Die Erwartungen sind hoch, wenn eine kulinarische Institution Hamburgs nach beinahe vier Jahren Pause wiedereröffnet. Schließlich kochten hier mit Anton Viehhauser und Ali Güngörmüs angesehene Sterneköche, bis das »Le Canard« im November 2020 schließen musste. Jakob Luis Hielscher und seine Partnerin Victoria Joana Scherer wagen nun einen Neuanfang. Der 30-Jährige, der unter anderem im Berliner Luxushotel »Adlon« am Herd stand, fasst sein Konzept breiter als seine Vorgänger: Neben Fine Dining bietet er auch eine Clubkarte an mit Gerichten wie dem zwölf Stunden gegartem Schweinebauch oder Currywurst vom Wagyu-Rind. Die Menüs gibt es mit fünf oder sieben Gängen. Eröffnet wird mit einem auf Apfelholz geräuchertem Tomatentatar, das mit gut dosierter Schärfe abgeschmeckt und mit Fenchelschaum, Rosmarinöl, Kapern und Buttercrostini serviert wird – eine gelungene Ouvertüre, während das wachsweiche Wachtelei auf lila Blumenkohlpüree mit Nussbutter und die Erbsen-Minzkaltschale mit Thüringer Durocspieß, Pannacotta vom Ziegenfrischkäse und Gurkensalz mehr optisch als geschmacklich überzeugten. Ein Highlight dagegen: der Kaisergranat mit Zitronensalzjoghurt, süßen Jalapeños in Reispanade und Weintraubenrelish – perfekt gegart, mit Kontrasten in den Texturen und gekonnt ausbalanciert. Das Dessert, Beerentörtchen mit Clotted Cream und Muscovado-Crumble, wirkte dagegen etwas anachronistisch: Lässt sich noch jemand von Blattgold als Topping beeindrucken? Trotzdem: Wenn man vom Restaurant aus den famosen Blick über Containerhafen und Elbe genießt, zweifelt man nicht an der Zukunft des »Le Canard«.