Reduziert auf das Maximum: Fünf Neueröffnungen, die München aufmischen
Forget Fine-Dining: In München trifft Bistroküche auf Szene-Flair, die Klassiker bekommen ein Upgrade und Kaviar darf trotzdem bleiben. Warum das gut ankommt?
Wer sich unter Münchens Restaurant-Neueröffnungen umsieht, merkt schnell: Der Trend geht zur Einfachheit. Einerseits ist das eine Reaktion auf die ins Straucheln geratene Fine-Dining-Szene. Andererseits: Der Verzicht auf große Show am Teller bedeutet keinen Verlust für den Gast.
Statt dem Sternenhimmel nachzujagen, bleiben Lokale wie »Das Obers« von Jürgen Wolfsgruber auf dem Boden – geschmacklich kompromisslos. Eine Revolution? Wohl kaum. Aber eine Neuausrichtung. Wie bei einer guten Sauce: reduziert auf das Wesentliche.
In München zeigt sich dieser Wandel schon länger – etwa im Wiederaufleben der Wirtshauskultur, im »Waltz« oder der Weinbar »Grapes«. Klassiker wie das Schnitzel erhalten neue Wertschätzung, etwa im »Komu«, wo Christoph Kunz eine Luxusversion mit Kaviar und Champagner serviert. Das Verlässliche und Emotionale rückt wieder in den Fokus.
Der Trend zum Casual ist auch in Berlin zu spüren. Doch München geht den Weg auf eigene Art: Bistroküche statt Bühnenbild, feiner gezurrt, aber entschleunigt. Nur auf den Kaviar will man dann doch nicht verzichten. Denn bei aller Veränderung gilt: München bleibt München.
Lou Lou Tagesbar
Tief hängende Lampen, ein Kühler voller Flaschen auf dem Tresen, Litschi-Spritzer auf den Tischen: Die »Lou Lou Tagesbar« kommt dem Berliner Szenegefühl derzeit so nah wie kaum ein anderes Lokal in München. Auf der Karte: Beef Tatar, Char Crudo oder gegrillter Kohl mit Pickles und Labneh. Dazu Miso-Popcorn, marinierte Oliven und hausgemachtes Brot mit Butter.
Alles ist handwerklich sauber gemacht – und doch drängt sich nichts auf. Der Fokus liegt auf dem Miteinander. Auch die Öffnungszeiten zeigen das: Frühstück vor der Arbeit, Afterwork-Drink am Abend – die Tagesbar ist da, wenn man sie braucht.
Details
Lou Lou Tagesbar
Türkenstraße 37
80799 München
Täglich 8.30 Uhr – 22 Uhr
Das Obers
Was Jürgen Wolfsgruber anpackt, sollte man sich genauer anschauen – so auch sein »Obers«. Wie schon im »Sparkling Bistro« und im »Tschecherl« setzt er auf österreichisch inspirierte Küche, diesmal in besonders ungezwungener Form.
Ob im Gastraum oder auf der Terrasse: Die Atmosphäre ist entspannt, das Konzept lässig. Hier geht es ums Zusammensein, nicht um Pinzettenarbeit. Dennoch steht gutes Essen im Mittelpunkt – etwa bei den »Matjes von der Lachsforelle«, die unprätentiös serviert werden, oder dem Rindertatar auf Brioche – fein angerichtet, aber klar: Hier zählt der Geschmack.
Und auch beim Wein darf man sich treiben lassen – vieles gibt’s glasweise im Ausschank.
Details
Das Obers
Gerner Straße 48
80638 München
Mittwoch bis Samstag 11.30 Uhr bis 22 Uhr
Villa Amalfi
Nach der Übernahme des traditionsreichen »Bogenhauser Hof« lag der Fokus 2023 zunächst auf bayerischer Küche mit asiatischem Akzent. Heute – der Name macht es deutlich – regiert in der »Villa Amalfi« die italienische Seele. Und die steht seit jeher für: Unkompliziertheit. Die Speisekarte liest sich wie eine Hommage an die cucina italiana: Vitello Tonnato, Rindercarpaccio, Lasagne al forno oder Spaghetti alla Carbonara – fast schon Zaubersprüche, die eines versprechen: Alles wird gut.
Auch preislich bleibt man bodenständig – von 13,80 Euro für Pasta bis 46 Euro für ein Rindersteak. Eine Küche, die einlädt, nicht ausschließt.
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Villa Amalfi
Ismaninger Str. 85
81675 München
Täglich 11.30 Uhr bis 22.30 Uhr
Ruta
Im »Ruta« stehen die Tische so nah beieinander, dass auch größere Gruppen locker Platz finden – und genau darum geht es: gemeinsam genießen. Der Blick in die offene Küche verstärkt das Gefühl, in einem ukrainischen Wohnzimmer gelandet zu sein. Authentisch, ohne es auszustellen.
Natürlich steht Borschtsch auf der Karte, aber auch Überraschungen wie Weißkohlsteak mit Kaviarsauce, hausgebeizter Lachs mit Ziegenkäsemousse, eingelegtem Fenchel und gebratenen Kapern oder süße Kirsch-Varenyky.
Dazu gibt’s Passion-Spritzer, klassische Cocktails oder Wein. Vielleicht ist der Vibe hier auch deshalb so besonders, weil hinter dem Konzept ein bemerkenswertes Duo steht: die Ukrainerin Anna Weiman und der Russe Michael Fedorov.
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Ruta
Tulbeckstraße 9
80339 München
Täglich 17 Uhr bis 23 Uhr
Bā Mirano
Setzt man sich auf die lange, rote Bank im »Bā Mirano«, ist sofort klar: Hier geht’s stilvoll, aber locker zu. Das Konzept wirkt wie aus der Hüfte geschossen – und sitzt.
Italienische Lebensfreude trifft auf japanisches Handwerk und Reduktion. Auf der Karte: ausschließlich Eigenkreationen mit hausgemachten Zutaten. Limoncello flirtet mit Yuzu, alles wird geteilt, ganz im Family-Style. Die Carbonara kommen mit Udon-Nudeln und Onsen-Ei. Ist das noch Pizza – oder doch schon Okonomiyaki? Und das Carpaccio ruht auf eingelegtem Hokkaido-Kürbis.
Man rückt zusammen, schlürft einen Yuzu-Sour – der Rest ergibt sich. Hauptsache, man ist beisammen.
Details
Bā Mirano
Wilhelmstraße 27
80801 München
Dienstag bis Samstag 18 Uhr bis 24 Uhr