Zwischen »Moon Island« und Blue Hour: Das steckt hinter dem neuen »The Cloud by Käfer«
In der BMW Welt hat das spektakulär gestaltete Fine-Dining-Restaurant »The Cloud by Käfer« eröffnet. Entworfen von BMW Designworks und kulinarisch geprägt von Jens Madsen, verbindet es unter dem Leitgedanken des »Culinary Nomadism« Automobildesign und Gastronomie zu einer ästhetischen, sinnlichen Symbiose. Ein Besuch.
Die ersten Schritte zur »Cloud« führen durch die lichtdurchflutete, aus Glas und Stahl konstruierte BMW Welt, vorbei an hochglanzpolierten Sondereditionen und neusten Innovationen oder Oldtimer-Klassikern des Münchner Automobil-Konzerns. Der Counter vor dem Aufzug in den dritten Stock, in dem früher das »Esszimmer« seine warme Atmosphäre verströmt hat, sammelt nun die Gäste, bevor sie gemeinsam in das durchchoreografierte Erlebnis des neuen Restaurants starten.
Die Aufzugtüren gehen auf und wir stehen mitten auf »Moon Island«. Die ersten changierenden Licht-Installationen, der Aperitif an der »Biophilic Bar« – schon hier wird klar: Das hier ist nicht einfach ein neues Restaurant, sondern ein Gesamtkonzept. Jens Madsen begrüßt an der organisch geschwungenen Bar vor einer Lichtprojektion von Oscar Zabala. Der digitale Künstler hat die generativen Lichtinstallationen entworfen, sie basieren auf Zutaten, Farben und Texturen, die von den Regionen der jeweiligen Menüs inspiriert sind und sollen als laufend veränderter Loop die atmosphärische Verbindung von Raum und Menü herstellen.
Kapitel eins
Die kulinarische Inspiration findet Jens Madsen für seinen »Culinary Nomadism« auf verschiedenen Kontinenten. Den Anfang machen Ost- und Südafrika. »Ich darf das alles in einen Berberbeutel – sozusagen Nomadenbeutel – packen und hier dann mit den Produkten, die wir in der Region haben, wiedergeben und kochen«, erklärt er. Im Menü findet sich die Black Pepper Soup mit einer Hommage an die pfeffrig-klaren Brühen Tansanias z.B. mit Saibling aus Kinsau und Kalbskopf oder Pilau mit geräucherter Aubergine, Zimtblüte, Nelken und Kardamom an der Seite von Reh vom Gutshof Polting.
»Mit Nomadic Earth schlagen wir das erste Kapitel unseres neuen Reisetagebuchs auf«, sagt Michael Käfer, Vorstand der Käfer AG. »Wir wollen unseren Gästen ein besonderes Erlebnis auf kulinarischem Spitzenniveau bieten, das den Horizont erweitert und die Aromen und Texturen der Welt mit den hochwertigsten Produkten der Region in einen überraschenden und zugleich harmonischen Kontext setzt.«
»Techmagic«
Im Gastraum entwickelt sich die Lichtstimmung im Verlauf des Abends vom sanften Abendlicht bis zum Tiefblau. In der Mitte schwebt die Wolke – das Leitmotiv des immersiven Projekts.
