Vor der bodentiefen Glasfront im neunten Stock entfaltet sich ein Panoramablick auf die Alster, wie man ihn liebt: weiße Segelboote auf blauem Wasser, eingerahmt vom satten Grün der Uferbäume. Patrick Weber genießt dieses Postkartenmotiv nun schon zum zweiten Mal in seiner Karriere – als Arbeitsplatz. Der gebürtige Niedersachse stand bereits im Hotel Atlantic am Herd, bevor er zuletzt für die konzeptionelle Ausrichtung der Gastronomie im spektakulären Bunker am Heiligengeistfeld verantwortlich war, der im vergangenen Jahr eröffnet wurde. Jetzt also wieder die Alster – diesmal als Küchenchef des »Heritage« im Hotel Le Méridien. An der kulinarischen Grundausrichtung möchte der 44-Jährige nichts ändern. Der 800-Grad-Broiler von Southbend und die exzellente Auswahl an Steaks sind seit Langem das Markenzeichen des Hauses. Doch mit hausgereiftem Dry-Age-Beef und kreativen Impulsen will Weber die Messlatte höher legen. Seine Handschrift zeigt sich gleich beim Tuna Tataki, das er mit einer geballten Portion Umami versieht: sautierte Buchenpilze und eine leichte Teriyaki-Sauce sorgen für Tiefe, ein feiner Kokosschaum und frisches Zitronengras bringen aromatische Leichtigkeit. Im Southbend-Grill bekommt das Flank Steak vom US Greater Omaha Beef seine kräftigen Röstaromen. Eine klassische Sauce Béarnaise mit buttriger Estragonnote bringt das Gericht in perfektes Gleichgewicht Auch der süße Abschluss überzeugt: ein filigranes Bouquet aus Erdbeeren, Rhabarber und Pistazien, balanciert mit der frischen Säure eines Sauerrahmeises und einem unglaublich klaren Limettengelee. Schade bloß, dass der Service wenig ambitioniert agiert.