Wein-Telegramm: Die aktuellsten News aus der Weinwelt
Immer bestens informiert aus der Welt des Weins: Ulrich Sauter, Wein-Chefredakteur Deutschland, fasst in diesem Artikel regelmäßig die wichtigsten Nachrichten, Trends und Entwicklungen aus der internationalen Weinwelt kompakt und pointiert zusammen.
5. Juni 2026: Weinkellerfund in Georgien
In der Nähe von Tiflis wurden in einem Kellergewölbe etwa 20.000 alte Flaschen Wein entdeckt. Die Flaschen lagerten auf dem Gelände einer Brandyfabrik, die der georgische Unternehmer Dawit Saradschischwili (1848-1911) im 19. Jahrhundert errichtet hatte. Ob alle Flaschen wirklich so alt sind, soll nun von Experten geklärt werden.
5. Juni 2026: Flaschen Yquem 1892 und 1896 gefunden
Auch aus der Tschechischen Republik wird ein Weinkellerfund gemeldet. Hier lagen 130 Flaschen Wein und Cognac unter der Kapelle des Schlosskomplexes von Bečov nad Teplou im Westen des Landes. Offenbar hatte die Adelsfamilie Beaufort-Spontin, der das Schloss früher gehörte, die Raritäten neben dem Reliquiar des Heiligen Maurus unter der Schlosskapelle versteckt. Bereits 1985 waren Reliquiar und Flaschen entdeckt worden, worauf das Reliquiar renoviert wurde. Die Weinflaschen gerieten jedoch wieder in Vergessenheit und wurden erst jetzt geborgen. Die Echtheit der d’Yquem-Flaschen wurde inzwischen auf dem Château überprüft und bestätigt, auch wurden die Flaschen rekonditioniert, die Weine sollen Aromen von Zeder, Trockenfrüchten und Safran besitzen.
5. Juni 2026: Bordeaux’ Cité du Vin feiert 10-jähriges Bestehen
Am 1. Juni 2016 öffnete das multimediale Weinmuseum am Ufer der Garonne seine Pforten. Seither haben 3,6 Millionen Besucher den an eine riesige Karaffe erinnernden Bau besucht. Die Planer des Museums waren davon ausgegangen, dass der Betrieb bei jährlich 350.000 Besuchern wirtschaftlich ist, de facto benötigt die Cité aber auch Spenden in Höhe von nahezu zehn Prozent des jährlichen Budgets, um sich über Wasser zu halten. Das Museum und die zugehörige Gastronomie geben 140 Vollzeitangestellten Arbeit.
5. Juni 2026: González Byass vor Umschuldung
Der Sherry-Gigant (»Tio Pepe«) ist in finanziellen Schwierigkeiten und muss 150 Millionen Euro umschulden. Operativ, so berichtet die andalusische Tageszeitung »El Conciso«, sei die Bodega profitabel: Im letzten abschließend bilanzierten Jahr 2024 verdiente das Unternehmen 9,3 Millionen Euro. Allerdings würden momentan in kurzer Zeit Darlehen zur Rückzahlung fällig, die in Summe die Liquidität des Unternehmens überfordern. Neben dem Versuch, die Laufzeit von Darlehen zu verlängern, prüft Gonzales Byass auch den Verkauf von »nicht-strategischen Vermögenswerten«, außerdem wurden 34 Mitarbeiter entlassen.
5. Juni 2026: Steigt Henkell bei Pommery ein?
In einer Pflichtmitteilung des an den Börsen von Paris und Brüssel notierten Champagnerhauses gibt Maison Pommery & Associés bekannt, dass es für einen Zeitraum von zwei Monaten in exklusive Verhandlungen mit Henkell International über eine Mehrheitsbeteiligung des Sekt-und Cava-Hauses an Pommery eingetreten sei. Das operative Geschäft gehe unverändert weiter, mit einem Fokus auf die »betriebliche Kontinuität (...) und die Erhaltung der Qualität der Marken«. Zuletzt war bekannt geworden, dass das Champagnerhaus unter der Last seiner Schulden, die Ende 2025 offenbar 754,4 Millionen Euro betrugen, in finanziellen Schwierigkeiten steckt.
29. Mai 2026: Peru führt nationalen Wein-Feiertag ein
Die Regierung des Andenstaats hat per Ministerialerlass den 11. Juni zum jährlich wiederkehrenden »Tag des Weines« bestimmt. Der Tag solle dazu dienen, den Wert des peruanischen Weines zu würdigen sowie seinen Beitrag für »die Geschichte und die kulturelle Identität Perus«. Außerdem weist das Ministerium in seiner Bekanntmachung im Staatsanzeiger »El Peruano« darauf hin, dass an der Branche 36.000 Arbeitsplätze hängen. Falstaff meint: endlich mal ein Land, das offen und explizit zu seiner Weinbranche steht!
