Wien Landstraße: Kulinarik-Tour durch den 3. Bezirk
Der Bezirk bietet Sternerestaurants und Pizza aus dem Würstelstandfenster. Aufstrebende Gastronomen fühlen sich immer häufiger auch entlang der Landstraße Hauptstraße zuhause.
Es gibt Bezirke in Wien, die eine ganz besondere Energie ausstrahlen, und der dritte Bezirk ist definitiv einer davon. Die Landstraße bietet eine faszinierende Mischung aus Geschichte und Moderne, aus alten und neuen Perspektiven. Beim Flanieren durch die Straßen merkt man schnell, welche Vielfalt dieser Bezirk bietet. Auch abseits Hundertwasser und Belvedere findet man kleine Läden und Lokale, in denen man der Wiener Gemütlichkeit wegen gerne länger verweilt.
Vom Grün des Stadtparks bis hin zu lebhaften Straßen mit kleinen Shops und hippen Cafés – es ist ein Bezirk, der seinen Charme nicht nur durch seinen Architektur-Mix aus Biedermeier und Moderne oder die herausragende Gastronomie entfaltet, sondern vor allem durch die Menschen und die Atmosphäre, die ihn prägen.
Beginnen wir im »Apron«, das sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht hat. Die Gerichte des ehemaligen Souschefs – seit September 2024 Küchenchef – Jakob Karner basieren auf regionalen Zutaten, die kunstvoll miteinander kombiniert werden. Wer hier speist, darf sich auf eine moderne Interpretation der österreichischen Küche freuen.
Neuer Hotel-Hotspot
Nur einen kurzen Fußweg entfernt, noch vor dem Stadtpark, findet man eine neuere Adresse: »The Hoxton, Vienna«. Das Hotel ist in der Szene angekommen und besticht nicht nur mit modernem Design, sondern auch mit toller Gastronomie. Im »Bouvier«, dem All-Day-Dining-Bistro, das französisches und New Yorker Flair vereint, trifft man sich zu Brunch, Lunch oder Abendessen. Nicht verpassen sollte man die Dachterrasse des Hotels für einen Blick über die Stadt bis hin zum Kahlenberg: Im »Caya Coco«, das an das Havanna der 1950er-Jahre erinnert, werden tropische Cocktail-Klassiker serviert.
Urlaubsgefühle findet man auch ein paar Gehminuten weiter im »Lucullus«, das mit seinem Gastgarten direkt nach Italien katapultiert. Zitronen im Glas, Orangenbäume und Tontöpfe machen das Lokal zum perfekten Ort für einen Aperitivo.
Was auch auf keinen Fall fehlen darf, ist das »Steirereck«, das sich im Stadtpark befindet und nicht nur vom Falstaff mit vier Gabeln, sondern erst kürzlich auch von Michelin mit drei Sternen ausgezeichnet wurde. Heinz Reitbauer als Koch und seine Frau Birgit Reitbauer als Gastgeberin sind eben echte Profis. Auch der Stadtpark selbst ist eine wahre Oase der Ruhe und der perfekte Ort, um dem hektischen Stadtleben für ein paar Minuten zu entfliehen. Hier fällt einem wieder auf, dass es genau dieser Kontrast aus Stadt und Land ist, der den Bezirk so besonders macht.
Das Pizza-Fenster
Ein absoluter Geheimtipp für Streetfood-Liebhaber und die wohl ungewöhnlichste Pizzeria Wiens ist das »Cibo Colorato«. Das Besondere? Hier wird die Pizza nicht in einem typischen Lokal serviert, Pizzaiolo Vincenzo Iovine verkauft seine neapolitanischen Meisterwerke durch das Fenster eines Würstelstandes. Authentisch, unkompliziert und unglaublich gut. Bleiben wir bei der Streetfood-Küche: Unbedingt kosten sollte man Pak Yang im »Pumpui«, authentisch, würzig und mit mutigen Aromen. Die lockere, fast schon familiäre Stimmung des kleinen Lokals trägt zur besonderen Atmosphäre bei und bringt ein Stück Bangkok in die Landstraße. Ist das womöglich der beste Thai in Wien?
