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So kreativ umgehen die Freiburger die neue Verpackungssteuer

Umweltschutz
Gastronomie
Deutschland

Seit Januar verlangt die Stadt Freiburg für Einwegverpackungen eine Steuer. Doch Bürger:innen und die Gastronomie reagieren mit einem Potpourri aus Kreativität, Tupper-Tricks und gekürzten Gabeln.

Wer in Freiburg Essen to go bestellt, muss seit Anfang 2026 einen Aufpreis zahlen: 50 Cent für Becher, Pommesschalen oder Pizzakartons, 20 Cent für Besteck oder Trinkhalme. Die neue Verpackungssteuer soll den Müllbergen entgegenwirken – aus Sicht der Umwelt eine gute Sache! Immerhin werden allein in Freiburg rund 20.000 Coffee-to-go-Becher täglich weggeworfen. Tübingen und Konstanz zeigen längst, dass solche Kommunalabgaben funktionieren. Allerdings reagieren die Gastronom:innen und Bürger:innen in Freiburg auf die Umstellung kreativer als erwartet.

Skurrile Schlupflöcher

Einige haben früh Wege gefunden, die Steuer zu umgehen oder zu reduzieren. Ein Paradebeispiel liefert der Törtchenverkäufer Matthäus Wenzlik: Seine Holzgabeln für vegane Süßspeisen haben zuletzt ein kleines Upgrade bekommen – kurzerhand ein paar Zentimeter abgesäbelt, und schon liegt das Besteck unter der Grenze von zehn Zentimetern und fällt daher nicht mehr unter die Steuer.

Auch Tim Cordell, Cafébetreiber im Freiburger Osten, setzt auf kreative Anpassungen: Manche warme Speisen hat er ganz aus dem Sortiment genommen, weil die bürokratischen Hürden die Arbeit schlicht unrentabel machten. Wer selbst Mehrweggeschirr mitbringt, profitiere davon. Dann werden seine Ciabatta-Baguettes in Tupperdosen gequetscht, damit diese steuerfrei bleiben. »Was Sie natürlich immer machen können: Sie bestellen sich etwas für hier, beißen ein paar Mal ab und sagen dann: So, jetzt bin ich satt – kann ich den Rest zum Mitnehmen haben? Dann ist das Essen immer noch warm, kostet aber keine Steuer«, verrät Cordell gegenüber dem SWR. Doch nicht nur die Gastronom:innen finden Schlupflöcher: Auch die Bürger:innen versuchen die Steuer schlau zu umgehen. Manche Freiburger:innen bestellen ihr Essen sogar auf den gegenüberliegenden Parkplatz, weil Lieferungen nicht der Abgabe unterliegen.

»Eine Frechheit«

Die Steuer ist ein Drahtseilakt zwischen Umweltgedanken und Wirtschaftlichkeit. Robin Pfefferle vom mexikanischen Lokal »YepaYepa« berichtet, dass rund zehn Prozent seiner To-go-Kundschaft weggeblieben seien, seit er komplett auf Einweg verzichtet. Frédéric Zindler vom Lokal »Lollo« kritisiert gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass die Stadt die Steuer eingeführt habe, bevor ein funktionierendes Mehrweg-Angebot überhaupt existierte. »Eine Frechheit«, sagt er, »die Steuer zu verlangen, ohne den Betrieben echte Alternativen zu bieten.« Die Stadt hält jedoch stur an der Regelung fest. Eine umfassende Evaluation ist für 2028 geplant. Bis dahin bleibt Freiburg ein kleines Laboratorium für Einfallsreichtum.


Redaktion
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