29. Mai 22026: Unzufriedene Cognac-Winzer ziehen anonym vor Gericht
Durch die Absatzkrise des Cognac – vor allem in China und den USA laufen die Geschäfte nicht gut – hat der Branchenverband eine Ertragsbeschränkung für die Weinberge der Region erlassen. Erstmals für den Jahrgang 2025 (und gerade eben bestätigt für dieses Jahr) dürfen die Winzer maximal 7,65 hl reinen Alkohol pro Hektar ernten. In den vergangenen zehn Jahren waren die Höchsterträge oft bei 10, 12, 14 hl reinem Alkohol gelegen. Um die Regelung in die vom Wein bekannten Zahlen umzurechnen, muss man etwa mit zehn multiplizieren: Früher war also die Erzeugung von 140 hl/ha gestattet, um daraus Cognac zu brennen, derzeit sind es nur etwas mehr als 70 hl/ha. Dagegen hat nun ein Kollektiv namens »78.37« – so benannt offenbar in Anspielung auf den Siedepunkt von Ethylalkohol – Klage eingereicht. Wer hinter der von einem Pariser Rechtsanwalt geleiteten Gruppe steckt, ist völlig unklar.
29. Mai 22026: Toni Askitis als Cannabis-Sommelier
Der bekannte Düsseldorfer Gastronom, Blogger und Sommelier Toni Askitis (»Pommes & Wein«, @asktoni.de) scheint sich auf ein neues Themenfeld der Sommelerie begeben zu wollen: In der »Revue du Vin de France« (!) empfiehlt er Weine zu diversen Cannabis-Varietäten, so einen Blanc de Noirs Champagner von der Côte des Bar zu einer Cannabissorte namens »Lemon Haze«, oder einen Rotwein aus der griechischen Sorte Xinomavro zur Cannabis-Sorte »Kush«. Er fügt an, es gehe allerdings darum »zu degustieren, nicht zu konsumieren«. Falstaff ist sich trotzdem nicht sicher, ob dahinter wirklich mehr steckt als nur Schall und Rauch.
22. Mai 2026: Französische Supermärkte mit KI-»Sommelier«
In Savoyen im Nordosten Frankreichs haben Supermärkte verschiedener Ketten – ein »Super U« in Magland, ein »Intermarché« in Lugrin und ein »Leclerc« in Chambéry – ihr Weinabteilungen mit einem virtuellen Weinfachberater namens »Elio« ausgestattet. Kunden können an den Bildschirmen, die ähnlich gestaltet sind wie Bestell-Terminals in Schnellrestaurants, ihre Präferenzen wählen und sich beraten lassen. »Elio« ist allerdings in einem Punkt fortschrittlicher: Er erscheint als menschliches Bewegtbild auf dem Bildschirm, er spricht mit Kunden und lässt sich ansprechen. »Elio ist ein echter virtueller Weinhändler, mit dem der Kunde ganz natürlich und in normaler Alltagssprache interagiert, genau wie mit einem Fachmann in einer Weinhandlung«, so die Herstellerfirma Etinsy. Johannes Marcon, ein Sprecher der französischen Weinhändlervereinigung, kommentierte diese Behauptung sarkastisch: Es sei bemerkenswert, dass die Supermärkte nun erkannt hätten, dass Kundenberatung wichtig sei, aber er frage sich, warum sie die Beratung »in den virtuellen Raum verlagern und nicht einem Menschen anvertrauen«.
22. Mai 2026: Küfer wird Möbelproduzent
Die Tonnellerie Vicard aus Cognac hat angekündigt, künftig auch Holzmöbel zu erzeugen. Gefertigt wird unter anderem ein Set von Beistelltischen namens »Chenin«, ein Tisch namens »Syrah«, und eine Konsole »Riesling«. Hintergrund ist die Absatzkrise beim Fassverkauf. Nachdem sich Eichenholz massiv verteuert hat – innerhalb weniger Jahre haben sich die Preise für diesen Rohstoff quasi verdoppelt –, ist der Absatz von Barriques und anderen Fässern um ein Viertel eingebrochen.
22. Mai 2026: Trump-Zölle treffen italienischen Wein hart
Nach neuen Zahlen des Branchenverbands »Unione Italiana Vini« schrumpften Italiens Weinexporte in die USA während der ersten zwölf Monate, in denen die erhöhten Zölle galten, also zwischen April 2025 und März 2026, auf einen Wert von 1,65 Milliarden Euro – das ist ein Minus von minus 17 Prozent, oder etwa 340 Millionen Euro gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das Volumen der Exporte sank um sieben Prozent und liegt nun auf dem niedrigsten Niveau der letzten zehn Jahre.
22. Mai 2026: Laurent-Perrier bald nicht mehr an der Börse?
Wie das Portal wine-searcher.com berichtet, denken die Familien de Nonancourt und DeFeo, die Mehrheitseigner des namhaften Champagnerhauses Laurent-Perrier sind, darüber nach, die Aktien des Unternehmens von der Börse zu nehmen. Seit dem Börsengang im Jahr 1999 ist die Marktkapitalisierung von Laurent-Perrier nur in bescheidenem Umfang gewachsen, zudem zitiert wine-searcher.com Michelle DeFeo, die Präsidentin von Laurent-Perrier US, mit der Aussage, das Unternehmen werde ohnehin als Familienunternehmen geführt – und nicht als börsennotiertes Unternehmen, das seinen Aktionären Rechenschaft schuldig ist. In den letzten Jahren, so DeFeo weiter, habe die Familie beständig Aktien zurückgekauft: »Im Jahr 2010 besaß die Familie 57 Prozent der Aktien, inzwischen sind es 65 Prozent der Aktien, die 79 Prozent der Stimmrechte repräsentieren.«
Der Artikel wird laufend um die neuesten Meldungen und Entwicklungen aus der Weinwelt ergänzt.