Versteckter Charme
Weiter geht es an den Radetzkyplatz und hinein ins »Cafe Menta«, das mit seinem ruhigen, fast schon versteckten Charme punktet. Hier dreht sich alles um entspannte Stunden bei gutem Kaffee, Drinks und Snacks. Der ideale Platz, um ein wenig zu verweilen und den Bezirk aus der Perspektive seiner Bewohner zu erleben. Unser Lieblings-Café im Weißgerberviertel: »Das Goldstück«: Hier wird alles frisch und von Hand zubereitet, gearbeitet wird mit regionalen Zutaten. Besonders toll: Das verwendete Obst und Gemüse wurde zudem vor der Mülltonne gerettet. »Wir wollen allen zeigen, was man aus diesem Obst und Gemüse zaubern kann«, sagt Alexandra Hilweg, eine der beiden Gründerinnen.
Bei »Heunisch & Erben« steht nicht nur das Essen, sondern vor allem die Liebe zum Wein im Mittelpunkt. Eine »Trinkstube der Herzen«, wie die beiden Gründer Robert Brandhofer und Markus Gould ihr Lokal liebevoll nennen. Den Bezirk beschreiben sie als eine »Mischung aus Verschlafenheit, Grätzeltum und langsamem ›Upcoming‹. Gut, dass sich die großen und gesichtslosen Ketten hier noch nicht breitgemacht haben und eigentümergeführte Unternehmen gewürdigt werden.« Die umfangreiche Auswahl an Weinen, auch glasweise, begleitet von einer ebenso sorgfältig zusammengestellten Speisekarte macht das »Heunisch & Erben« zu einer stimmigen Mischung aus Bar und Restaurant. Hier verbringt man gerne einen geselligen Abend mit den besten Freunden.
Ein Süßer Abschluss
Ein Highlight zum Abschluss ist das »Elvira’s«, in dem seit 2013 klassisch ukrainisch gekocht wird – und zwar genauso, wie Gastgeberin Elvira Sari es von ihrer Mama kennt. Sari serviert Hausmannskost ihrer Heimat, darunter hausgemachte Wareniki, Pelmeni und Borschtsch. Was den Bezirk für sie ausmacht: »Im Dritten findet man sich mitten im Geschehen wieder, bietet aber auch ein entschleunigtes Wien, ohne auf die guten Seiten der Stadt verzichten zu müssen.«
Zum süßen Ende dann noch ein Sprung ins »NATA Lisboa«, das ein Stück Portugal in den Bezirk bringt. Die berühmten Pastéis de nata sind ein Muss für alle, die hier vorbeikommen. Genau gegenüber befindet sich die moderne Fleischhauerei »Crazy Butcher« von Denis Dobric und Dejan Ilic, die ihre Produkte direkt bei regionalen Bauern beziehen – aus artgerechter Tierhaltung und nachhaltiger Produktion. Zudem gibt es immer wieder Raritäten, und auch Sonderwünsche können bei den beiden vorbestellt werden.
Nur zwei Türen weiter befindet sich der nächste Feinkostladen, die »Lingenhel Greißlerei, Restaurant & Käserei«. Johannes Lingenhel hat sich hier ein kleines Genussimperium geschaffen. Die erstklassigen Produkte aus Eigenproduktion und von ausgewählten Edelhändlern wie Brot, Schinken, Wurst und Käse sucht der Chef persönlich aus. Unbedingt verkosten sollte man aber die Käseauswahl aus der hauseigenen Käserei.
Um die Ecke in der Erdbergstraße, in der sich kulinarisch sonst weniger bewegt, eröffnete vor wenigen Monaten ein junges Team mit neuem Menükonzept das »Nobilis«. Das Paar, das sich beruflich mit Deutschkursen beschäftigt, übernahm ohne gastronomisches Vorwissen das Lokal und fand mit dem 18-jährigen Maron Ackerbauer, der seine Lehre im Nikkei-Lokal »DiningRuhm« absolvierte, den perfekten Chef. Gemeinsam mit dem 20-jährigen Konstantin Duma-Vrablicz setzt er in seinem ersten eigenen Restaurant mit offener Schauküche auf gehobene österreichische Küche.
Adressen
1030 Wien
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