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Von Römern und Reben: Genussreise durch Carnuntum

Carnuntum
Weingut
Eventtipp
Niederösterreich
Weinreise
Wein-Herbstreisen

Carnuntum hat nicht nur eine jahrhundertealte Geschichte, hier wird im Herbst auch die Weinkultur auf genussvollste Weise zelebriert: Regionale Winzer:innen öffnen ihre Kellertüren und laden zu Weinfesten und Verkostungen.

In Carnuntum feiert man im Herbst die »fünfte Jahreszeit« – und damit vielleicht die genussvollste. Der Wein prägt hier seit Jahrhunderten die Landschaft und das Leben und das spürt man auch: Die Winzer:innen und Gastgeber:innen zelebrieren im Herbst ihre Weinkultur und laden dazu ein, die geschichtsträchtige Region zu entdecken – und zu genießen.

Carnuntum bildet den östlichsten Teil Niederösterreichs und öffnet die Tür zu unterschiedlichsten Welten: Vom barocken Leben mit den prachtvollen Marchfeldschlössern, über die Naturschönheiten der Region mit dem Nationalpark Donau-Auen bis hin zur geschichtsträchigen Römerzeit, deren Spuren mit der gelebten Wein- und Genusskultur bis in die Gegenwart reicht. Archäolog:innen fördern hier seit Jahrzehnten Ausgrabungen und Funde der römischen Kultur. »Es gibt kaum jemanden, der hier lebt, und noch nichts in den geschichtsträchtigen Böden von Carnuntum gefunden hätte – auf dem Feld, im Wald oder sogar im eigenen Garten«, erzählt Robert Skocek, der in der Region geführte Radtouren wie die Erlebnisradroute »Römer-Tour« begleitet.

Petronell, Carnuntum
© Barbara Elser
Petronell, Carnuntum

Auf vergangenen Spuren

In Carnuntum ist die Römerzeit tatsächlich noch greifbar: Vom 1. bis 4. Jahrhundert n. Chr. befand sich hier eine der bedeutendsten römischen Weltstädte an der Grenze des Römischen Reichs. Durch die »Römerstadt Carnuntum« kann man noch heute durch das Römische Stadtviertel und damit in eine weit entfernte Vergangenheit flanieren – mit wiederaufgebauten antiken Häusern, dem Amphitheater, der Gladiatorenschule und der beheizten Therme. Wahrzeichen der heutigen »Römerstadt Carnuntum« ist das Heidentor, das als einzige Ruine während der vielen Jahrhunderte seit der römischen Epoche bestehen blieb.

Gewürzwein & Austern

Wenn man die Bäder und Malereien in der Therme betrachtet und die »Weine« und Spezialitäten von damals verkostet, scheint die Zeit doch wieder nicht so lange zurückzuliegen: Für die Stadtbewohner ohne eigene Küche gab es eine Ausgabestelle für Mahlzeiten und Snacks »to go«. »Die Schnell-Imbissbude von damals, sozusagen«, scherzt eine der Tourleaderinnen der Römerstadt. Es wurden sogar Austern gefunden, die damals bis zu 40 Tage lang haltbar gemacht wurden und viele Behältnisse für Olivenöl und Wein. Dieser musste damals mit Wasser getrunken werden, was gesetzlich verankert war. Eine besondere Weinspezialität war der römische Gewürzwein »Mulsum«: Wein mit Wasser, Honig und verschiedenen aromatischen Gewürzen. Andere Delikatessen waren gefüllte Eier nach römischer Art (Ova elixa), Oliven, römisches Fladenbrot und Moretum, ein Schafkäse-Kräuter-Aufstrich. Die beliebteste Rebsorte war zu dieser Zeit Falerner aus Neapel, der zu den berühmtesten aller antiken Weine zählt und auch als »Wein der Cäsaren« galt.

Neben verschiedenen Touren, wie der »Kulinarischen Zeitreise« mit Verkostung, werden in der »Römerstadt Carnuntum« auch immer wieder Sonderausstellungen und Events angeboten.

Gelebte Weinkultur

Zusätzlich zu den archäologischen Schätzen bietet Carnuntum auch reichhaltige Bodenschätze: Seine Reben. Allen voran entstehen hier auf einer Fläche von rund 812 Hektar gebietstypische Rotweine aus Zweigelt und Blaufränkisch, aber auch aus Chardonnay, Weißburgunder und Grünem Veltliner werden charaktervolle DAC-Weißweine vinifiziert. Insgesamt erstreckt sich das Weinbaugebiet Carnuntum östlich von Wien bis an die Grenze zur Slowakei. Benannt nach dem antiken Legionslager, bietet Carnuntum mit schweren Lehm- und Lössböden sowie sandig-schottrigen Lagen und dem pannonischen Klima Idealbedingungen für den Weinanbau.

Verkostung des neuen Jahrgangs

Weinorte wie Göttlesbrunn, Höflein, Prellenkirchen, Arbesthal oder Petronell sind bekannt für ihre gemütlichen Buschenschänke und talentierten Winzer:innen, die gerade jetzt zur Verkostung der neuen Jahrgänge ihrer gebietstypischen Weine sowie der regionalen Küche einladen: Am 15. und 16. November findet der 24. Göttlesbrunner Leopoldigang statt, bei dem rund zwanzig Winzer:innen der Region ihren neuen Jahrgang präsentieren. Zudem tischen Wirte wie Johannes Jungwirth von der Wirtshauskultur Niederösterreich kulinarische Köstlichkeiten auf. Ein jährliches Highlight ist auch der 21. Petroneller Weinrundgang, der am 8. November in den Heurigenlokalen und Weinkellern der örtlichen Winzer:innen stattfindet.