Für BMW Designworks, das sonst Fahrzeuginnenräume, Yachten oder Medizintechnik entwirft, war es das erste Restaurantprojekt. Studioleiterin Annette Baumeister beschreibt den Prozess in mehreren Schritten – erst wird eine Geschichte entworfen, dann werden Abläufe verfeinert; nicht jedes Detail ist von Anfang an festgelegt. Die Herausforderung sei dabei weniger die reine Raumgestaltung gewesen, als vielmehr das Entwickeln einer Atmosphäre für einen gastronomischen Ablauf. »Wir nennen das Techmagic: Wir geben dem Ganzen eine weitere Komponente, die nicht nur aus Materialien und Farben besteht, sondern das Ambiente als immersives Erlebnis gestaltet. Das beginnt mit dem Mond, der die Gäste empfängt. Weiter geht es mit der Golden Hour, etwa gegen 19 Uhr, wenn das Dinner-Erlebnis startet und man so in den Abend hineingleitet. Später endet der Gast in der Blue Hour – also der Blauen Stunde am Ende des Abends.«
Gemeinsam mit dem Käfer-Team sei daraus eine flexible, offene Dramaturgie entstanden. »Wir sind sehr schnell auf eine gemeinsame Sprache gekommen. Jens Madsen hat das von Anfang an mitgetragen.«
»Materialien müssen nicht laut sein, um präzise zu wirken«
Stoffe, Licht und Haptik bilden den gestalterischen Rahmen. Akribisch ausgewählte Stühle, eigens entwickelte Guéridons als funktionale Tischeinheiten, ein durchgängiges Farbkonzept von warmem Rosé bis tiefes Blau – alles ist auf Langlebigkeit und Wandel ausgelegt. Baumeister betont: »Wir wollten nicht inszenieren, sondern begleiten. Materialien müssen nicht laut sein, um präzise zu wirken.« Die textile »Cloud« selbst – gefertigt aus dreilagigem, handgeschnittenem Material des Schweizer Couture-Herstellers Jakob Schlaepfer – schwebt wie ein abstrahierter Himmelskörper über dem Gastraum, die Projektionen des Künstlers Zabala tanzen in mystischen Schleifen darüber, greifen Themen aus der Menüwelt auf und machen das Licht zur erzählenden Instanz.
Auch massive Elemente haben ihren Platz: etwa der fünf Tonnen schwere Monolith aus Titanstein, auf dem vor den Augen der Gäste letzte Hand an die Teller gelegt wird. Der rohe Beton der BMW Welt bleibt an mehreren Stellen bewusst sichtbar – als Kontrast zur Leichtigkeit der textilen Cloud und als Brücke zur Designsprache des Hauses.
Von Afrika nach München
Neben Madsen prägen Mona Röthig als Restaurantleiterin und Luigi Pecchia als Sommelier das neue Restaurant im dritten Stock einer der gefragtesten Touristen-Attraktionen ganz Deutschlands. Gemeinsam helfen sie den Gästen, sich einzufinden in das Fine-Dining-Erlebnis, das sie auf eine Reise durch die Küchen verschiedener Kontinente mitnimmt – und zugleich in eine futuristische, blau gefärbte »Dining Cloud«, die trotz ihrer ungewöhnlichen Atmosphäre nichts an Wärme vermissen lässt. Das Licht am Tisch ist warm gesetzt, der Service bleibt nahbar. An einer eigens gestalteten Wand zeigen Madsens mitgebrachte Stücke aus Afrika. Erinnerungen an seine Forschungsreisen.
Das achtgängige Menü schließt mit »Münchner Malz« von Chef Patissier Alex Koedel: Verveine, Ricotta und Himbeere mit der süßen Würze ostafrikanischer Malzgetränke. Ein schöner Bogen zur Bierstadt München, in der auch der innovative Autobauer seine Wurzeln hat. Und: Wer, wenn nicht BMW, sollte in zukunftsträchtige, technologische Konzepte investieren – und dabei nicht nur durch Autofenster, sondern auch über den Tellerrand hinausblicken!
Mehr Infos
Das Menü (acht Gänge plus Side Dishes, 290 €) wird von alkoholfreiem (140 €) oder klassischem Pairing (160 €) begleitet. Die erste »Season« im »The Cloud by Käfer« dreht sich kulinarisch um Ost- und Südafrika. Ein Wechsel des Menüs ist etwa alle zehn Monate vorgesehen. Innerhalb dieser Zeit entwickelt sich die aktuelle Edition jedoch ständig weiter und wird laufend durch saisonale Produkte angepasst.