Wien Neubau: Kulinarik-Tour durch den 7. Bezirk
Neubau ist der bestimmt angesagteste Bezirk der Stadt, neugierig auf neue Konzepte und Lebensstile. Dank dieser Offenheit hat sich hier die wohl spannendste Lokal-, Dating- und Pop-up-Szene Wiens entwickelt.
Zwischen der Mariahilfer Straße und der Lerchenfelder Straße, eingebettet zwischen dem Gürtel und dem MuseumsQuartier, erstreckt sich Neubau – ein urbanes Juwel voller kreativer Energie, historischer Ecken und kulinarischer Hotspots, die entdeckt werden wollen.
Mehr als 31.500 Menschen wohnen hier, dennoch ist der 7. Bezirk der drittkleinste Bezirk in Wien – kleiner sind nur noch der 6. und der 8. Bezirk. Und wenn wir gerade schon bei klein sind: Ebenso findet man hier, oberhalb des MuseumsQuartiers, an der Ecke Burggasse und Breite Gasse, das kleinste Haus der Stadt. Mit 14 Quadratmeter ist das Gebäude, in dem sich »Schmollgruber’s Uhrenhaus« befindet, kleiner als so manches Kinderzimmer.
Spittelberg-Streifzug
Wer durch Neubau schlendert, merkt schnell: Jeder Teil des Bezirks hat seinen eigenen Charakter. Während sich das Grätzel rund um den Spittelberg durch enge Gassen und historische Gebäude auszeichnet, punktet Schottenfeld mit kosmopolitischem Flair und einer vielseitigen Gastroszene. Perfekt also für kulinarische Streifzüge und spontane Entdeckungen.
Zum Beispiel im »Collina am Berg« (gemeint ist der Spittelberg), wo es vornehmlich ums Wild geht: Tono Soravia und sein Küchenteam haben sich innerhalb eines Jahres zu einem der kreativsten Wildlokale der Stadt gemausert. Für alle, die kein Wild wollen, gibt es als Signature Dish die exzellente Porchetta vom Schweinebauch. Seit einigen Monaten finden auch immer wieder wechselnde Events wie »Fried Chicken & Bubbles« oder »Porchetta & Pet Nat« statt.
Vegetarische Feinschmecker kommen nebenan im »Tian Bistro«, das von Sternekoch Paul Ivic geführt wird, auf ihre Kosten. Beim »Sharing Chef’s Garden« werden dort vegetarische und vegane Gerichte zum Teilen gereicht. Ein ebenso charmantes Lokal findet man direkt gegenüber mit dem »Amerlingbeisl«. Vor allem der Gastgarten überzeugt auf ganzer Linie: ein von Weinlaub beschatteter Innenhof, der auf jeden Fall einen Besuch wert ist. Die Küche – modern europäisch – serviert Wiener Klassiker wie Schnitzel oder Gulasch, aber auch saisonale Ravioli oder Knödel mit Ei. Absoluter Geheimtipp ist aber das Soho Sandwich mit Portobello, eingelegten Zwiebeln und Trüffelmayonnaise.
Romantische Begegnungen
Und wo datet das junge Wien? Richtig, in der Zollergasse. Hier, zwischen hippen Lokalen und einem Hauch von Italien sitzen sich Menschen gegenüber, die sich via Tinder, Bumble und Co. gerade erst kennengelernt haben. Besonders das »Café Europa«, das »Ganz Wien«, das »Liebling« und das »St. Art« sind beliebte Adressen für solche Begegnungen – vor allem im Sommer muss man hier schauen, dass man noch einen der begehrten Tische ergattert. Allerdings kann die Zollergasse weit mehr als nur Tinder-Romantik. Ein Stück weiter zeigt das »Fisch Brac«, dass hier auch exzellente Kulinarik mit mediterranem Flair zu Hause ist. Im Fischgeschäft landet fangfrischer Fisch aus Dalmatien in der Vitrine und, wenn man mag, mittags direkt auf dem Teller. Neben Garnelen, Anchovis und Co. gibt es auch kroatische Weine, Käse von der Insel Pag und weitere Delikatessen, die das Angebot abrunden.