Neben der gelebten Weinbautradition bringen seit Jahren auch immer häufiger innovative Winzerinnen frischen Wind in das Gebiet. Darunter Johanna Markowitsch, Michaela Riedmüller, Victoria Gottschuly-Grassl, Magdalena Gratzer-Sandriester, Lisa Gratzer, Christina Artner-Netzl, Hanna Glatzer, Karoline Taferner, Stefanie Böheim oder Dorli Muhr, die sich mit ihren Weinen auch international bereits einen Namen gemacht haben. In naher Zukuft werden beinahe 60 Prozent aller Weinflaschen der »Rubin Carnuntum«-Weingüter in weiblicher Hand produziert. Erstmalig wurde »Rubin Carnuntum« 1992 produziert, heute haben ihn bereits mehr als vierzig Weingüter in ihrem Sortiment. Voraussetzung für die Vinifikation ist mitunter ein Mindestalkoholgehalt von 12,5 Prozent und ein positives Urteil der Rubin-Jury. Verwendet werden darf nur die gebietstypische Sorte Zweigelt, die dank des speziellen Mikroklimas zwischen Leithagebirge und Donauauen besonders charakterstark ausgeprägt wird.

Neue Wirtshausklassiker

Nicht nur die jungen Winzer:innen prägen die Region mit Innovation, sondern auch viele Gastronom:innen. Das Restaurant »Franz von Grün« in Arbesthal setzt auf ehrlichen Geschmack und regionale Zutaten in einer der schönsten Kulissen der Region – mitten im Weingarten. Ebenso beeindruckend ist der Blick von der Donau-Terrasse des »Haslauerhof« über den Nationalpark Donau-Auen. Roland Lukesch interpretiert bodenständige Wirtshausklassiker neu – auf gehobenen Niveau. Und auch mit dem Restaurant »Der Jungwirth« von Spitzenkoch Johannes Jungwirth in Göttlesbrunn findet man eine High-End-Wirtshausküche, die auf beste Zutaten der Region setzt.

Schlossinsel & Sumpfschildkröten

Die Region selbst mit ihrer Fauna und Flora entdeckt man am besten im Nationalpark Donau-Auen. Hier wird auf mehr als 9.600 Hektar Fläche die letzte große Flussauenlandschaft Mitteleuropas bewahrt. Beginnend in der Oberen Lobau im 22. Bezirk in Wien reicht der Nationalpark in Niederösterreich bis zur österreichischen Staatsgrenze zur Slowakei bei Bratislava. Rund 900 Arten höherer Pflanzen finden hier ihren Lebensraum sowie 39 Säugetiere, rund 100 Brutvogelarten, acht Reptilien- und 13 Amphibienarten und 67 Fischarten. Das »schlossORTH Nationalpark-Zentrum« bietet verschiedene geführte Touren durch das »Auerlebnisgelände Schlossinsel«. Neben den Tieren, die man hier entdecken kann, wie die Europäische Sumpfschildkröte, ist vor allem die begehbare Unterwasserbeobachtungsstation ein Highlight: Hier erlebt man den seltenen Anblick eines natürlichen Teiches von unten – mit all seinen Bewohnern.

Barocke Kulisse auf Schloss Hof

Einen Blick in das barocke Leben der vergangenen Tagen erhält man in den zahlreichen Schlössern der Region. Damals entdeckte die Wiener Gesellschaft die endlosen Weiten des Marchfelds für sich. So entstanden prachtvolle Bauten, die vom österreichischen Hochadel als Sommerresidenzen und Jagddomizile genutzt wurden. Eines davon ist Schloss Hof, das nach einer sehr bewegten Vergangenheit auch heute wieder Bühne für glamouröse Feste ist. Nachdem es sehr oft seine Besitzer wechselte, wurde es 1725 zum kaiserlichen Landsitz von Prinz Eugen von Savoyen und dreißig Jahre später von Maria Theresia. Sie ließ es zur größten Landschlossanlage der Habsburger-Monarchie ausbauen. Nach ihrem Tod geriet der Prachtbau allerdings in Vergessenheit und wurde später zu militärischen Zwecken genutzt. Ab 2002 wurde das Schloss umfangreich saniert und revitalisiert. Heute können die imperialen Wohnräume der einstigen Besitzer wieder bewundert werden, sowie der Barockgarten mit seinen prächtigen Brunnenanlagen und Skulpturen. 

Der idyllische Gutshof des Schlosses empfindet das bäuerliche Leben der Barockzeit nach. Rund 200 Tiere wohnen hier, mitunter altösterreichische Haustierrassen wie Kärntner Brillenschaf, Steinhendl, die für das Barock typischen weißen Esel, bis hin zu exotischen Trampeltieren. Neben den abwechslungsreichen Themengärten und einem riesigen Abenteuerspielplatz gibt es hier auch ein neues Restaurant: Im »Kräutergarten« setzt der gebürtige Schweizer Spitzenkoch Dario Lindner mit seinem Team auf saisonale und regionale Kreationen. Bereits am frühen Morgen werden frische Kräuter sowie Gemüse aus den eigenen Gärten des Schlosses geerntet. Stammen die Produkte nicht aus eigenem Anbau, bezieht man von ausgewählten Lieferant:innen aus dem Marchfeld. Die barocke Kulisse – und die feinen Spezialitäten aus dem »Kräutergarten« – genießt man aber am besten bei einem fürstlichen Picknick im prachtvollen Barockgarten.

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