Weinfehler erkennen wie ein Profi: »Weißwein wird oft zu kalt serviert«
Sommelier Simon Schubert vom Wiener »Reznicek« räumt mit Wein-Mythen auf und erklärt, woran man Kork & Co. erkennt.
Mit Humor, Expertise und außergewöhnlichem Weingespür sorgt der beste Sommelier Wiens Simon Schubert im »Reznicek« für vinophile Überraschungsmomente. Er denkt Wein neu – ohne elitären Dünkel, dafür mit Emotion, Präzision und Hausverstand. Warum Kork kein Drama ist, warum Pizza zum Burgunder erlaubt sein darf und wie man Weinfehler erkennt, erklärt er im Gespräch.
Falstaff: Woran erkennt man, ob ein Wein fehlerhaft oder einfach »schlecht« ist?
Simon Schubert: Man muss wissen, wie ein Weinfehler riecht oder schmeckt. Da gibt’s ein paar typische Anzeichen, wie nasser Karton – das weist oft auf Kork hin. Oder oxidierte Noten wie modriges Laub oder überreife Frucht. Letztlich bleibt die wichtigste Frage aber: Schmeckt es mir oder nicht?
Was sind für Sie die drei schnellsten Warnsignale im Glas?
Schubert: Geruchlich: nasser Karton oder Kellergeruch (Kork), malzige Noten, oder oxidierte Frucht. Am Gaumen: dumpf, kurz, keine Länge – auch das deutet oft auf Kork hin.
Wie oft passiert es, dass Ihnen ein Glas Wein serviert wird und Sie innerlich die Augen verdrehen?
Schubert: Zum Glück selten – ich bestelle meistens gleich die Flasche (lacht).
Was sind die häufigsten Fehler, die Sie bei Gästen beobachten, wenn Sie Wein trinken oder bestellen?
Schubert: Weißwein wird oft viel zu kalt serviert, Rotwein wiederum zu warm. Und generell werden viele Weine zu jung getrunken – da wäre ein bisschen Geduld manchmal hilfreich.
SO SOLLTE MAN WEIN NICHT SERVIEREN
Und sind Sie selbst schon mal zum »Weinsünder« geworden?
Schubert: Am Ende gilt: Erlaubt ist, was schmeckt. Wenn jemand seinen Puligny-Montrachet mit Soda spritzen will – bitte sehr. Ist vielleicht schade drum, aber wer bin ich, das zu verbieten?
Kommt es beim Wein mehr auf Wissen oder Emotion an?
Schubert: Ganz klar: Emotion. Wein ist ein Genussmittel – der Rest ist Kür.
Haben Sie einen Lieblingswein?
Schubert: Es gibt so viele gute, da kann ich mich kaum festlegen. Aber ein Wein, der mich wirklich berührt hat, war ein 1989er Haut-Brion. Das bleibt hängen.