Burger von Milchkühen
Für Fans von Streetfood wird es in der Neubaugasse spannend: »XO Grill« serviert die angeblich besten Smash-Burger Europas. Das Fleisch alter Milchkühe aus den Voralpen ruht sieben Wochen im Dry-Ager, bevor es dann zu Burgern verarbeitet wird. Neben einer tollen Auswahl an Naturweinen gibt es hier auch immer wieder Kollaborationen mit Spitzenköchen – so etwa Konstantin Filippou, der im vergangenen Jahr einen XO Beef Gyros anbot.
Natürlich lebt Neubau nicht nur von Essen, sondern auch von guten Drinks – und da hat der Bezirk einiges zu bieten. Der »Dachboden«, die Bar im »25hours Hotel«, serviert nicht nur kunstvolle Eigenkreationen wie den »Pomme Thé Glacé«, sondern bietet auch einen grandiosen Blick über die Stadt. Wer es lieber etwas bodenständiger mag, wird im »Café Kandl« glücklich: Über 300 Weine hat man hier, mit einem klaren Fokus auf Naturweine.
Kaffee-Fans kommen im »Café Comet« in der Kirchengasse auf ihre Kosten – die Bohnen werden hier direkt vor Ort geröstet. Ein paar Meter weiter wartet zudem ein weiteres Highlight: die »Atlas Bar & Kunstgalerie« in der Neustiftgasse, wo es nicht nur herausragende Weine, sondern auch köstliche Snacks gibt (vom Käse-Kimchi-Toast oder dem Auberginen-Tatar bekommt man nicht genug).
Moderne Gegensätze
Aber Neubau wäre nicht Neubau ohne Gegensätze. Während es am Spittelberg eher charmant-verwinkelt zugeht, zeigt sich Schottenfeld von seiner modernen, unaufgeregt internationalen Seite. Zu den kulinarischen Highlights zählt hier in diesem Grätzel auf jeden Fall das »Gasthaus Grünauer« in der Hermanngasse – ein Klassiker der gehobenen Wiener Beislkultur. Bekannt für hervorragendes Gulasch, wird das Lokal bereits in dritter Generation geführt. Nur ein paar Ecken weiter lockt »Herr Karl«, eine charmante Genussgreißlerei mit feinen Delikatessen – perfekt für alle, die gerne stöbern und dabei neue Geschmackserlebnisse entdecken wollen.
Majestätischer Oktopus
Weiter geht’s mit der »Rinkhy Delikatessen Bar«, die ursprünglich als kleines Lokal in der Zieglergasse 37 begann und sich auf Sardinen aus der Dose spezialisiert hatte. Heute gibt es das »Rinkhy« in größerem Rahmen, ein paar Meter weiter (in der Zieglergasse 29), mit einer erweiterten Speisekarte, die von Bœuf bourguignon über Austern bis zu erlesenen Weinen und kreativen Cocktails reicht. Das Wandgemälde eines Oktopusses, der majestätisch an der Decke thront, ist dabei genauso ein Hingucker wie das Angebot an frischen, hochwertigen Delikatessen.
Und für alle, die es etwas ruhiger mögen: Das »kleine Rinkhy« hat im Juli vergangenen Jahres wiedereröffnet und serviert eine feine Auswahl an österreichischen Schmankerln, die an den Charme eines traditionellen Heurigen erinnern. In ihrem kleinen, puristischen Lokal »Stadler & Thomas« in der Burggasse vereinen Konstantin Stadler und Andreas Thomas gehobene österreichische Küche mit mediterranen Einflüssen – von Germknödeln mit Spitzkraut bis zu Pulpo-Carpaccio. Neben kreativen Tasting-Menüs steht immer auch ihr legendäres Wiener Schnitzel auf der Karte.
Und dann gibt es da noch Eyal Shani, den Superstar des Karfiols. Seine Restaurants sorgen von Paris bis New York für Warteschlangen, und auch in Wien – im »Seven North« in der Schottenfeldgasse – darf man in den Genuss seines berühmten Ofengemüses kommen. Natürlich gibt es hier nicht nur Karfiol, auch die anderen Speisen lassen keine Wünsche offen und keine Mägen knurrend zurück.
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