Als auf diesen Seiten zuletzt – äußerst positiv – von Thomas Seifried die Rede war, werkte er anno 2011 in der »Schiefen Laterne« in Graz. Dann zog es den gebürtigen Wolfsberger, der zuvor schon im »Grand Hotel« und »The Ring« in Wien Erfahrungen gesammelt hatte, endgültig in die Welt der Top-Hotellerie. Elf Jahre diente er im Ritz-Carlton auf den Cayman Islands als Chef de Cuisine im »Blue« von Eric Ripert, dessen New Yorker Flaggschiff »Le Bernardin« zu den ersten Seafood-Adressen der USA zählt. Bis ihn 2025 der Ruf in die Heimat ereilte, wo das frühere Handelsgericht Wien zum Hotel »Mandarin Oriental« mutierte. Seifried zeichnet als Executive Chef für die gesamte Gastronomie verantwortlich – und macht eine Ansage mit Absage. Beide Restaurants – die »Atelier 7 Brasserie« und das »Le Sept« – sind primär dem Leibthema des bekennenden »Seafood Enthusiast« gewidmet. Und der oft läppische Versuch, Wiener Versatzstücke auch noch im Repertoire zu haben, entfällt gänzlich. Die Bühnen für Schnitzel, Tafelspitz und Co. sind fußläufig erreichbar. Zum »Le Sept« sind zwei Dinge zu berichten. Punkt eins: den Interior Designern scheinen last minute die Ideen ausgegangen zu sein. Sprich – das Top-Lokal des Hauses verdient einen würdigeren Rahmen als ein schummriges Extrazimmer mit Kunstkerzen samt Wackelflamme als Deko. Baldige Umgestaltung ist avisiert. Viel wichtiger Punkt zwei: Ein Seafood-Menü dieser Extraklasse kann man in Österreich sonst suchen gehen. Hier nur beispielhaft: Hamachi (exzeptionell) kurz abgeflämmt auf Kimchi-Emulsion, etwas Nashi Birne kontrastiert die Schärfe. Dazu eingelegte Hon-Shimeji-Minipilze, knuspriges Nori-Blatt, Meerspargel. Große hochintelligente Küche. Oder Alaska-King Crab auf Chawanmushi mit Artischocke à la Barigoule mit zartem Speckaroma und Caviar. Allerfeinst abgestimmt, die Zutaten wie ein besteingespieltes Orchester. Oder ganz tolle Produkte ohne Chichi: Jakobsmuscheln mit Waldpilzen, Topinambur und Albatrüffeln in geräucherter Butter. Dazu reicht Sommelier Christopher Oswald, zuletzt auch in Grand Cayman, den oxidativ ausgebauten Blanc de Blancs Sekt vom Weinviertler Gut Schödl – ideale Partner. Nach sechs Meeres-Gängen dann A5 Miyazaki Wagyu als Striploin und Short Rib-Praline. Und Patisserie-Klassik zum Finale – »Mont Blanc« aus Baiser und Maronimousse mit Cognac Kirschen. Der Weinkarte merkt man an, dass das Hotel gerade erst gestartet hat. Und eines Rätsels Lösung. Was hat es mit »7« im Namen der Restaurants auf sich? Ein Blick auf die Hausnummer genügt.