Überraschend klassisch: Das ist das Brot des Jahres
Es ist dunkel, hat Charakter und trägt seit Neuestem den Titel »Brot des Jahres 2026«: das Roggenbrot. Ein Klassiker, der ganz ohne trendgesteuerte Spielereien auskommt.
Das Deutsche Brotinstitut hat entschieden: Das Roggenbrot wurde zum »Brot des Jahres 2026« gekürt. Somit steht ein Klassiker im Rampenlicht, obwohl er nicht besonders hip ist. Stattdessen würdigt die Wahl Tradition, Vielfalt und ernährungsphysiologischen Mehrwert. Vorgestellt wurde der Sieger auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin durch Bundesernährungsminister Alois Rainer und Roland Ermer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks. Doch die eigentliche Bühne ist eine andere: unser Alltag.
Roggenbrot muss laut amtlicher Leitsätze mindestens 90 Prozent Roggenmehl enthalten, um sich so nennen zu dürfen. Form, Rezeptur und Backverfahren sind dagegen flexibel, was eine breite Palette an Brotsorten ermöglicht. Das hat die schöne Auswirkung, dass jede Region, jede Bäckerei ihre eigene Note einbringt, wodurch Roggenbrot nie eindimensional wirkt.
Nicht zu unterschätzen
Besonders Vollkorn-Roggenbrot liefert komplexe Kohlenhydrate, pflanzliches Eiweiß und Ballaststoffe, die die Verdauung fördern, länger satt machen und den Blutzucker- sowie Cholesterinspiegel positiv beeinflussen können. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen mindestens 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag – ein Wert, der mit Roggenbrot gut erreicht werden kann. Für Menschen mit Zöliakie oder Glutenunverträglichkeit ist Roggenbrot allerdings nicht geeignet.
Roggen gilt als robustes Getreide, das auch auf weniger fruchtbaren Böden wächst und relativ trockenresistent ist. In Deutschland angebaut, trägt es zu kurzen Transportwegen und einer vergleichsweise geringen CO₂-Bilanz bei. Öko-Test weist jedoch darauf hin, dass abgepackte Roggenbrote aus Supermärkten gelegentlich Rückstände von Pestiziden oder Mineralölen enthalten können. Stattdessen bieten Bio-Produkte tendenziell mehr Sicherheit, sie waren die Testsieger des Öko-Test. Leider werden in solchen Tests nur Brote aus den Supermarkt berücksichtigt. Frische Laibe aus der Bäckerei vor Ort wurden bisher kaum untersucht.
Mission: Wertschätzung
Das Deutsche Brotinstitut, getragen vom Bäckerhandwerk, setzt sich seit Jahren für Qualität und gutes Image ein. Mit der Auszeichnung »Brot des Jahres« soll die Wertschätzung für Brot und das dahinterstehende Handwerk wieder sichtbarer gemacht werden. Insgesamt gibt es in Deutschland mehr als 3.000 verschiedene Brotspezialitäten – das ist weltweit einmalig. Im Vorjahr ging übrigens das Nussbrot als Sieger hervor.