begrifflichkeiten und mehr Verwirrung, sind nur wenige der vielen Beispiele, die in der Zukunft auf uns zukommen könnten. Doch das größte Leiden tragen nicht etwa die Hersteller und auch nicht die Konsument:innen – sondern, wie viele Organisationen betonen, die Tiere.

Denn statt über Massentierhaltung, Lebensmittelverschwendung oder Biodiversität ergebnisorientiert zu diskutieren, bestimmt die europäische Politik lieber darüber, wie wir unsere vegane Frühstückswurst bezeichnen sollen, die auf unserem Teller liegt.


Célin Röser
Célin Röser
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