Der Generationswechsel im »Wullenwever« vollzieht sich nahezu mühelos: Roy Petermann, der das Lübecker Restaurant ein Vierteljahrhundert geprägt hat, übergab die Leitung vor Kurzem an seinen 26-jährigen Sohn Jean-Luc. Der junge Küchenchef, ausgebildet in Naurath in »Rüssels Landhaus« sowie im »Söl’ring Hof« auf Sylt, setzt bereits selbstbewusste Akzente. Mutter Manuela Petermann verantwortet im 1585 erbauten Patrizierhaus den gut gelaunten Service und eine umfangreiche Weinkarte mit beeindruckender Jahrgangstiefe und Schwerpunkten in Deutschland, Frankreich und Italien. Schon der auf Sanddorn gebeizte Limoncello-Lachs mit Sylter Rose skizziert die stilistische Leitlinie der Küche: Frische, Frucht und Säure. Die Sanddorncreme bringt herbe Spannung ins Spiel, das Limoncello-Öl betont den Zitruscharakter, Forellenkaviar steuert eine salzige Pointe bei – eine Hommage an die norddeutsche Küste und ein überraschendes Aromenspiel. Die teegeräucherte Wachtel zeigt die verspieltere Seite des Duos: Kürbis, gepickelt und als Flan, trifft in der Dattel-Speck-Vinaigrette auf ein süßsaures Intermezzo, während Keule und Brust punktgenau gegart sind. Ebenso filigran gelingt das leicht glasige Rotbarbenfilet auf mediterranem Gemüse im rauchig-würzigen Bouillabaisse-Fond, begleitet von einer dezent pikanten Sauce Rouille. Gedörrter Fenchel steuert eine raffinierte, süßliche Anisnote bei. Auch die Klassik findet ihren Platz: Der à point gegarte Rehrücken mit jungem Sellerie und Steinpilzen ruht auf einer konzentrierten Jus, die mit Americana-Trauben aromatisiert ist – nur eine der vielen unprätentiösen, doch ideenreichen Pointen dieser Küche.