Schweizer App «GoNina»: Mit KI gegen Food Waste
Fast drei Millionen Tonnen essbare Lebensmittel landen in der Schweiz jedes Jahr im Abfall – rund ein Kilogramm pro Person und Tag. Das Zürcher Start-up «GoNina» will das ändern: mit einer KI-gestützten Lösung, die früher ansetzt als die Konkurrenz – und langfristiger wirkt.
«Too Good To Go» rettet Reste, «GoNina» will sie verhindern. Mithilfe einer KI, die aufgrund vorhandener Daten in beispielsweise Kassensystemen Prognosen zum Lebensmittelverbrauch der Konsument:innen aufstellt, möchte das Zürcher Start-up den Food Waste in der Schweiz reduzieren. Es unterstützt Restaurants und Bäckereien dabei, ihre Lebensmittelproduktion smart zu planen – tagesaktuell und standortspezifisch. Hierzulande landen nämlich jährlich rund drei Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll.
«Die Daten sind längst vorhanden»
«Wir haben mit über 300 Betrieben gesprochen», erklärt Co-Founder und CEO Matthieu Ochsner. «Das Problem liegt oft in der unzureichenden Planung: hohe Personalfluktuation, Erfahrungswerte statt Daten – obwohl die Daten längst vorhanden sind.» Als Konsequenz wird dann zu viel oder zu wenig produziert. Das eine führt zu Food Waste, das andere zu unbefriedigten Konsument:innen.
Die KI von «GoNina» dockt direkt an Kassensysteme an und analysiert historische Verkaufsdaten auf Minutenbasis. Dabei berücksichtigt sie auch Wetterprognosen, lokale Feiertage, Events und Saisonalitäten – und reichert das Modell mit Echtzeitdaten der «GoNina»-App an. So entsteht eine präzise, lernfähige Vorhersage, wie viel produziert werden sollte. Das Resultat: weniger Überproduktion, bessere Margen – und weniger Verschwendung.
Für Betriebe und Konsument:innen
«GoNina» kombiniert die Planungs-KI mit einer eigenen Plattform zur Resteverwertung. Die «Wundertüten» sind bewusst als Einzelportionen konzipiert – ideal für eine Person. Wer mehr möchte, kann einfach mehrere Tüten reservieren. Dank besserer Konditionen für die Betriebe können sie ausserdem günstiger angeboten werden als bei der Konkurrenz. Nutzer:innen können Push-Benachrichtigungen aktivieren und so ihre Lieblingsbetriebe im Auge behalten. Wer regelmässig rettet, steigt als «Food Save Ninja» bis zum schwarzen Gürtel auf – und wird dann früher benachrichtigt, wenn der Lieblingsbetrieb frische Wundertüten anbietet. Auch Präferenzen wie glutenfrei, koscher und halal können ausgewählt werden.
«Unsere Prognosen für Betriebe sind im ersten Monat kostenlos», sagt Ochsner. «Wer überzeugt ist, kann dann ein Abo lösen». Erste Pilotprojekte, etwa mit einem Sushi-Betrieb, zeigten nicht nur eine signifikante Reduktion der Überproduktion, sondern auch eine verbesserte Ressourcennutzung. Besonders kleinere Betriebe profitieren, da sie mit wenig Aufwand Zugang zu datengetriebener Planung erhalten.
Aktuell ist «GoNina» in über 100 Betrieben in sieben Kantonen aktiv, mit Fokus auf Zürich, Bern und Basel. Zu den Partner:innen zählen etwa «Bakery Bakery», «Tiny Fish»,« John Baker» und die Kantinen des Zürcher Frauenvereins. Mit dem Migros-Pionierfonds im Rücken will das Start-up weiter wachsen – in der Schweiz und darüber hinaus. Auch Kooperationen mit nachhaltigen Verpackungslösungen wie «Recircle» sind Teil der Vision: ein möglichst geschlossenes System mit echten Umweltvorteilen.